28. November 2014, 00:13 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 30.12.2012 um 18:10 UhrKommentare

Syrien: 45.000 Tote und ein Land auf der Flucht

Es ist eine blutige Bilanz zum Jahreswechsel: Über 45.000 Menschen wurden bislang im syrischen Bürgerkrieg getötet. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht, vielmehr gibt es schon düstere Prognosen für das kommende Jahr: man rechnet mit bis zu 50.000 Toten.

Foto © Reuters

Syrien droht aus Sicht des UNO-Sondergesandten Lakhdar Brahimi ein Schreckensszenario, falls der Bürgerkrieg im kommenden Jahr nicht beendet wird. Wenn es keine Lösung gebe, werde es 2013 weitere 50.000 Tote geben, sagte der algerische Diplomat am Sonntag in Kairo. "Die Lage in Syrien ist schlimm und verschlechtert sich weiter." Brahimi tritt für eine Übergangsregierung in Syrien ein, die auch Vertreter des Regimes von Bashar al-Assad einbezieht. Ein Großteil der Opposition lehnt das ab. Der Konflikt hat laut Aktivisten inzwischen mehr als 45.000 Menschen das Leben gekostet.

Es geht immer noch schlimmer

Brahimi hat nach eigenen Angaben einen Plan zur Beilegung des Konflikts in Syrien ausgearbeitet. "Ich habe mit Russland und Syrien über diesen Plan gesprochen und denke, dass dieser Vorschlag von der internationalen Gemeinschaft angenommen werden kann", sagte Brahimi am Sonntag nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi (Elaraby), in der ägyptischen Hauptstadt. Die Lage in Syrien bezeichnete Brahimi als "sehr schlecht". Die Situation verschlimmere sich jeden Tag.

Brahimi, der im Sommer dem ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan als internationaler Syrien-Sondergesandter nachfolgte, nachdem dieser den Posten angesichts der verfahrenen Lage in dem seit März 2011 andauernden Konflikt aufgegeben hatte, warb erneut für eine politische Lösung, für die es einen "breiten internationalen Konsens" gebe. Diese beinhalte eine Waffenruhe, die Bildung einer Übergangsregierung und schließlich Wahlen. Er betonte, eine Friedenslösung sei noch immer möglich, auch wenn es von Tag zu Tag schwieriger werde. Die ganze Region sei durch den Konflikt gefährdet.

Die syrischen Streitkräfte haben nach Angaben von Aktivisten am Sonntag ihre Angriffe auf Stellungen der Aufständischen in der zentralsyrischen Stadt Homs fortgesetzt. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, gelang es der Regierungsarmee am Vortag, das umkämpfte Stadtviertel Deir Baalbeh unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei seien mehrere Dutzend Menschen getötet worden.

In einem im Internet veröffentlichten Video von Aktivisten des Allgemeinen syrischen Revolutionsausschusses waren die verstümmelten Leichen von neun Männern zu sehen. Der Beobachtungsstelle zufolge hat die Belagerung der letzten von den Rebellen gehaltenen Stadtvierteln durch die Armee zu einer schweren humanitären Krise in Homs geführt. Die Angaben der im Exil ansässigen Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz von Aktivisten und Ärzten in Syrien stützt, können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

190 Tote an einem Tag

Auch in anderen Landesteilen Syriens gab es am Sonntag weiter schwere Kämpfe. Die Regierungstruppen setzten ihre Luftangriffe auf Rebellen im Großraum Damaskus fort. Westlich von Homs beschoss die Armee laut der Beobachtungsstelle bei Auseinandersetzungen mit Rebellen die zum UNESCO-Welterbe gehörende Festung Krak des Chevaliers. Im Nordwesten des Landes näherten sich die Aufständischen, darunter mehrheitlich Jihadisten, der wichtigen Militärbasis Hamidiyeh, die zu einem der letzten noch in der Hand der Armee befindlichen Posten im Nordwesten des Landes zählt. Aus den Provinzen Deraa und Hama und Idlib wurden Kämpfe gemeldet. Am Samstag kostete der Konflikt laut Opposition mindestens 190 Menschen das Leben.

Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) hat bei den europäischen Schweizer Regierungen für mehr Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen geworben, sagte der Leiter des Büros für UNHCR-Büros für Außenbeziehungen, Daniel Endres, in einem Interview mit der Schweizer "SonntagsZeitung". Ganz Europa müsse sich derzeit besonders für syrische Flüchtlinge stärker engagieren, forderte er. Nach Angaben des UNHCR sind bereits über 500.000 Menschen wegen des Konflikts aus Syrien geflohen. Die Mehrheit von ihnen sucht in den Nachbarländern Libanon, Jordanien und Türkei Zuflucht.

Russen sind optimistisch

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht noch Chancen für eine Verhandlungslösung im Syrien-Konflikt. Die Lage in dem Land verschlechtere sich zwar, eine Verhandlungslösung sei aber noch möglich, sagte Lawrow am Samstag nach einem Gespräch mit Brahimi in Moskau. Worauf sich sein Optimismus gründet, wurde indes nicht klar. Russland ist neben dem Iran der wichtigste Verbündete Assads im Ausland. Es hat im UNO-Sicherheitsrat bereits wiederholt eine Verurteilung des gewaltsamen Vorgehens der Regierungstruppen gegen die Opposition verhindert. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi erneuerte seine Unterstützung für die syrische Opposition: Für das derzeitige Regime gebe es in der Zukunft Syriens keinen Platz, sagte Mursi am Samstag während einer Rede vor dem Oberhaus des Parlaments in Kairo.

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