Bezirks- und Gemeindesuche
In Kärnten die neue Heimat finden
Integration findet in Kärnten täglich statt. Die Kleine Zeitung zeigt deshalb Schicksale von Menschen, die hier ihren neuen Lebensinhalt fanden.
Während Politiker über Asylzentren streiten und versuchen, durch Abwertung von Menschen ausländischer Herkunft und verschärfte Gesetze politisches Kapital zu schlagen, ereignen sich Zuzug, Integration und Zusammenleben seit jeher. Tagtäglich finden Menschen in Kärnten ihre neue Heimat, neue Freunde und ihren neuen Lebensinhalt. Manche der hier Porträtierten haben einst politisches Asyl erhalten, einige sind EU-Bürger oder aus anderen Gründen zugezogen, oder sie warten noch auf Asyl. Manche leben schon lange in Kärnten, haben sich eine Existenz aufgebaut, sind lange schon eine Bereicherung für die neue Heimat, andere stehen noch ganz am Anfang ihres Weges hier. Die neue Heimat Kärnten war für sie nicht Schicksal durch Geburt, sondern bewusste Entscheidung.
Musik und Gedanken sind frei
Drei Jahre in Klagenfurt sollten das Leben des tschechischen Geigers Milan Vit verändern. Er lernte Freiheit kennen, dann musste er zurück hinter den Eisernen Vorhang. Seine erste Reise aus der damaligen Tschechoslowakei war behördlich genehmigt: Der gebürtige Pilsener, der Geige und Bratsche studiert hat, durfte 1969 ein dreijähriges Engagement am Stadttheater Klagenfurt annehmen. "Ich habe damals politische Freiheit kennen gelernt, Eigeninitiative und Kritikfähigkeit. Das alles war mir neu", erinnert sich Milan Vit. Umso härter war die Rückkehr nach Pilsen: Repression und dauernde "politische Schulungen" sollten ihn wieder auf Linie bringen. Das Gegenteil war der Fall: "Ich wollte nur weg, durfte aber nicht mehr in den Westen." Immerhin bekam er eine Stelle in Montenegro. Die er nie antrat: Denn der Zug fuhr über Klagenfurt. Vit stieg aus, suchte um politisches Asyl an und begann als Geiger am Stadttheater Klagenfurt. "Nie wollte ich Lehrer werden!", erinnert er sich, "aber dann lernte ich Gustav Mayer am Konse kennen, und wie er Kindern die Musik nahe brachte, hat mich fasziniert." Sieben Jahre lang studierte Vit bei Mayer Musikpädagogik. In dieser Zeit gründete er eine Familie. Ein Zurück gab es nicht: Er erfuhr, dass er in der alten Heimat aus politischen Gründen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war. Seit 1979 ist Milan Vit Österreicher. Als legendärer Geigenpädagoge hat er in 30 Jahren rund 1000 Kärntner Kindern die Liebe zur Musik vermittelt, auch mit Jugendtourneen und Musizierwochen. Bekannte Geiger wie Roman Krainz hatte er unter seiner Fittiche. "Ich habe drei Heimaten", sagt er, "Kärnten, Pilsen - und die Musik."
