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Zuletzt aktualisiert: 20.01.2011 um 06:02 UhrKommentare

Im Wissen, was droht - Viktor Szilagyi im Interview

Er ist Regisseur, Leitfigur & Kapitän des Handball-Teams. Viktor Szilagyi (32) sucht Antworten, warum Österreich die WM-Hauptrunde nicht erreicht hat.

Foto © APA

Habt ihr schon einen so klaren Kopf, um nach- zudenken, was hier bei der Weltmeisterschaft tatsächlich alles schief gelaufen ist?

VIKTOR SZILAGYI: Ich denke, so pauschal lässt sich das nicht erklären. Wir sind ja auch gut in das Turnier gestartet. Aber die Niederlage gegen Japan hat bei uns viel Unsicherheit gebracht. Und dann wollten wir es mit der Brechstange.

Es war vorher immer die Rede, Japan sei der leichteste Gegner . . .

SZILAGYI: Wir haben Japan zu wenig gesehen. Und hier hatten wir keine Zeit, uns richtig vorzubereiten und einzustellen. Zwischen dem ersten Spiel und dem gegen Japan lagen nur 18 Stunden. Die Isländer zum Beispiel haben gesagt, nach unserem Match haben sie sich gegen Japan so vorbereitet, als würden sie gegen Frankreich spielen.

Und was ist gegen Island passiert? Österreich hat zur Pause schon mit fünf Toren geführt.

SZILAGYI: Die erste Halbzeit war am Limit. Einen besseren Handball können wir, glaube ich, nicht spielen. Danach waren einige dumme Aktionen, die man sich auf derartigem Niveau nicht erlauben darf. Wir waren selbst schuld, keine Frage.

Einer Ihrer Teamkollegen hat sinngemäß gemeint, man müsse die Kirche im Dorf lassen, Österreich habe eben in der Weltspitze nichts verloren?

SZILAGYI: Gegen Norwegen oder Island zu verlieren, ist keine Tragödie. Aber Weltspitze ist zum Beispiel Norwegen auch nicht. Es ist sehr, sehr eng. So eng, dass kleinste Kleinigkeiten schon entscheidend sind.

In solchen Situationen fällt Österreich oft in ein tiefes Loch. Droht das jetzt wieder?

SZILAGYI: Jetzt muss man ja nicht gleich übertreiben. Aber ich weiß, das machen wir gerne. In beide Richtungen. Nach der Heim-EM und den Qualifikationsspielen waren wir zu euphorisch. Jetzt sind wir halt noch sehr enttäuscht. Aber dass wir hier in einer sehr ausgeglichenen Gruppe spielen, haben wir ebenso gewusst, wie wir gewusst haben, was uns bei einem Ausrutscher droht.

Ohne Ihnen nahetreten zu wollen, Sie haben von Anfang an sehr blass, sehr müde und abgekämpft gewirkt. Oder hat das getäuscht?

SZILAGYI: Mein Spielplan vor diesem Turnier (21 Spiele in 42 Tagen, Anm.) war natürlich sehr dicht. Vor der EM vor einem Jahr hatten wir Zeit, sozusagen herunterzukommen, unsere Akkus noch neu aufzuladen. Diese Zeit gab es diesmal leider nicht.

Man hatte hier in vielen Situationen den Eindruck, dass Sie zu viel wollten . . .

SZILAGYI: Zu viel? Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Aber ich habe sicher nicht alles richtig gemacht.

Österreich hat eine Grundaufstellung, alles dahinter ist nicht WM-tauglich. Oder ist das zu hart formuliert?

SZILAGYI: Unser Kader erlaubt keine großen Veränderungen, dadurch sind wir für die Gegner viel leichter auszurechnen. Andererseits haben einige Spieler ja gar nicht die Chance bekommen.

Kritik am Teamchef?

SZILAGYI: Nein, nein. Kritik nur an uns selbst.

Müssen Sie dem Teamchef etwas vorwerfen?

SZILAGYI: Auf gar keinen Fall. Es ist sehr schwierig für ihn, bei der wenigen Zeit, die er mit uns zur Verfügung hat. Vor allem charakterlich konnte er die Mannschaft gar nicht kennenlernen.

Wie geht es nach der Weltmeisterschaft weiter?

SZILAGYI: Wir werden uns zusammensetzen und versuchen, unsere Ziele neu zu definieren.

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