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Zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 um 05:00 UhrKommentare

Ein Drama um anonyme Geburten in Kärnten

Elf Frauen haben in Kärnten ihr Baby anonym zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben. Eine Variante, die für Mutter und Kind diskreter und sicherer ist als die Babyklappe.

Wenn eine Mutter ihr Baby nach der anonymen Geburt zur Adoption freigibt, ist "jeder Abschied herzzerreißend und es fließen Tränen - bei uns allen", sagt Birgit Minzer

Foto © KLZ/WeichselbraunWenn eine Mutter ihr Baby nach der anonymen Geburt zur Adoption freigibt, ist "jeder Abschied herzzerreißend und es fließen Tränen - bei uns allen", sagt Birgit Minzer

Mütter, die ihrem Kind zwar das Leben schenken, aber nicht mit ihm leben können, haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie geben das Neugeborene in eine Babyklappe, was erfahrungsgemäß große mediale Aufmerksamkeit erregt. Oder sie entschließen sich zu einer anonymen Geburt. Die ist nicht nur diskreter, sondern auch sicherer für Mutter und Kind.

Von dieser Möglichkeit haben seit dem Jahr 2005 elf Frauen Gebrauch gemacht. "Darunter sind 16-jährige Mütter in Lehre oder Ausbildung, deren Eltern keine Ahnung haben, oder auch Frauen um die 40, die einen neuen Partner haben oder von einem einmaligen Abenteuer schwanger wurden", sagt Birgit Münzer, Leitende Hebamme am LKH Klagenfurt. "Einige Frauen werden von materieller Not dazu getrieben, ihr Kind zur Adoption freizugeben, weil sie sich kein weiteres leisten können."

Herzzerreißende Abschiede

In den Krankenhauspapieren werden die Frauen fortlaufend nummeriert als "anonyme Mutter 1, 2, 3..." geführt, die Kinder entsprechend als "anonymes Kind 1, 2, 3...". Keiner Frau ist es leicht gefallen, sich von ihrem Kind zu trennen und es adoptieren zu lassen. Münzer: "Fast alle Mütter haben ihr Kind gesehen. Sie nehmen Fotos mit oder schreiben Briefe für das Kind, wenn es einmal größer ist. Sie lassen ein Stofftier zurück oder eine Kette. Eine Frau saß vier Stunden im Büro, bis sie ihr Neugeborenes loslassen konnte. Jeder Abschied ist herzzerreißend und es fließen Tränen - bei uns allen." Da tröstet es, dass sie es mit ihren Kolleginnen dreimal geschafft hat, dass die Mutter ihr Kind behielt. "Wir haben gesagt, wo sie Hilfe bekommen. Und dass sie ihr Kind zu Pflegeeltern geben können, bis sie schulisch oder finanziell über den Berg sind."

Irgendwann machen sich fast alle Adoptierten auf die Suche nach ihren Wurzeln. "Wenn alle einverstanden sind, sagen wir den Adoptiveltern, wie die Mutter aussah - groß, klein, blond, schwarzhaarig. Mehr wissen wir selber nicht, und für die Kinder ist es wenigstens eine Information."

Münzer ist voller Hochachtung für die anonymen Mütter: "Weil die meisten schon in der Schwangerschaft kommen, damit ihr Kind gesund ist. Weil sie sich kümmern, obwohl sie ihr Kind verlieren. Und weil sie sich für den schwereren Weg entschieden haben und ihrem Baby ein Leben ermöglichen, statt es einfach abzutreiben."

JOCHEN BENDELE

Adoption

Wunscheltern. Zur Adoption freigegebene Babys sind Wunsch-kinder - für die Adoptiveltern. Sie bewerben sich bei der Bezirkshauptmannschaft. Ihre Wohnverhältnisse, psychische und physische Gesundheit und Leumund werden genau überprüft. Dann kommt das Paar auf die Adoptiveltern-Liste des Jugendamtes.

Pflegeeltern. Vier bis sechs Monate lang sind sie nur Pflegeeltern, denn so lange kann die leibliche Mutter ihr Kind zurückfordern. Wenn die vom Jugendrichter ausgesprochene Adoption rechtskräftig wird, hat die Mutter keine Ansprüche mehr.

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