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Zuletzt aktualisiert: 30.10.2009 um 10:46 UhrKommentare

Hilferufe aus den Hörsälen

Die Studentenproteste in Kärnten gehen weiter. Vier Studenten der Universität Klagenfurt erklären, warum und wofür sie auf die Straße gehen.

Protestierende Studenten an der Uni in Klagenfurt

Foto © Kleine Zeitung/SchmerlaibProtestierende Studenten an der Uni in Klagenfurt

Reiche Eltern für alle!" "Geld für Bildung statt für Banken!" "Bildung für alle!" Die Slogans auf Bannern und Plakaten bestimmen seit Dienstag das Bild auf der Klagenfurter Alpen-Adria-Universität. Der Schwung vom ersten Protesttag, als sich noch über 200 Studenten im Hörsaal 1 zu einer Kundgebung trafen, konnte nicht ganz in die folgenden Tage mitgenommen werden, aber die Studenten sind noch immer aktiv.

Mittwoch versperrte eine Menschenschlange von etwa 70 Personen die Aula, gestern demonstrierte eine kleine Gruppe Studenten bei der Eröffnung des neuen Service-Gebäudes der Universität, in der sich auch eine Sparkassenfiliale befindet. Die Studenten kritisierten dabei die "Kommerzialisierung des universitären Raumes." Für dieses Anliegen ließen sich dann nur noch 30 Mitstreiter zum protestieren erwärmen. Für die Kameras stellte sich sogar LHStv. Reinhart Rohr hinter die Studenten und zu den Transparenten mit ihren Forderungen. Diese Forderungen basieren auf handfesten Problemen, die den Studenten den Alltag schwer machen. Einige Leidgeprüfte schilderten der Kleinen Zeitung die Missstände an der Uni.

"Nur noch Scheine sammeln"

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Foto © Weichselbraun

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Ihr Studenplan bereitet ihr immer mehr Kopfzerbrechen: "Man kann gar nicht alle Kurse belegen, den man für sein Studium braucht, weil viele Veranstaltungen gleichzeitig ablaufen", klagt Psychologiestudentin Samira Motekallemi. Sie schafft es nur in wenige Kurse pro Semester, zu viele weitere Studenten haben das selbe Ziel. "Wenn es so weitergeht, sehe ich keine Chancen, mein Studium in der geforderten Mindestzeit zu beenden." Die große Anzahl an Studenten bedingt auch, dass viele Lehrveranstaltungen in tagelangen Blockveranstaltungen abgehandelt werden. "Bei diesen langen Vorlesungen lernt man nur noch auf die Prüfungen hin, ein breites und tiefes Wissen eignet man sich an den wenigen Tagen keinesfalls an. Das Studium verkommt zum sinnlosen Scheinesammeln."

"Studium ist mit Job unvereinbar"

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Foto © Weichselbraun

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Jan-Henrik Müller studiert an der Klagenfurter Uni Publizistik und angewandte Kommunikationswissenschaften. Ihn stören vor allem die Studiengebühren, die bald wieder eingeführt werden könnten. Schon jetzt zahlt jeder, der nicht rechtzeitig fertig studiert. "Ohne den finanziellen Background der Eltern können es sich viele gar nicht mehr leisten, so zu studieren, wie es der Studienplan vorsieht. Noch schwieriger ist es, sich selbst mit einem Nebenjob selbst zu finanzieren, weil das Bachelor-Master-Studium keine Flexibilität zulässt." Müller sieht keinen Sinn in Zugangsbeschränkungen. "Einerseits ist es gesellschaftlich erwünscht, möglichst viele hochqualifizierte Arbeitskräfte zu produzieren. Warum soll dann der Zugang beschränkt werden?"

"Im vollen Hörsaal leidet Qualität"

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Foto © Weichselbraun

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"Weder das passende Lehrangebot noch die Räumlichkeiten sind vorhanden", kritisiert der Psychologiestudent Gregor Schlump einen der Missstände im Hochschulbereich. "Gerade die Erstsemestrigen der großen Studienrichtungen wie Publizistik müssen teilweise die Vorlesungen auf den Treppen mitverfolgen. Und sogar da wird der Platz eng." Für Schlump leidet deshalb auch die Qualität der Veranstaltungen unter den brechend vollen Hörsälen: "Es fällt wirklich schwer, aufmerksam mitzuarbeiten, wenn man in den Reihen eng aneinander klebt." Er fordert, dass das Lehrangebot an die Zahlen der Studierenden angepasst wird. "Dafür sollte auch wirklich Geld in die Hand genommen werden, eine Regulierung der Studierendenzahlen über Zugangsbeschränkungen wäre falsch."

"Uni läuft wie im Schulbetrieb"

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Foto © Weichselbraun

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Der vor 10 Jahren in Europa gestartete Bologna-Prozess hätte eigentlich das Studentenleben erleichtern sollen: Internationale Vergleichbarkeit von Leistung durch den Bachelor und Master, Förderung von Studentenaustausch, höhere Qualität in der Lehre. Verena Kaipel hat von diesen Verbesserungen kaum etwas gespürt: "Das Bachelor-Master-System hat die Universität in den Schulbetrieb gestürzt. Die Vorgaben für den Studienablauf sind äußerst unflexibel, man muss in Mindestzeit fertig werden, damit man sein Stipendium behält." Das gestaltet sich aber schwierig, weil man gar nicht in alle Kurse kommt, wie die Kulturwissenschaftsstudentin aus eigener Erfahrung weiß. "Wer ein Zweitstudium betreibt, hat es durch den Stress noch schwieriger. An einen Nebenjob ist da gar nicht mehr zu denken."

JOSEF PUSCHITZ

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