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Austro-Pässe für Formel 1-Millionen
Jetzt ist klar, wer Jörg Haiders Investoren für den Formel 1-Einstieg Patrick Friesachers waren: zwei Unternehmer aus Moskau, die prompt zwei Jahre später die österreichische Staatsbürgerschaft bekamen.

Foto © APHaider ermöglichte Friesacher den Minardi-Cockpitplatz
What's Karnten?" Etwas zu Essen? Zu Trinken? Eine Kaffemaschine? Das fragten sich sich Australische Journalisten, als plötzlich ein Formel 1-Pilot mit dem Kärnten-Schriftzug auftauchte. Fragen, die in eines der bizarrsten Engagements des Kärntner Eventlandes Jörg Haiders führen - den Einstieg in den internationalen Rennsport. Mit Russenmillionen, wie sich jetzt herausstellt.
Rückblick: Im Februar 2005 startete der Lavanttaler Patrick Friesacher in der Formel 1 bei Minardi und sorgte für einen Riesenwirbel. Von einer "ganz großen Chance" für Kärnten war die Rede, obwohl Minardi ein Rennstall ist, bei dem die Fahrer zahlen müssen - nicht umgekehrt. Dass Friesacher zu dieser Zeit mit dem offiziellen Kärnten-Schriftzug - auf Deutsch, samt Umlaut - auf Helm und Kappe unterwegs war, sorgte im internationalen Formel-1-Business für Rätselraten. Umlaute gibt es außer im Deutschen, im Finnischen, im Ungarischen im Schwedischen und im Isländischen nirgendwo weltweit.
Erinnerung ist vielen auch noch der Skandal-Grandprix von Indianapolis, bei dem Friesacher den 6. Platz machte - von sechs Rennfahrern. Allein sein Fahrzeug hätte jede bessere Platzierung vereitelt. Gedauert hat die Phase "Kärnten goes International" dann genau sechs Monate. Friesach wurde noch zur Saisonhälfte bei Minardi vor die Tür gesetzt - ihm war das Geld ausgegangen. Geld, dessen Herkunft noch lange später hinterfragt wurde. Aber Aufklärung hat es nie gegeben. Friesacher gab damals nur zu, "dass Landeshauptmann Haider geholfen hat, Sponsoren zu gewinnen". Das Land selbst habe ihn aber nie direkt unterstützt.
Risiko-Investment
Jetzt wurden laut "Kurier" zwei potente Geldgeber Friesachers ausfindig gemacht. Die beiden russischen Geschäftspartner Alexey B. und Artem B. überwiesen 2005 laut Franz Koloini, damals Protokoll-Chef Haiders, eine Million Euro an Friesacher. Der LH hatte sie bei den "Bregenzer Festspielen kennengelernt. Oder war es doch Mörbisch?", so Koloini. Zwei Jahre später bekommt das Unternehmer-Duo, das ein Stromversorgungs-Unternehmen nahe Moskau betreibt, die Staatsbürgerschaft: Am 10. Jänner 2007 werden die Anträge aus dem Amt der Kärntner Landesregierung im letzten Ministerrat des Kabinetts Schüssel/Gorbach genehmigt.
Zufall? "Die Staatsbürgerschaft steht damit in keinem Zusammenhang - sie kam ja zwei Jahre später", sagt Koloini am Montag im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Wo dann der Gewinn der Russen auszumachen sei, erklärt Koloini so: "Sie hätten ja bei einem Weiterverkauf Friesachers, etwa zu Red Bull, kassiert. Friesacher war ein Ausnahmetalent. Trotzdem ist ein Sport-Investment halt ein Risiko." Und er bleibt dabei: "Für Kärnten war es eine Chance, die Marke international zu positionieren." What's Karnten?
Dass die Optik unschön ist, tut Koloini ab: "Mir sind russische Investoren mit Staatsbürgerschaft lieber, als Hirtentreiber, die den Staat Geld kosten. Auch im Silicon Valley bekommt jeder eine Staatsbürgerschaft." Ob eine Parteispende geflossen sei? "Weiß ich nicht, aber ich glaube nein", sagen Koloini und sein damaliger Kollege Robert Seppele, Haiders Sekretär, unisono. Koloini sei nur damit betraut gewesen, die Zahlungsbestätigung auf Friesachers Kreditkonto bei der Hypo Alpe Adria nach Melbourne zu faxen. Friesacher (jetzt 29) war am Montag nicht erreichbar. Er macht jetzt bei Städterennen mit. Im Go-Kart.
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Kommentar
"Im Staatsinteresse"
Seit 2003 hat es laut dem Amt der Kärntner Landesregierung zirka 20 Einbürgerungen aus Russland gegeben. Die meisten allerdings infolge einer Heirat mit einem Österreicher oder weil die betreffende Person schon seit vielen Jahren hier lebt und arbeitet.
Einigen wenigen wurde von der österreichischen Bundesregierung die Doppel-Staatsbürgerschaft verliehen - wegen "außerordentlicher Leistungen im Interesse der Republik". Das betrifft meist Spitzensportler, Künstler oder eben Investoren.
Im Vorjahr gab es zehn Anträge auf "Einbürgerung im Staatsinteresse" aus Kärnten - alle abgelehnt.
Die Vorgehensweise: Das Amt der Kärntner Landesregierung schickt die Anträge (samt möglicher Empfehlungen) nach Wien. Der Ministerrat entscheidet.


















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