Fadumo: "Ich habe mich in Kärnten verliebt"
Fadumo A. Mohamed stammt aus Somalia. Geboren in Mogadischu wuchs sie behütet auf. Der Vater war Marineoffizier, die Mutter kümmerte sich um die Kinder. Als Fadumo zwölf Jahre alt war, änderte sich alles: "Der Schulbus stoppte plötzlich mitten auf dem Weg. Wir mussten aussteigen, ich hörte etwas Knallen." Erst später begriff sie, dass sie Schüsse gehört hatte - einer davon hatte gerade ihre Mutter getötet. Ihre Nachbarin stürzte auf sie zu und begann sie brutal zu verprügeln, während Bewaffnete die Häuser durchkämmten. "Als die Gewehrmänner weg waren, entschuldigte sich die Nachbarin und gab mir Gold für die Flucht. Sie hat mir wahrscheinlich das Leben gerettet, sonst hätten mich die Männer getötet", schildert Fadumo. Sie schlug sich nach Kenia durch, nach Ägypten und Kanada, wo ihr Vater inzwischen Asyl erhalten hatte. "Ich wurde Kanadierin, ging dort zur Schule. Mit 17 fuhr ich meine Tante in London besuchen. Durch einen behördlichen Fehler erhielt ich plötzlich die britische Staatsbürgerschaft." Sie lebte also in London und schloss gerade ihre Ausbildung im Gesundheitswesen ab, als sie einen Kärntner Ingenieur kennen- und lieben lernte. Fünf Jahre lebte das Paar in England, 2003 zog es nach Althofen: "Ich hatte mich in Kärnten verliebt, die Seen, die Berge. Hier sollten unsere Kinder aufwachsen." Nach der Karenz möchte Fadumo in der Altenpflege arbeiten. "Ich liebe alte Menschen. Sie haben so viele Geschichten."
Wegen einer Kutsche in Kärnten
"In Vietnam geboren, aber chinesischer Abstammung, wurde Tuan Phan als Baby ohne Mutter ausgewiesen. Die Familie blieb zusammen - in Kärnten. "Meine Familie stand kurz nach meiner Geburt 1976 vor einem unmöglichen Dilemma", schildert Tuan Phan. Sein Vater - chinesischer Abstammung -, Tuan und sein Bruder sollten Vietnam verlassen und nach China gehen. Seine Mutter hätte in Vietnam bleiben müssen. Als Tuan zwei Jahre alt war, floh die Familie vor Ausweisung und Zerrissenwerden nach Hongkong. Im Auffanglager gab es dort für Vietnamflüchtlinge die Möglichkeit, sich eine neue Heimat auszusuchen. "Meine Eltern entschieden sich für Kärnten, weil sie im Camp ein hübsches Bild aus Österreich mit einer Pferdekutsche drauf gesehen hatten. Sie sehnten sich nach ein bisschen Idylle." Die Familie Phan kam erst nach Landskron, dann ins Mölltal. "Da war ich drei. Wir waren anerkannte Flüchtlinge und bald Österreicher. Alle waren enorm hilfsbereit", erinnert sich Tuan. Eine evangelische Kirchengemeinschaft kümmerte sich besonders um die Familie. Ein Mitglied der Kirche war Personalchef einer großen Firma - er stellte die Eltern ein. Technikbegeistert war Tuan Phan von klein auf: "Meine erste Steckdose habe ich als Kleinkind zerlegt!" Nach abgeschlossener Lehre als Werkzeugmacher arbeitet Tuan heute als Techniker bei einem Technologieunternehmen in Mittelkärnten. Vietnam hat er mehrmals besucht - als Tourist: "Ich spreche vietnamesisch mit leichtem Akzent. Wenn ich dort bin, hören sie schon, dass ich Ausländer bin."
Hoffen auf ein Asyl-Tor
Aslambek Mukayev ist Tormann des "FC Tschetschenien" in Kärnten, der Freundschaftsmatches gegen Kärntner Mannschaften spielt. Geboren ist er in Katyr-Jurt, einem Dorf. Die Schule dort wurde durch den Krieg ebenso zerstört wie das Land selbst. "Nichts hat funktioniert", erinnert er sich, "das Leben war unsicher." Als er älter wurde, drohte die Gefahr, von Milizen eingezogen zu werden. Aslambek floh mit seiner Familie. In Österreich, zuletzt in Eberndorf, wartet er seit zwei Jahren und vier Monaten auf die Asyl-Anerkennung. Er holt seinen Schulabschluss nach, "damit ich dann gleich arbeiten gehen kann, wenn ich Asyl habe."


















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