Bezirks- und Gemeindesuche
Karrierecenter ist für Postler "Abstellgleis"
In einer eigenen Firma will die Post fast 100 nicht mehr gebrauchte Kärntner Mitarbeiter für den Arbeitsmarkt qualifizieren. Doch die Betroffenen fühlen sich "kaltgestellt".

Foto © Erwin ScheriauDiese Frage stellen sich viele Betroffene im KEC
Für Post-Bedienstete hat Zynismus einen Namen: KEC - das Karriere- und Entwicklungscenter. "Man könnte auch Abstellgleis sagen, nicht nur, weil wir neben dem Hauptbahnhof Klagenfurt untergebracht sind", ätzt ein Betroffener. "Hier unterstützt die Post neue berufliche Entwicklungen der von Restrukturierung betroffenen Mitarbeiter", so die Definition des KEC. Für die Betroffenen ein Hohn.
Zeit totschlagen. 92 sind es aktuell. "Einige arbeiten an Projekten, andere . . . Nun ja, man kann sie dienstrechtlich eben nicht zu Dingen einteilen, für die sie eine zu hohe Stellung haben", erklärt Post-Sprecher Andreas Pachler. Für die meisten Betroffenen bedeutet das: "Zeit totschlagen!"
Beispiel. Wie Herr M. (49). "Einsätze bei anderen Betrieben machen mir Spaß." Leider gebe es die selten. Seit zwei Jahren ist er im KEC, davor war er in der mittleren Führungsebene. In den letzten zwei Jahren hat er endlose Stunden mit Spazieren und Warten verbracht. Warum er keinen neuen Job sucht? "Vielleicht braucht mich die Post ja noch. Und in der Wirtschaftskrise muss man froh sein, überhaupt etwas zu verdienen. So schlecht sind die vermittelten Jobs ja auch nicht." Für das KEC ist M. ein Idealfall: trotzdem motiviert, flexibel, bereit zu Jobs, für die er überqualifiziert ist.
Ausbildung finanziert. "Eigentlich sollen die Leute mit dieser Weiterbildung auch bei anderen Firmen unterkommen", ergänzt Pachler. 2008 steckte die Post 15.000 Euro in die Ausbildung von 900 Mitarbeitern im KEC - 16 Euro pro Person. Das sind Zahlen der Gewerkschaft, aber Pachler dementiert nicht.
Neue Aufgabe gesucht. Herr H. kam 2002 ins KEC: "Es hatte schon damals die gleiche Aufgabe - systematisches Mobbing." Seinen Führungsjob in der Logistik verlor er mit dem letzten Post-Zug nach Salzburg. "Was soll's, dachte ich, ich habe Hak-Matura, lange Erfahrung, kann mich umstellen." Dazu kam es nicht. "Die psychische Belastung war zu viel." In 24 Post-Jahren war H. drei Monate krank, in zwei KEC-Jahren acht. "Dann sagte man mir, ich sei für den Schalterdienst ob meines Aussehens nicht geeignet", so der 50-Jährige mit akkuratem Scheitel und gepflegten Händen. Seither will er die Pensionierung. "Ich will nicht auf der faulen Haut liegen - nur wieder eine Aufgabe im Leben."
Zu viel Personal. "Die Restrukturierungen in der Post waren notwendig", erklärt Pachler das KEC. "Es gab zu viele Leute für zu wenig Arbeit." Jetzt gibt es die passende Zahl von Arbeitern und Jobs - und das KEC.
Zuwachs erwartet. Wenn die Post, wie geplant, weitere 30 Postämter in Kärnten schließt, droht der nächste Personalzuwachs. Noch-Generaldirektor Anton Wais dementiert zwar: "Die Mitarbeiter werden in benachbarten Postämtern Dienst machen und deren Service verbessern." Doch der beruhigende Vorschlag hat eine Kehrseite: Mit jedem Mitarbeiter steigt der Kostenfaktor der kleinen Postämter. "Dann werden weitere Postämter defizitär und auch ihnen droht das Aus", ärgert sich Post-Gewerkschafter Helmut Omotta. Ein Kollege spottet: "Dann wird das KEC die am schnellsten wachsende Sparte in der Post."















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