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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2009 um 05:00 UhrKommentare

Gewalt beginnt bei Sprache

Die Kommunikation in den Familien ist immer häufiger von Respektlosigkeit geprägt. Psychologin appelliert an Eltern, ihre Kinder ohne Gewalt zu erziehen.

Gabriele Gößnitzer, Kommunikationstrainerin

Foto © KoscherGabriele Gößnitzer, Kommunikationstrainerin

Ehemann kommt abends von der Arbeit nach Hause. Gruß an die Gattin: "Hallo, Alte, was gibt's zu essen?" - Antwort der Gattin: "Bin noch nicht fertig." - Reaktion des Ehemannes: "Ah ja, wieder einmal spät dran. Kein Wunder, du bringst ja nie was rechtzeitig zusammen." - Darauf Gattin zerknirscht: "Ich kann halt nichts." Kinder hören zu - und lernen, ebenfalls auf diese Art zu kommunizieren.

Ein fiktives Beispiel - doch der Psychologin und Kommunikationstrainerin Gabriele Gößnitzer aus der Realität bestens vertraut. Für sie beinhaltet diese Form der Kommunikation bereits ein hohes Gewaltpotenzial, geprägt durch Ich-Konzentration, Respektlosigkeit und Mangel an Empathie. "Wie wir denken, andere beurteilen und mit anderen sprechen, zeigen wir, was wir von ihnen halten. Das offenbart sich in Ausdrücken wie Depp oder Trottel, mit denen wir häufig völlig unreflektiert Menschen qualifizieren. Leider auch in der Partnerschaft oder den Kindern gegenüber", sagt Gößnitzer.

Umdenken. In Seminaren, wie sie das Katholische Familienwerk heute unter dem Motto "Elternsein auf gewaltfreie Art" startet, will sie Erwachsene dafür sensibilisieren und zu einem Umdenken animieren. "Man erwartet ja auch selbst Respekt und Anerkennung, weil man in Frieden leben will. Mit ständigem Türenknallen geht das ebenso wenig wie mit einer Sprache, die den anderen ständig herabsetzt." Kinder übernehmen häufig die Kommunikation, die sie von ihren Eltern lernen, und geben so Gewalt wiederum weiter. "Im Seminar versuche ich, mit den Eltern gemeinsam deren Alltag zu reflektieren und das Familiensystem zu verändern", sagt Gößnitzer. "Änderung bedeutet schon, sich Gefühle einzugestehen und sich in andere einzufühlen, dem anderen auch mitzuteilen, das man Interesse an ihm und seinen Handlungen hat."

Geht es nach den Vorstellungen der Kommunikationstrainerin, die sich an der Lehre des US-Therapeuten Marshall Rosenberg orientiert, könnte der anfangs gezeigte Dialog dann folgendermaßen lauten. Ehemann kommt von der Arbeit heim: "Hallo, Marie, wie war dein Tag? Hm, hier riecht's schon gut." - Ehefrau: "Gut, ich hab' mich ein wenig mit Tina verplaudert. Das Essen ist aber bald fertig" - Ehemann: "Kein Problem. Hoffentlich hattet ihr ein feines Gespräch. Lass dir Zeit, ich mache inzwischen den Salat." Klingt schon ganz anders. . .

ULRIKE GREINER

Seminar

Termine. Das Katholische Familienwerk startet am Freitag, mit der Seminarreihe "Elternsein auf gewaltfreie Art" (Diözesanhaus Klagenfurt, Tarviser Straße 30, 16 bis 19.30 Uhr).

Wer Interesse hat, kann vielleicht noch einen Restplatz ergattern oder sich für weitere Termine auf eine Warteliste setzen lassen.

Mehr Informationen bei Wolfgang Unterlercher (Tel. 0463/ 5877-2440) oder auf der Homepage von Gabriele Gößnitzer (siehe unten).

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