Bezirks- und Gemeindesuche
Aids: Leben mit dem Virus
Seit zwei Jahren lebt André (26) mit der Diagnose HIV-positiv. Um nicht ausgegrenzt und in Frühpension geschickt zu werden, wissen nur sehr wenige davon.

Foto © Reuters
"Ich war jung, naiv und unvorsichtig", sagt André (Name von der Redaktion geändert). "Ich dachte immer, bei uns gibt's so etwas nicht. Das gibt's nur in Afrika." Doch dann hatte er ungeschützten Geschlechtsverkehr und bekam vor zwei Jahren die Diagnose: HIV-positiv.
"Weltuntergang." "Ich habe gemerkt, dass irgendetwas bei mir rein körperlich nicht stimmt. Ich fühlte mich längere Zeit abgeschlagen, war immer müde und hatte Nachtschweiß." Der 26-Jährige hatte den Verdacht, dass er sich bei einem Mann angesteckt haben könnte. Natürlich hoffte er, dass dem nicht so sei. Der Angestellte ging zum Arzt und ließ sich durchchecken. Bei der Untersuchung wurde auch ein Antikörper-Test gemacht. Der brachte Gewissheit: André hatte sich mit dem HI-Virus infiziert. "Das war ein Weltuntergang", sagt er und fügt hinzu, "Ich wusste nicht, was es heißt HIV-positiv zu sein und dass man damit leben kann. Ich dachte, ich müsste sterben."
Risiko der Verachtung groß. Seine Familie ist sein Zufluchtsort. Sie wusste von Anfang an Bescheid. Doch aus seinem Freundeskreis wissen nur ganz, ganz wenige, dass der 26-Jährige das Virus in sich trägt. "Einmal habe ich einer Freundin davon erzählt. Sie konnte damit nicht umgehen und hat sich von mir abgewandt." Jetzt ist der junge Mann vorsichtiger, denn zu groß ist das Risiko als HIV-Positiver verachtet, sozial ausgegrenzt und arbeitslos zu werden. Aber selbst dann hätte der toughe 26-Jährige eine Lösung: "Wenn es in Kärnten nicht mehr geht, werde ich weggehen. Ich will nicht in ein schwarzes Loch fallen."
Keiner weiß es. An seiner Arbeitsstelle weiß niemand etwas von seiner HIV-Infektion. "Wenn ich es keinem sage, geht es mir gut und denen auch." Sonst drohe André wahrscheinlich eine Frühpension. "Bei einem normalen Kontakt wie Händeschütteln kann ja nichts passieren. Außer ich verunglücke bei einem Autounfall und man trägt bei der ersten Hilfe keine Handschuhe."
Kondom nie vergessen. Den Wunsch nach einer Heilung und einem festen Partner hat André nicht aufgegeben: "Mein Traumprinz wird schon irgendwo auf mich warten." Und allen sexuell aktiven Frauen und Männern gibt er auf den Weg: "Man sollte in diesem speziellen Moment neutral denken und nicht auf ein Kondom vergessen, denn die paar Minuten Geilheit zahlen sich nicht für ein Leben mit dem HI-Virus aus."


















