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Zuletzt aktualisiert: 13.09.2009 um 05:00 UhrKommentare

Die wahre Geschichte des Kärntner Robin Hood

Der Wolscharträuber Simon Kramer wurde 1809 ermordet, das deckt Autor Hans-Peter Weingand in seinem jüngsten Werk auf. Und liefert gleich den Täter.

Elternhaus des Simmerl in der St.Veiter Bräuhausgasse heute

Foto © phinoElternhaus des Simmerl in der St.Veiter Bräuhausgasse heute

Krapfenbäck Simmerl wurde am 17. September 1809 im Gasthaus Wegscheide hoch über Sörg erschossen und anschließend in Klagenfurt aufgehängt! Der Wohlscharträuber beschäftigt die Kriminalisten nicht mehr, sehr wohl öffnen Historiker die Akte Kramer immer wieder. Simmerls Leben, sein Tod sind in Mittelkärnten unvergessen. Der Volksmund ernannte den Krapfenbäck zum Kärntner Robin Hood, er soll die Reichen bestohlen und die Armen beschenkt haben!

"Bei Überfällen auf Bauernhöfe wurden Mägde bedroht, geschlagen und gewürgt. Und ihnen wurde auch das Wenige genommen, dass sie hatten. Von einem "edlen Räuber" kann da gar keine Rede sein" erklärt Hans Peter Weingand der schon 1996 ein Buch über den Krapfenbäck veröffentlichte. Jetzt werden neue Fakten nachreicht! Neu bei den "Ermittlungen" Weingands ist der Umstand, dass Krapfenbäck selbst Opfer eines Verbrechens wurde. Die Kärntner Landesadministration in Klagenfurt, die während des fünften Koalitionskrieges das Land verwaltete, kam unter Druck der französischen Besatzer, da am 9. September 1809 ein französischer Korporal im Wohlschartwald ausgeraubt wurde und zwischen dem 8. und 10. September ein ähnlicher Überfall bei Velden geschah.

Die Franzosen drohten mit Vergeltungsmaßnahmen und nahmen Geiseln aus der Zivilbevölkerung. Die Behörden brauchten also dringend Ermittlunsgerfolge, da kam ihnen der Krapfenbäck sehr gelegen. "Simon Kramer war nicht nur Täter er wurde zum Opfer. Gegenüber der französischen Besatzungsmacht konnte man dem toten Räuber alle möglichen Delikte in die Schuhe schieben" schreibt Weingand im nun vorliegenden Buch "Krapfenbäck Simmerl oder die wahre Geschichte des Kärntner Robin Hood, Simon Kramer!

Weingand wunderte sich darüber, dass es dem Landrichter Anton Lackner (Pfleger der Landgerichte Kraig und Nußberg) mit zwölf Mann nicht gelang, den Simmerl zu überwältigen. Lackner, mit zwölf Mann im Rücken, schoss Simon Kramer in den Hals. Damals wie heute würde so ein Vorgehen schwer als Notwehr durchgehen! Ebenfalls verdächtig, dass die Landesadministration die Gerichte informierte, "dass man es nicht räthlich finde, die Rechtmäßigkeit des Fürgangs einer Untersuchung zu unterziehen um zu prüfen, ob der Angehaltene nicht zu voreilig erschossen wurde". Die Behörde selbst stellt ein voreiliges Erschießen in den Raum und beschließt gleichzeitig das Vertuschen der Umstände, wie die nun vorliegenden Quellen bestätigt. Weingand forschte und wurde fündig!

Ein höchst zuverlässiger Zeitzeuge der Geschehnisse des Jahres 1809 war der damals siebzehnjährige Heinrich Hermann, der den Simmerl am Galgen hängen sah. 1857 schrieb Hermann, nunmehr Domherr und Historiker, in seinem "Handbuch der Geschichte des Herzogthumes Kärnten" dass der Simmerl die Überfälle auf Franzosen nicht begangen habe und bewertete dessen Erschießung folgend: "Es war ein Glück, dass der Räuber Simon Kramer, insgeheim Krapfenbachersimerl, bei Glanegg ausgeforscht, bei Widerstand von der Landgerichtswache erschossen und sein Leichnam nach Klagenfurt eingeliefert wurde, auf welchen sohin die Inzicht jener früheren Unthaten fiel". Weingand: "Den besten Beweis für die Fragwürdigkeit von Simmerls Erschießung liefert die Landesadministration selbst: Sie bestellte am 19. September 1809 den Henker Josef Martin aus St. Veit nach Klagenfurt, um den toten Simon Kramer am Galgen aufzuknüpfen. In dem Schreiben geht es um den ermordeten Räuber Simon Kramer vulgo Krapfenbacker Simmerl". "Ermordet" steht da! Abgezeichnet vom Chef der Landesadministration, Franz von Fradeneck" fühlt sich Weingand in seiner Mordtheorie bestätigt!

Das Leben des 1785 geborenen Simon Kramer endete wie er es führte, gewaltsam! Als 21-jähriger fiel Simon Kramer 1806 im Bereich Albeck auf. Hier war er noch kleinkriminell unterwegs, von der Beute im Wert von 736 Gulden bekam Kramer nur zwölf Gulden als Anteil. 1808 untersuchte das Klagenfurter Kriminalgericht 35 Delikte des Krapfenbäck: Bei den Diebstahls- und Raubdelikten wurden hauptsächlich Nahrungsmittel erbeutet. Hohe Bargeldsummen fehlten, die Opfer selbst waren meist Mittellos. Bei den Raubdelikten wurden fast immer Frauen am Sonntag überfallen, während sich alle anderen Hausbewohner in der Kirche befanden. Von wegen edler Räuber! Im Sommer 1807 wurde Simon Kramer in einem Weitensfelder Wirtshaus aufgegriffen, er floh aus dem Arrest. Am 17. November 1807 konnte Kramer mit Komplizen seine mittlerweile eingesperrte Geliebte Julerl aus dem Gefängnis im Schloss Mageregg bei Klagenfurt befreien. Am 30. Dezember wurde Kramer in einem Wirtshaus bei Gradenegg erneut gefasst. Das Gericht verurteilte Kramer 1808 zu lebenslangem Kerker, verbunden mit öffentlicher Arbeit in Eisen. Julerl bekam 15 Jahre aufgebrummt!

Am 23. Februar 1809 gelang Simon Kramer mit der Julerl aus dem Klagenfurter Kriminalgefängnis abermals die Flucht. Simon Kramer erlangte durch seine Ausbruchserie zweifelhafte Berühmtheit! Über Simon Kramers Aktivitäten nach der Flucht gibt es keine gesicherten Berichte. Hier setzt die Sage ein, die ihn zum Wohlscharträuber und Anführer von Straßenräubern macht. Im Mai 1809 wurde Kärnten durch französische Truppen besetzt. Die Behörden unterstellten Simon Kramer den Überfall auf einen französischen Korporal und erschossen ihn bei seiner Verhaftung! Führte der vom Volksmund zum Helden geadelte Simon Kramer doch nur ein patschertes Leben? Philipp Novak

Philipp Novak

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