18. Dezember 2014, 12:33 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 02.04.2011 um 17:43 UhrKommentare

Nach Koranverbrennung eskaliert die Gewalt

Bei neuen gewalttätigen Protesten in Afghanistan gegen eine Koranverbrennung in den USA sind am Samstag in Kandahar neun Menschen ums Leben gekommen, über 70 Menschen wurden verletzt. Am Vortag stürmte der Mob ein UN-Büro und tötete sieben Ausländer.

Foto © Reuters

Über 2000 Menschen protestierten am Samstag in Kandahar gegen die Koranverbrennung von Pastor Jones und setzten dabei zahlreiche Autos in Brand, wie die Behörden mitteilten. Die Polizei hatte zunächst mit Schüssen in die Luft versucht, die Menge unter Kontrolle zu bringen. Die Menge bewarf daraufhin die Polizei mit Steinen, wie Zelmai Ayoubi, Sprecher des Gouverneurs von Kandahar, erklärte. Aus der Gesundheitsbehörde verlautete, dass bei den Toten Schussverletzungen entdeckt worden seien.

Eine wütende Menschenmenge hatte am Freitag ein UN-Büro in Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans gestürmt. Dabei starben sieben ausländische UN-Helfer, unter ihnen eine norwegische Pilotin und ein schwedischer Jurist. Der russische Leiter des UN-Büros wurde verletzt, wie aus der Botschaft Russlands in Kabul verlautete. Auch fünf Angreifer kamen bei dem Überfall ums Leben. Wie ein Vertreter der afghanischen Polizei mitteilte, wurden einige der UN-Mitarbeiter enthauptet.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den Überfall forderte von der afghanischen Regierung Konsequenzen und eine lückenlose Aufklärung. Die Verantwortlichen müssten gefunden und bestraft werden. Auch andere Staaten forderten ein hartes Durchgreifen Kabuls.

Der radikale amerikanische Prediger Jones wies eine Schuld am Tod der UN-Mitarbeiter in Afghanistan zurück. Dafür fühle er sich in keiner Weise verantwortlich, sagte Jones am Freitag der britischen BBC. In einer Erklärung sprach der fundamentalistische Geistliche dem Islam zudem die Friedfertigkeit ab. "Der Islam ist keine Religion des Friedens." Jones hatte am 20. März ein Tribunal gegen den Islam geleitet, bei dem ein Exemplar des Korans verbrannt wurde.

Im vergangenen Jahr hatte der Pastor Jones weltweit Aufsehen erregt, als er ankündigte, das heilige Buch der Muslime am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September verbrennen zu wollen. Sogar US-Präsident Barack Obama hatte sich eingeschaltet, die Aktion wurde damals im letzten Moment gestoppt.

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Fakten

  • Auslöser der Proteste war eine Aktion des radikalen Pastors Terry Jones in Florida. Der umstrittene Pastor in Gainesville hatte nach Angaben der "New York Times" schon am 20. März einen Koran in seiner Gemeinde verbrannt. Dies war jedoch zunächst weitgehend unbemerkt geblieben. In den US-Medien war darüber kaum berichtet worden.

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