21. November 2014, 17:49 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 12.06.2012 um 22:23 UhrKommentare

Der Marsch als Schlacht

Es war abzusehen. Schon Tage vor dem Spiel Polen gegen Russland wurde in polnischen und russischen Medien von Ausschreitungen geschrieben. Die nationalkonservative "Rzeczpospolita" stellte die Frage, ob es nur ein Marsch oder ein Straßenkrieg werden wird, Polens ehemaliger Staatspräsident Aleksander Kwasniewski fügte an, dass der Marsch aufgrund der polnisch-russischen Geschichte politisch ist. In Hooligan-Foren wurde zur "Schlacht um Warschau" aufgerufen, weil Aleksandr Schprygin, Chef der russischen Fanvereinigung und Unterstützer Putins, Öl ins Feuer goss. Er äußerte Unverständnis für das Verbot von kommunistischen Symbolen. "Wenn die Polen es nicht anders wollen, dann fordern wir russische Anhänger in Warschau auf, rote T-Shirts mit Hammer und Sichel zu tragen. Dann können sie uns ja verhaften."

Dieser ignorante Umgang mit der Geschichte ist mitverantwortlich für die Ausschreitungen. "Sie können gerne marschieren und ihr Team unterstützen, aber sie haben uns unterdrückt. Ich will hier keine Hammer und Sichel sehen", erzählt Frau Marysia, eine etwas in die Jahre gekommene Dame, kurz vor Beginn des Marsches. Vor uns hält es ein Russe für eine gute Idee, die Flagge der Sowjetunion zu schwenken. Er erntet Pfiffe und Unmutsbekundungen der Polen. TV-Teams reißen sich um die besten Bilder. Die Ressentiments gegen Russland sind alt und tief verankert. "Wenn es die Absurdität nicht gäbe, so würde sie heute erfunden werden", echauffiert sich Frau Marysia. "Sie feiern das Ende der Sowjetunion mit kommunistischen Symbolen. Das hat doch keinen Sinn."

Es versammeln sich immer mehr "erlebnisorientierte Fans", wie sie sich nennen - vermummte Gestalten in Jogginghosen. Sie sprechen darüber, wie sie die Polizeibarriere vor uns durchbrechen können. Vor dem Match schaffen es einige, an der Polizei vorbei zu kommen, es kommt zu wüsten Schlägereien. Als die Polizei einschreitet, hagelt es Feuerwerkskörper, Steine und Flaschen. Unweit von mir und Swetlana, einer Russin, die in der Menge ihre Freunde verloren hat, explodiert ein Böller. Die Angst steht nicht nur ihr ins mit der polnischen und russischen Flagge bemalte Gesicht geschrieben. 100 Festnahmen gibt es, via Twitter wurde sogar die Meldung verbreitet, ein Russe sei ums Leben gekommen. Die Nachricht blieb vorerst unbestätigt. Wir passieren die Poniatowski-Brücke auf der heute noch "Willkommen in Warschau, russische Brüder! Scheiß auf die Politik, lasst uns heute Abend Wodka trinken", stand. Die Sätze sind mit weißer Farbe übermalt.

Der "Rote Marsch" am "Tag Russlands" hatte nichts mit einem Fußballfest gemein.

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Zur Person

  • Radoslaw Zak ist Redakteur des Fußballmagazins "ballesterer"

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