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Zuletzt aktualisiert: 03.01.2012 um 21:02 UhrKommentare

100 Milliarden Euro an unverkäuflichen Immobilien

Spaniens Banken sitzen auf Immobilien im Wert von rund 100 Milliarden Euro, deren Besitzer nicht mehr zahlungsfähig seien und zusätzlich auf dreimal so hohen Immokrediten. Die Rufe nach einer "Bad Bank" werden immer lauter.

Foto © APA

In Spanien werden Rufe von Experten nach einer "Bad Bank" zur Sanierung des Bankensystems immer lauter. Der Präsident des renommierten Instituto Espanol de Analistas Financieros, Juan Carlos Ureta, drängt in der "Financial Times Deutschland" auf baldige Sanierungsmodelle. Ureta ist einer der führenden Finanzexperten des Landes.

Laut Ureta sitzen Spaniens Banken auf Immobilien und Grundstücken im Wert von rund 100 Mrd. Euro, deren Besitzer praktisch nicht mehr zahlungsfähig seien. Allein kleine und mittelgroße Banken hätten unverkäufliche Objekte im Wert von rund 30 Mrd. Euro in ihren Büchern, schätzt das Beratungshaus MAC Group. Bisher hätten die Banken nur für 30 Prozent des potenziellen Ausfallvolumens von 100 Mrd. Euro bilanziell vorgesorgt. Eine Risikolücke von 70 Mrd. Euro laste somit auf dem Sektor. "Das Problem ist dennoch überschaubar", sagte Ureta, "es muss jetzt nur angepackt werden."

Probleme mit Zins und Tilgung

Hinzu kommt, dass Spaniens Geldhäuser nach Angaben der Zentralbank 308 Mrd. Euro an Immobilienkrediten ausstehen haben, wobei die Hälfte der Schuldner Probleme mit Zins und Tilgung haben soll.

Nach Vorstellungen von Experten, wie auch Ureta, sollten ausfallgefährdete Vermögenswerte daher mit einem 50-prozentigen Wertabschlag in eine Bad Bank ausgelagert und über die Ausgabe staatlicher Anleihen finanziert werden. Die finanzielle Belastung sei tragbar, sagte Ureta. Der Restwert von 35 Mrd. bis 50 Mrd. Euro müsse vom Staat geschultert werden, wodurch Spaniens Schuldenquote von 68 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 73 Prozent erhöht würde.

Der Versuch, Spaniens Banken durch Fusionen und das Stärken ihrer Kapitaldecke zu sanieren, gilt als gescheitert: "Spaniens Banken geht es jetzt schlechter als noch vor drei Jahren", sagte der Experte zu der seit drei Jahren laufende Reform des heimischen Finanzsektors. Auch solide Banken würden verstärkt von der Finanzkrise angesteckt, fürchtet Ureta, der zugleich Chef von Spaniens größtem unabhängigem Broker Renta 4 ist. "Der einzige Weg aus der Krise ist eine Bad Bank nach deutschem Modell", sagte er der FTD.

Druck auf Mariano Rajoy

In Spaniens Finanzbranche wächst der Druck auf den neuen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy für ein neues Modell zur Bankensanierung. Auch Rodrigo Rato, der Chef der Großsparkasse Bankia, fordert, eine staatliche Auffangstelle für notleidende Vermögenswerte von Kreditinstituten, eine Bad Bank, zu errichten. Die beiden Großbanken Santander und BBVA lehnen eine Bad Bank allerdings ab - sie leiden viel weniger unter faulen Immobilienkrediten als kleine und mittelgroße Häuser.

"Die Reform des Bankensystems hat zu lange gedauert", findet Ureta, der als Sprachrohr der spanischen Finanzbranche gilt. Vor drei Jahren noch hätten sich die Kapitalprobleme auf eine kleine Gruppe von Banken beschränkt, die nicht mehr als 20 Prozent des Sektors ausmachten. Nun infiziere sich zusehends die gesamte spanische Bankenlandschaft, auch vermeintlich solide geführte Institute wie Santander oder BBVA würden inzwischen in Sippenhaft genommen.

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