Bezirks- und Gemeindesuche
Immer öfter schnappt die Schuldenfalle zu
3500 Kärntner Haushalte nehmen heuer die Dienste der Schuldnerberatung in Anspruch. 648 Privatkonkurse wurden bisher abgewickelt. Jobverlusten könnten Situation 2009 noch verschärfen.
Zu Weihnachten liegen Geschenke unter dem Christbaum, nach Weihnachten steigt die Zahl der Menschen, die Hilfe bei der Schuldnerberatung Kärnten suchen. "Im vorweihnachtlichen Taumel vergessen die Leute oft, wie viel Geld sie tatsächlich zur Verfügung haben. Und wenn sie sonst nirgendwo mehr etwas bekommen, bestellen sie bei Versandhäusern. Da muss man nicht gleich zahlen", sagt Jürgen Rassinger, stellvertretender Leiter der Schuldnerberatung Kärnten, die heute ihr 20-jähriges Jubiläum feiert.
3500 Haushalte. "3500 Kärntner Haushalte werden bis Ende des Jahres die Dienste der Schuldnerberatung in Anspruch nehmen", sagt Geschäftsführer Helmut Prislan. Tendenz steigend. "Die Teuerung schlägt voll durch, zum Beispiel auch bei Lebensmitteln", sagt Rassinger. Hinzu kommt, dass aufgrund der Wirtschaftskrise bei vielen Unternehmen Kündigungen im Raum stehen.
Die Konsequenz: "Bei Arbeitsplatzverlust können Kredite oft nicht mehr zurückgezahlt werden, die Schuldenberge wachsen und der einzige Ausweg ist oft der Privatkonkurs. 648 waren es in Kärnten bisher in diesem Jahr, sagt Barbara Wiesler vom Kreditschutzverband von 1870. Und zwar mit einer Summe von 75 Millionen Euro. "Durchschnittlich betragen die Schulden bei einem Privatkonkurs 50.000 Euro", sagt Wiesler. Neben dem Verlust des Arbeitsplatzes sind es oft auch Scheidungsfolgen und hohe Handy-Rechnungen, die in die Schuldenfalle führen.
Aus allen Schichten. "Unsere Klienten kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten", sagt Rassinger. Die Schuldnerberatung übernimmt für sie die Verhandlungen mit den Gläubigern - meist sind es Banken. Der Privatkonkurs sei aber die letzte Möglichkeit, jemanden zu entschulden. "Man wird sieben Jahre lang auf das Existenzminimum von 747 Euro gepfändet. Das ist hart", sagt Rassinger. Er leistet vor allem Präventionsarbeit an Kärntner Schulen. Denn schon Jugendliche haben oft hohe Handy-Schulden. Und mit 18 kommt dann das Auto, für das sich so mancher die Leasingraten plötzlich nicht mehr leisten kann.
Prävention. "Die Prävention ist ein wesentlicher Bereich im Rahmen der Schuldnerberatung. Maßgeschneiderte Programme müssen noch stärker ausgebaut werden", sagt Sozialreferentin Nicole Cernic. Die Hoffnung: Dass die Zahl der Klienten der Schuldnerberatung wieder sinkt.


















