Kaum auf dem Markt und schon geschluckt: Unmittelbar nach der US-Marktzulassung der Lustpille für die Frau wird deren Hersteller vom kanadischen Pharmakonzern Valeant übernommen. Das Unternehmen zahlt für den US-Hersteller Sprout Pharmaceuticals mit einigen Dutzend Mitarbeitern rund eine Milliarde US-Dollar (rund 906 Mio. Euro) in bar, wie es am Donnerstag mitteilte.

500 Millionen Dollar will Valeant sofort zahlen, die zweite Tranche kommendes Jahr. Der Kaufpreis kann noch ansteigen, wenn bestimmte Erfolgsschritte, sogenannte Meilensteine, erreicht werden. Der Abschluss des Deals wird im dritten Quartal erwartet.

Zulassung in den USA

Sprout hatte erst am Dienstag die Zulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA erhalten. Die Tablette soll unter dem Markennamen Addyi Ende des Jahres in den USA auf den Markt kommen und die sexuelle Lust von Frauen anheizen.

Die FDA hatte der Pille zwei Mal die Zulassung verweigert, weil der Nutzen des Medikaments die Risiken nicht aufwiege. Befürworter des Mittels argumentierten aber, es sei nicht fair, Frauen den Zugang zu der Therapie zu verwehren. Im Juni hatte ein Experten-Gremium empfohlen, es unter strengen Bedingungen und mit deutlichen Warnungen vor den Nebenwirkungen wie zu niedrigem Blutdruck und Ohnmachtsanfällen vor allem im Zusammenhang mit Alkohol zuzulassen.

Erste Entwicklung in Deutschland

Der Wirkstoff Flibanserin war ursprünglich vom deutschen Unternehmen Boehringer Ingelheim entwickelt worden. Angespornt durch den Umsatzerfolg der Potenzpille Viagra von Pfizer hatte der Familienkonzern große Hoffnungen in die Pille gesetzt. Dem auch als "rosa Viagra" bekannten Mittel wurden vor fünf Jahren Umsätze in Höhe von zwei Milliarden Dollar im Jahr allein in den USA zugetraut. Doch das Präparat fiel 2010 bei der US-Gesundheitsbehörde durch und Boehringer stoppte daraufhin noch im selben Jahr die weitere Entwicklung. Jetzt trauen Experten dem Mittel nur noch 100 Mio. Dollar Spitzenumsatz im Jahr zu. Zum Vergleich: Pfizer erlöste 2014 mit den blauen Viagra-Pillen 1,7 Mrd. Dollar.

Nach der jüngsten Empfehlung des Expertenkomitees habe es großes Interesse an Sprout gegeben, so Firmenchefin Cindy Whitehead. Man habe etwa drei Wochen verhandelt, sagte Valeant-Chef J. Michael Person dem Sender CNBC. Der in Montreal ansässige Hersteller Valeant ist Kanadas größtes Pharmaunternehmen. 2014 betrug der Umsatz mehr als acht Milliarden Dollar. Im selben Jahr war Valeant mit dem Versuch gescheitert, sich den kalifornischen Botox-Hersteller Allergan einzuverleiben. Der Konzern hat sein Wachstum seit längerem mit Zukäufen vorangetrieben. Er rechnet mit einem Abschluss der jüngsten Übernahme im dritten Quartal 2015.

Flibanserin sollte ursprünglich ein Antidepressivum werden und bei Frauen mit Libido-Störungen vor der Menopause angewendet werden. Dann fanden Forscher heraus, dass der Wirkstoff bei den Neurotransmittern im Gehirn ansetzt, die eine Rolle beim sexuellen Verlangen spielen. Damit wirkt das Präparat völlig anders als das Männer-Potenzmittel Viagra, das gegen Erektionsstörungen die Blutzufuhr in die Genitalien fördert.