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"Wer zuschaut und schweigt, ist mitschuldig"
"Das neue Kärnten" von Reinhard Eberhart gibt Enttäuschten im Lande eine Plattform – und boomt. Daraus könnte eine neue Partei entstehen. Die Kleine Zeitung bat den "Ideen-Großindustriellen" zum Interview.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunReinhard Eberhart
Schulden- und Hypo-Debakel, Korruptionsverdacht gegen einen Spitzenpolitiker und mit sich selbst beschäftigte Landesparteien haben Sie veranlasst, die Plattform "Das neue Kärnten" als Netz der Gegenbewegung und Aufklärung zu bilden. Sie wenden sich "gegen Korruption, das politische Unvermögen und Dummheit im Lande" Wie läuft es?
Reinhard Eberhart: Unsere Homepage gibt es erst seit fünf Tagen und wir haben schon fast 4000 Besucher. Über 50 Personen wollen ganz konkret mitarbeiten. Wir wollen eine Art Wikipedia der Kärnten-Skandale erstellen.
Haben Sie auch prominente Aktivisten in Ihren Reihen?
Reinhard Eberhart: Es gibt etliche bekannte Leute aus der Landesregierung, den Magistraten, dem LKH. Sie müssen noch geschützt werden. Alle sind enttäuscht von dem, was in Kärnten abläuft und schöpfen über unsere Plattform Hoffnung. Die Leute haben genug von einer Politik, die sich nur noch zwischen Saualm und Ortstafeln bewegen will, während fast 100.000 Menschen an der Armutsgrenze leben.
Sie geben den Frustrierten und Enttäuschten eine Plattform; wie geht es jetzt weiter?
Reinhard Eberhart: Wir werden einen Verein "Das neue Kärnten" gründen, weil wir Geld brauchen. Es gibt Leute, die uns finanziell ganz bewusst unterstützen wollen, weil das, was sich derzeit in Kärnten tut, dem Land schadet. Als Aktivität wird es etwa den "Rosenmontag des Widerstandes" für Gleichgesinnte geben.
Ist der Verein als Gegengewicht zu den herrschenden Zuständen in Kärnten der erste Schritt hin zur Gründung einer neuen Partei?
Reinhard Eberhart: Derzeit denken wir noch nicht daran, sondern hoffen, dass sich die Landesparteien selbst erneuern. Andernfalls könnte es aber sein, dass aus der Plattform heraus eine neue Partei entsteht.
Muss da nicht die Ernsthaftigkeit hinterfragt werden? Sie sind auch als Faschingsgeneralintendant bekannt.
Reinhard Eberhart: Die Ernsthaftigkeit der Situation in Kärnten ist allen klar. Dahinter kann man sich nicht verstecken. Man muss aufstehen. Denn wer diesem Treiben zuschaut und schweigt, macht sich mitschuldig. Ich bin nur der Mitinitiator dieser Plattform, die von so vielen Leuten getragen wird. Mit meinen Initiativen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart habe ich immer bewiesen, dass man die Leute mit Humor zum Nachdenken bringen kann. Clowns und Satiriker sind immer sehr ernsthafte Menschen.
Die Plattform ist unabhängig von allen Parteien?
Reinhard Eberhart: Wir wollen mit keiner dieser Parteien etwas zu tun haben. Die haben sich alle am öffentlichen Gut bedient: Beispiel Erhöhung der Parteienförderung. In Zeiten, in denen alle sparen müssen, soll das auch für die Politik gelten. Die Parteienförderung müsste reduziert werden.
Features
Zur Person
Reinhard Eberhart (50), verheiratet und Vater einer Tochter, lebt in Villach. Dort hat er das Reinhard-Eberhart-Museum gegründet, als internationales Zentrum für kreatives Denken.
Herausgeber von Faschingszeitungen, Faschingsgeneralintendant, Ideen-Großindustrieller, Erfinder des Ackerns, all das sind Facetten seines Wirkens.
Aktionen
Mit Aktionen für "rauchfrei", SOS-Mitmensch, zur Ausländerfrage hat er über Jahre auf kreative Art heiße gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen – und dazu Postkarten erstellt.
















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