23. November 2014, 03:13 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 07.03.2011 um 09:17 UhrKommentare

Tops und Flops der WM

Was war besonders, was war nicht ganz so berühmt bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Norwegen: Unvergleichliche Stimmung, gepfefferte Preise, Rekordjagd und Wetterkapriolen, Sportlichkeiten und Unsportlichkeiten.

Foto © Reuters

Tops

Publikum: Unschlagbar. Hunderttausende Fans, laut Schätzungen rund 575.000, kamen an die Schanzen und Loipen, Tausende campierten im Wald. Selbst tagelanger Nebel störte das Volksfest nicht. Es war die aus Norwegen schon gewohnte ausgezeichnete Atmosphäre im Mekka des nordischen Sports.

Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer: Nicht nur die ersten Triple-Weltmeister bei einer WM für Österreicher, sondern überhaupt. Morgenstern hat zusätzlich auch noch Silber von der Großschanze gewonnen.

Österreichs Super-Adler: Gemeinsam mit Morgenstern und Schlierenzauer haben sich auch Andreas Kofler und Martin Koch zu Team-Doppelweltmeistern gekürt, Kofler wurde hinter Morgenstern auf dem kleinen Bakken "Vize". Letzterer sorgte mit einem 141-m-Satz am vorletzten WM-Tag auch noch für einen neuen Schanzenrekord und Sicherheit im Team.

Felix Gottwald: Seine Rückkehr in den Sport vor zwei Jahren hat sich ausgezahlt, auch bei der WM in Oslo: Mit Bronze im Einzel von der Normalschanze gab er seinem Team die erste WM-Medaille nach zwei Weltmeisterschaften ohne Edelmetall, gemeinsam mit David Kreiner, Bernhard Gruber und Mario Stecher beendete er mit zweimal Team-Gold seine außergewöhnliche Karriere perfekt.

Mario Stecher: Seine zwei Schluss-Sprints bedeuteten nicht nur zwei Weltmeister-Titel für Österreich. Sie zählten zu den spannendsten Momenten dieser Titelkämpfe nicht nur durch die rot-weiß-rote Brille. Mit einmal 0,4 und einmal 0,1 Sekunden Vorsprung jeweils auf Tino Edelmann hat er für zwei äußerst knappe Siege über Deutschland gesorgt und in Österreich Länderkampfstimmung ausgelöst.

Marit Björgen: Vierfache Weltmeisterin (plus einmal Silber) und weiblicher Topstar nicht nur der Gastgeber, sondern der Weltmeisterschaften.

Petter Northug: An seiner Art mögen sich die Geister scheiden, aber in der Loipe war der Norsker wieder Spitze. Mit der erfolgreichen Titelverteidigung über 50 km holte er sein drittes Gold und verdrängte dank zweier zusätzlicher Silbermedaillen Thomas Morgenstern bei den erfolgreichsten Männern auf Platz zwei.

Schanzen-Anlagen: Wenn man sie denn gesehen hat vor lauter Nebel, so überzeugten die modernen Schanzen auf dem Holmenkollen. Die Sportler berichteten von perfekt präparierten Anlagen und der große Holmenkollen-Bakken beeindruckte ohnehin alle mit seiner futuristischen Architektur.

Daniela Iraschko: Schaffte im zweiten Anlauf trotz Knieverletzung endlich das erste Damen-Schisprung-Gold. Sie kürte sich damit zur ersten nordischen Weltmeisterin aus Österreich insgesamt und startete den Goldlauf auf den Schisprung-Bakken Oslos.

Preisgeld: Ein Novum bei Nordischen Weltmeisterschaften, aber hochverdient: Endlich gab es neben den Medaillen und der Ehre auch Preisgeld für die Athleten. Dass die Schisprung-Damen dabei gleich viel erhielten wie die Nordischen Kombinierer sorgte bei den Kombinierern wiederum für Kopfschütteln.

Flops

Wetter: Immer Glückssache. Dennoch: Vor allem konstanter Nebel über weite Strecken verdarb nicht nur den Sportlern, sondern auch allen Beobachtern den freien Blick auf den Kampf um Gold, Silber und Bronze. Das haben sich gerade die norwegischen Fans nicht verdient. Erst im WM-Finish passte sich das Wetter der ausgezeichneten Stimmung an.

Organisation: Ob in Sachen Verkehrsplanung oder auch im Medienbereich - Da gibt es ein Minus für die Organisatoren. Als ob man um den zu erwartenden Ansturm der Fanmassen nicht gewusst hätte, mussten in den ersten Tagen Tausende im Ort lange verharren, weil es nicht genügend U-Bahnen auf dem Holmenkollen gab. Dass es auch zum Verkehrschaos kam, überrascht dann nicht mehr. Der Informationsfluss in Richtung Journalisten war auch alles andere als auf dem letzten Stand, ein Umstand, den man von den Weltcup erprobten Norskern nicht erwartet hätte.

Preise: Man war gewarnt gewesen. Oslo ist die teuerste Stadt der Welt. Dies wurde mit eindrucksvollen Preisen (45 Euro für Hühnerfleisch mit Beilagen und zwei kleine Bier - ohne Trinkgeld) untermauert. Selbst in offiziellen Stadt-Guides wird empfohlen, zum inkludierten Frühstück so viel wie möglich zu essen.

FIS: Gleiches, schwammiges Reglement, unterschiedliche Regel-Auslegung. Zum zweiten Mal en suite sorgten nach Vancouver wieder einmal Schisprung-Bindungen für Diskussionen. Während bei Wolfgang Loitzl und seiner neuen Bindung sofort ein "Nein" ausgesprochen wurde, durfte Tino Edelmann mit ähnlicher Bindung bei den Kombinierern noch zwei Bewerbe starten. Dann entschloss man sich, auch diese Bindung aus dem Verkehr zu ziehen.

Petter Northug: So gut er sportlich in der Loipe ist, so unsportlich war die Aktion am Ende der 4x10-km-Staffel. Northug bremste im Finish vor dem Schweden Marcus Hellner demonstrativ mit einem Pflug vor der Ziellinie ab, wartete ein bisschen, bis dieser näher kam, und überschritt dann die Linie. Das war Verhöhnung des Gegners und hätte sich auch eine Geldstrafe verdient.

Wolfgang Loitzl: Als Titelverteidiger auf der Normalschanze hatte er einen zusätzlichen Fixplatz im Team. Dann qualifizierte sich der Steirer nicht einmal für das Finale und reiste nach zwei von vier Bewerben angesichts mangelnder Form vorzeitig ab.

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