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Zuletzt aktualisiert: 25.04.2012 um 10:35 UhrKommentare

Comeback für Schwarzwälder Kuckucksuhren

Foto © APA

Altbacken und bieder kamen Schwarzwälder Kuckucksuhren lange daher. Wer sie an der Wand hängen hatte, war ein Spießer. Allenfalls für Touris taugten sie als Mitbringsel. Neue Modelle und ein verändertes Heimatgefühl der Deutschen beleben nun die Tradition.

Die Schwarzwälder Kuckucksuhr hat sich gemausert. Vor einigen Jahren galt sie noch als Symbol für Spießigkeit, als aussterbender Gegenstand, den sich allenfalls japanische oder amerikanische Touristen auf ihren Rundreisen durch Europa aufschwatzen ließen. Doch in jüngster Zeit erlebt die Kuckucksuhr einen Boom. Mitunter in veränderter Form gilt sie inzwischen als Kultobjekt. Und das muss man offenbar sogar vor billigen Plagiaten schützen.

"Vor fünf, sechs Jahren habe ich um die Zukunft der Kuckucksuhr gezittert - jetzt bin ich aber sehr glücklich und optimistisch", sagt Experte Ingolf Haas. Er ist Vorsitzender des "Vereins die Schwarzwalduhr" mit 70 Mitgliedern und leitet in vierter Generation die Uhrenmanufaktur Rombach & Haas. Vor gut zehn Jahren habe es schlecht um das Traditionsprodukt gestanden, erklärt er. Nicht zuletzt die Anschläge vom 11. September 2001 und die Dollarschwäche hätten die Uhrmacher im Schwarzwald viele Kunden aus Übersee gekostet.

Doch inzwischen gehe es wieder deutlich bergauf, sagt Haas. Zum einen habe das mit der verbesserten Wahrnehmung des Schwarzwaldes zu tun, zum anderen hätten verschiedene Uhrenhersteller neue, bunte Formen von Kuckucksuhren erfunden. Diese kämen bei einem großen Kundenkreis gut an. "In den letzten beiden Jahren haben sich die Umsätze dieser neuen Formen von Kuckucksuhren verdoppelt", sagt Haas. Im vergangenen Jahr seien insgesamt rund 110.000 Schwarzwälder Kuckucksuhren verkauft worden. Der Heimatmarkt spielt dabei aber nach wie vor eine kleine Rolle: "Ich schätze, dass höchstens zehn Prozent dieser 110.000 Uhren an deutschen Wänden hängen."

Die meisten gingen demnach in die USA. Aber auch der chinesische Markt gewinne immer mehr an Bedeutung. Das wird auch auf der Homepage des Vereins deutlich: Dort gibt es Ratgeber-Videos auf Englisch, Französisch, Chinesisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch. Sie erklären unter anderem, wie man eine Kuckucksuhr aufhängt und was zu tun ist, wenn diese ungleichmäßig tickt oder der Kuckuck nicht ruft.

Doch der Erfolg hat Schattenseiten: Nachahmer. Mit juristischer Hilfe und einem Qualitätssiegel habe man aber Importe aus Fernost bislang in die Schranken weisen können, sagt Haas. "Eine Original Schwarzwälder Kuckucksuhr darf nur so bezeichnet werden, wenn sie keine Batterie und kein Quarzwerk hat und wenn sie auch wirklich im Schwarzwald produziert wurde", erklärt er. Schon eine Produktion in Pforzheim verstößt laut Statuten also dagegen. Vor kurzem hätten die Schwarzwälder Uhrenhersteller zudem einen Prozess gegen eine Firma aus dem Harz angestrebt, die ihr Produkt als Schwarzwalduhr ausgab.

Farbenfroher sind einige neue Modelle - ein Grund für das Comeback der seit dem frühen 18. Jahrhundert produzierten Schwarzwälder Kuckucksuhr. Doch warum setzt sich die Kuckucksuhr außerdem noch auf dem Markt durch? "Die Kuckucksuhr steht für ein deutsches Heimatgefühl", sagt Künstler Stefan Strumbel. Das merke er immer wieder in Gesprächen.

Strumbel hat sich in seinen Arbeiten mit dem Begriff Heimat allgemein und mit Schwarzwälder Kuckucksuhren im Besonderen auseinandergesetzt. Er motzt die Kuckucksuhren mit Flügeln, Waffen und Engelchen auf. Nutzt grelle Farben, Pink und Orange. Eine Uhr, die an einen Totenkopf erinnert, ist mit einer Sprechblase verziert: "What the fuck is Heimat?" So hat er in der Kunstszene für Furore gesorgt und die Schwarzwälder Kuckucksuhr zum Kultgegenstand gemacht.

Überhaupt sei die Kuckucksuhr das wichtigste Symbol des Schwarzwaldes, meint Vereinschef Ingolf Haas. "Den Schwarzwälder Bollenhut kennt man in ganz Deutschland, die Schwarzwälder Kuckucksuhr jedoch auf der ganzen Welt."

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