24. November 2014, 09:21 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 11.01.2013 um 18:47 UhrKommentare

Von heißer Luft und echten Fakten in der Heeresdebatte

Fünf häufig ausgetauschte Argumente in der Heeresdebatte und was wirklich dahinter steckt.

Foto © APA

1. Der Gegner kommt über die Steckdose.
Die Abwehr von Cyber-Angriffen ist bei uns zwar nicht Aufgabe des Militärs allein, doch greift die Polizei auf die Experten im Heeresabwehramt zurück. Rekruten sind für diese Bedrohung wenig hilfreich. Bedenkt man aber die möglichen Folgen einer Cyber-Attacke, etwa ein großflächiger Stromausfall, so gewinnen wieder konventionelle militärische Schutzaufgaben an Relevanz.

2. Kommt das Berufsheer, werden Kasernen geschlossen.
Das Modell lässt keine Rückschlüsse auf die territoriale Struktur zu. Für die Rekrutierung wird man weiterhin regionale Anker brauchen, allerdings geht eine Verkleinerung der Armee nur mit Standortschließungen einher. Diese würden aber auch bei der Beibehaltung der Wehrpflicht nicht ausbleiben, wenn man sie seriös reformieren will.

3. Mit einem Berufsheer ist die Katastrophenhilfe gefährdet.
Die wird zu 90 Prozent von den Feuerwehren und Rettungsorganisationen abgedeckt. Das Heer darf erst dann Assistenz leisten, wenn es die anderen alleine nicht mehr schaffen. Die Einsätze im letzten Jahrzehnt waren in einer Größenordnung, wie sie jede Heeresform abdecken kann. Braucht man mehr als 10.000 Soldaten, wie bei der Flut 2002, stoßen wohl beide Systeme an ihre Grenzen. Die im Profiheer veranschlagten sofort verfügbaren 13.700 Soldaten stünden, wenn überhaupt, erst in einigen Jahren zur Verfügung. Grundwehrdiener sorgen zwar für hohe Mannstärken, für Führung, Luftunterstützung, und schweres Gerät braucht man aber Kaderleute.

4. In sechs Monaten kann man keinen einsatzfähigen Grundwehrdiener ausbilden.
Mit der Reduzierung des Grundwehrdienstes auf sechs Monate und dem Ende von Miliztruppenübungen wurde der Wehrpflicht tatsächlich der eigentliche Sinn geraubt. Eine militärische Ausbildung ist in den meisten Waffengattungen kaum noch möglich. Gebraucht werden die Eingezogenen primär um die "Firma" Bundesheer zu betreiben und als Rekrutierungspool für Berufs-, Zeit- und Milizsoldaten. In jene Einheiten, die bei Katastrophen gebraucht werden (Pioniere, ABC-Abwehr), kommen meist Rekruten, die schon einschlägige Kenntnisse besitzen. Für die Ausbildung in Schutzaufgaben reicht der Wehrdienst, wie der jahrelange Einsatz an der Grenze zeigte.

5. Die meisten Rekruten sind Köche, Kellner und Chauffeure.
Laut Verteidigungsministerium werden 60 Prozent der Grundwehrdiener nach ihrer Basisausbildung als Systemerhalter eingesetzt. Verschiedene Auffassungen gibt es darüber, was ein Systemerhalter ist. "Ein Kraftfahrer in der Pioniertruppe oder ein Gehilfe in der Feldküche ist es nicht, weil er in den Einsatz geht", argumentiert man in der Truppe. Der hohe Anteil an nichtsoldatischen Aufgaben ergibt sich auch dadurch, dass seit Jahren das Geld fehlt, diese Leistungen auszulagern.

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