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Zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 um 05:00 UhrKommentare

Alban Berg wäre heute 125 geworden

Heute vor 125 Jahren wurde Alban Berg in Wien geboren. Der Komponist verbrachte in seiner Jugend viel Zeit am Ossiacher See. Später entstand im "Waldhaus" in Auen bei Velden sein berühmtes Violinkonzert.

Foto © kk/Archiv

Gestern Nachmittag in Velden, wo ich von einem Auener Bauern den ehrenden Antrag bekommen habe, für seinen Gesangsverein ein Motto (Vierzeiler) zu dichten und zu komponieren. Zwei Zeilen habe ich schon: Das ganze liebe Auen kann mir in' Hintern schauen", schrieb Alban Berg im Februar 1934 an seine Frau. Es war jener Winter, den der Komponist im "Waldhaus" verbrachte, wo er an seiner Oper "Lulu" arbeitete.

Berg hatte das Waldhaus in Auen am Wörthersee - ursprünglich ein Gasthaus mit eigener Schiffsanlegestelle - 1932 ersteigert, das Geld dafür kam von den Tantiemen für seine erfolgreichen Oper "Wozzeck". Für Berg war das so etwas wie eine Rückkehr: Seine Familie besaß seit 1894 den "Berghof" am Ossiacher See, in seiner Jugend verbrachte Berg hier viele Sommer mit Schwimmen, Bootfahren und Bergtouren, musizierte mit den Geschwistern und machte mit der Familie Ausflüge, unter anderem nach Bleiberg, woran er sich als 30-jähriger in einem Brief an Anton Webern erinnerte: "Ich war einmal im Bleiberger Bergwerk, das hat mir einen solchen Eindruck gemacht, daß ich ein ganzes Bergwerkdrama geschrieben habe . . . Bevor ich komponierte, wollte ich überhaupt Dichter werden."

Ruder-Partie

Im Jahr 1911 heiratete er Helene Nahowski, eine illegitime Tochter von Kaiser Franz Joseph, die ihn in den ersten Jahren der Ehe häufig auf den "Berghof" begleitete. Bergs Neffe Erich Alban erinnert sich: "Man nahm mich und den weißen Dackel ,Mahler' - er war der letzte einer großen Zucht von seltenen Albinos - im weißen Ruderboot auf den See mit. Mit der Neugierde des Siebenjährigen studierte ich das Mienenspiel des großen Onkels und der schönen Tante (...)."

Nach dem Ersten Weltkrieg hat Alban Berg den Berghof selbst zwei Jahre lang bewirtschaftet, bevor er ihn 1920 - wohl nicht ungern, da er darin vor allem einen "Frondienst" sah - verkaufte. Erst ein gutes Jahrzehnt später legte man sich mit dem "Waldhaus" wieder eigenen Besitz in Kärnten zu, wo Berg wie ein "Bauer unter Bauern" lebte, wie Hans Heinsheimer, Leiter der Bühnenabteilung der Wiener Universal Edition, berichtete. Berg werkelte im Garten, unternahm lange Spaziergänge und Ausfahrten mit seinem geliebten Ford. Den hatte er sich von den ersten Tantiemen für den "Wozzeck" gekauft. Immer wieder ließ er auch seine Frau Helene (die er gerne "Pferscherl" nannte) ans Steuer, während er sich, mit einem Notizblock auf den Knien, umschaute und komponierte.

Im "Waldhaus" entstanden nicht nur weite Teile der (von Friedrich Cerha vollendete) Oper "Lulu", sondern auch Bergs berühmtes Violinkonzert. Es wurde vom amerikanischen Geiger Louis Krasner im Februar 1935 in Auftrag gegeben und kam Berg gerade recht: Die Nazis boykottierten sein Werk in Deutschland und seine finanzielle Lage verschlimmerte sich zusehends. Trotzdem blieb Berg untätig, bis ihn Ende April die Nachricht vom Tod der 18-jährigen, an Kinderlähmung erkrankten Manon Gropius (die Tochter Alma Mahlers und Walter Gropius) erreichte, der er in seinem Violinkonzert ein musikalisches Denkmal setzte. Im Sommer war das Werk, das zur Gänze im Waldhaus entstand, fertig und Berg nahm die Arbeit an "Lulu" wieder auf.

Insektenstich

Die Uraufführung sollte der leidenschaftliche Fan des österreichischen Fußball-"Wunderteams" nicht mehr erleben. Im August 1935 wurde er in Kärnten von einem Insekt ins Rückgrat gestochen, es entwickelte sich ein Furunkel. Berg kehrt im November nach Wien zurück. Der Schriftsteller Soma Morgenstern erzählte später, dass Berg keinen Arzt aufsuchte, sondern seine Frau ihm dieses Furunkel aufschnitt, vermutlich dadurch sei es zu einer Blutvergiftung gekommen. Am 24. Dezember 1935 starb Alban Berg in Wien.

Er wurde auf dem Hietzinger Friedhof bestattet. Der Kärntner Dichter Herbert Strutz, von 1922 bis 1925 Kompositionsschüler von Alban Berg, erzählt in "Kärnten auf vielen Wegen": "Sein Grab schmückt ein schlichtes schweres Kreuz vom Holz einer Lärche aus dem an das Waldhaus angrenzenden Wald. Es ist eine letzte Gabe der von ihm überaus geliebten Landschaft Kärntens."

MARIANNE FISCHER

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Zur Person

Alban Berg, * 9. Feb. 1885 in Wien, 24. Dez. 1935 ebenda. Österreichischer Komponist der Zweiten Wiener Schule. Gehört zu den großen Erneuerern der Musik des 20. Jhdt, sein Werk vereint Einflüsse der Mahlerschen Spätromantik mit Arnold Schönbergs feier Atonalität und der Zwölftontechnik.

Verliebte sich als 17-jähriger in das Küchenmädchen Marie Scheuchl, mit ihr hatte er die Tochter Albine, zu der er zeitlebens kaum Kontakt hatte. 1911 heiratete er Helene Nahowski.

Werke

Die Opern "Wozzeck" und "Lulu". Das bekannteste Werk dürfte sein "Violinkonzert" sein. Seine "Lyrische Suite für Streichquartett" (1926) widmete er insgeheim seiner Geliebten Hanna Fuchs, der Schwester Franz Werfels.

Literatur-Tipp

Anton Fuchs: Auf ihren Spuren in Kärnten. Alban Berg, Gustav Mahler, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Anton Webern. Carinthia-Verlag.

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