Bezirks- und Gemeindesuche
Angst macht gefügig
In Zeiten von Kurzarbeit und Kündigungen sind Arbeitnehmer besonders vorsichtig. Die Gewerkschaft hat alle Hände voll zu tun, um sie vor Unrecht zu schützen.

Foto © KKSitzt der Chef in der Krise am längeren Ast?
Das Jahr 2009 hatte es aus Sicht der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) in sich. 4500 Beratungsgespräche haben die Profis im Arbeitsrecht abgewickelt. Fast 300 Mal mussten sie bei Unternehmen intervenieren, damit Angestellte zu ihrem Recht kommen. In knapp 50 Fällen reichten diese Bemühungen nicht aus und es mussten die Gerichte entscheiden. Insgesamt 1,6 Millionen Euro konnte so die GPA für ihre Mitglieder erstreiten.
Druch ist gestiegen
Der große Einsatzbedarf der Gewerkschafter erklärt sich laut GPA-Geschäftsführerin Jutta Brandhuber so: "Der Druck auf dem Arbeitsmarkt ist seit der Wirtschaftskrise enorm gestiegen. 2009 wurden auffallend viele Kündigungen ausgesprochen." Um nicht die Gruppe der 30.000 arbeitslosen Kärntner noch weiter zu verstärken, gehen viele Arbeitnehmer vor dem Chef in Deckung - dabei hätten sie rechtlich gesehen viel mehr Spielraum. "Ob Kündigung, Abfertigung, Überstunden oder Urlaub: Die Arbeitnehmer unterschreiben aus Angst alles, was sie vorgelegt bekommen. Sie sollten sich jedoch vorher unbedingt informieren", sagt Brandhuber. Entscheidungen des Chefs sind nämlich nicht immer unumstößlich. Für einen 59-Jährigen Angestellten konnte die GPA erreichen, dass er ein Jahr länger beschäftigt wurde, damit er die Hacklerregelung in Anspruch nehmen kann. Sein Arbeitgeber wollte ihn knapp vor Pensionsantritt feuern. Brandhuber weiß von vielen Fällen, in denen Kündigungen zu Unrecht ausgesprochen oder falsch abgewickelt wurden. "Man merkt derzeit, dass viele Firmen nur noch aufs Geld schauen und die menschlichen Schicksale vergessen", sagt Brandhuber.
Und trotzdem spielen die Arbeitnehmer weiter mit. "Sie lassen sich unter dem Druck der Wirtschaftskrise mehr gefallen als früher. Sie verzichten aus Loyalität zum Unternehmen beispielsweise sogar auf ihr Gehalt." Brandhuber kritisiert, dass alle Lasten der Wirtschaftskrise auf die Angestellten abgewälzt würden. "Aber gleichzeitig werden wieder munter hohe Dividenden ausgezahlt."
Als wäre die Lage nicht angespannt genug, denken sich die Personalmanager in den Führungsetagen neue Wege aus, um aus den Angestellen vertraglich noch mehr herauszuholen. Die GPA warnt vor neuen Vertragsmöglichkeiten wie "All-in-Verträge" oder "Aussetzverträge" (siehe Info links unten).
Features
Stolpersteine
"Aussetzverträge" sind der letzte Schrei auf dem krisengebeutelten Arbeitsmarkt. Dabei werden Dienstverhältnisse einvernehmlich beendet, es besteht aber eine Wiedereinstellungszusage für den Fall, dass sich das Unternehmen erholt. Die GPA rät von dieser Möglichkeit ab, da man so auf Rechte verzichtet, die man bei einer Kündigung hat.
"All-in-Verträge" haben ihren Namen vom Pokerspiel. Tatsächlich braucht man bei dieser Vertragsoption eine Portion Glück, denn man erhält einen Pauschalbetrag ohne Überstunden und Spesen. Finger weg!



















