Bezirks- und Gemeindesuche
Als man noch Hakenkreuze sah
Erinnerungen, wie sich die Ulrichsbergfeier über Jahre gewandelt hat.
Dort, wo ein Hohlweg vom Almbauern bergan führt, nehmen Staatspolizisten in Zivil alten Männern NS-Abzeichen vom Revers ihres Kärntner Anzuges, werden teils unter lautstarkem Protest Fahnenbänder mit verbotenen Insignien konfisziert. Die Erinnerung prägte sich ein. Es war Ende der 80-er-Jahre und das erste Mal, dass ich als junge Mitarbeiterin der Kleinen Zeitung bei der Ulrichsbergfeier war. In späteren Jahren blieben obige Maßnahmen aus: Weil Heimatverbände ihren Vertretern im Vorfeld entsprechende Order gaben.
Damals, in den 80-er-Jahren waren es noch Tausende, die sich vom Almbauern hinauf zur Gedenkstätte auf den Weg machten. Jetzt weidet dort Wild, der Parkplatz wurde zum Kollerwirt verlegt. Damit gibt es auch die Treffen von Alt-Nazis in der "Muldn" nicht mehr, wo man in Erinnerungen schwelgte und Soldatenlieder sang. Stattdessen mischten sich kahlgeschorene junge Leute ins Bild der Kärntneranzug-Träger, Neonazis riefen und rufen in Internet-Foren zur Ulrichsberg-Teilnahme auf. Gruppen Linker protestier(t)en vor Ort. Die großen Eklats gab es am Berg nie.
Erosionsprozess
Seit 2003 hat man die Feier vom Oktober auf das dritte September-Wochenende vorverlegt. Um den immer älter werdenden Besuchern die Feuchte und Kühle des Oktobers zu ersparen. Eine von mehreren Reaktionen auf den Erosionsprozess dieser umstrittenen Feier.
Die Festredner waren in der Anfangszeit und bis vor wenigen Jahren noch prominent. Minister (Schleinzer, Lichal, Haupt, Fasslabend), Bundeskanzler (Josef Klaus), Landeshauptleute (Sima, Wagner, Zernatto, Haider) scheuten sich nicht, dabei zu sein. Bei Otto Habsburg und Bundespräsident Heinz Fischer fragten die Veranstalter vergeblich an.
In den letzten Jahren war es immer schwerer, namhafte Festredner zu kriegen, Kärntens Parteiobleute (Martinz, Strutz) und Abwehrkämpferbund-Chef Fritz Schretter traten vors Mikrofon.Die Reihen der Zuhörer lichteten sich stark. Dabei war das nunmehrige Führungsteam mit Rudolf Gallob und Peter Steinkellner zumindest anfangs bemüht, sich "aus dem rechten Eck herauszukatapultieren" und für junge Leute zu öffnen. Statt eines Kriegsheimkehrers trat vor wenigen Jahren ein junger UNO-Soldat ans Mikrofon, Pfarrer sprachen Gebete zweisprachig, der slowenische Veteranenverband wurde (erfolglos) eingeladen.
Zukunft hinterfragen
Die Erosion setzte sich fort, im Vorjahr waren nur noch 600 Leute am Berg, intern hagelte es Kritik für das Bemühen, den Blick mehr auf die Zukunft zu richten. Wer zuletzt sah, dass es alte Menschen kaum noch schafften, in die Heeres-Pinzgauer zu steigen, die sie auf den Berg hinauf brachten, der hinterfragt, welche Zukunft diese Feier allein vor diesem Hintergrund hat.


















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