20. Dezember 2014, 17:41 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 19.12.2012 um 14:59 UhrKommentare

"Ungeschickt, aber sicher nicht unwahr geantwortet"

Mensdorff-Pouilly hat in seinem Geldwäsche-Prozess am Mittwoch bestritten, vor dem Eurofighter- und dem Korruptions-U-Ausschuss insgesamt drei Mal falsch ausgesagt zu haben.

Foto © APA

Alfons Mensdorff-Pouilly habe vielleicht "ungeschickt, aber sicher nicht unwahr geantwortet". Mensdorff hatte im Korruptions-U-Ausschuss im heurigen Jahr auf die Frage, wer hinter der Brodmann Business S.A. steht, geantwortet: "Da entschlage ich mich, aber ich sage Ihnen eines: Ich sicher nicht". Richter Apostol merkte dazu an: "Hätten Sie sich entschlagen, hätten wir jetzt kein Problem".

30 Mal entschlagen

Beobachtern erscheint es durchaus erstaunlich, dass es der "Graf" zu einer Anklage wegen zweifacher Falschaussage im Korruptions-U-Ausschuss gebracht hat, hatte er sich dort doch an die 30 Mal der Aussage entschlagen. Mensdorff hatte am 21. März und am 26. Juni 2012 im U-Ausschuss bestritten, Eigentümer der Brodmann zu sein bzw. mit der Gesellschaft, über die die von der Staatsanwaltschaft vermuteten BAE-Schmiergelder geflossen sein sollen, in einer Geschäftsbeziehung zu stehen. Er behauptet, dass dieses Geld seinem mittlerweile verstorbenen Mentor Landon gehört und er es nur treuhändisch verwaltet habe.

Die vom Staatsanwalt angeklagte falsche Zeugenaussage im Eurofighter-U-Ausschuss 2007 bezieht sich auf die Aussage Mensdorffs, er hätte über den Beschaffungsvorgang von Abfangjägern keine Informationen an BAE geliefert. Der "Graf" rechtfertigte seine Äußerung damit, dass er ja nur für die Gripen und nicht für die Eurofighter tätig gewesen sei. Daher habe er auch nicht über die Eurofighter-Beschaffung informiert. Dass sich die Frage auf den Beschaffungsvorgang von Abfangjägern im Allgemeinen bezogen haben könnte, ist Mensdorff nicht in den Sinn gekommen. Er habe das so verstanden, dass es konkret um den Kauf der Eurofighter gegangen sei.

Mensdorff-Pouilly hatte zu Beginn des dritten Verhandlungstags in seinem Geldwäsche-Prozess bereits bestritten, im Ermittlungsverfahren eine gefälschte Urkunde vorgelegt zu haben: "Wenn die Herren (von der Polizei, Anm.) mit ihren kriminalistischen Fähigkeiten das dort feststellen, werde ich dem nicht widersprechen". Er habe die Zahlungsbestätigung aber nicht getürkt, sondern im Glauben vorgelegt, sie sei korrekt.

Mit dem Beleg wollte Mensdorff-Pouilly nachweisen, dass von den Brodmann-Konten im Auftrag seines Mentors Timothy Landon 4,7 Millionen Euro in ein Technologie-Projekt in Dubai investiert wurden. Laut Anklage sollen demgegenüber insgesamt 12,6 Millionen Euro auf den Konten der Gesellschaft Brodmann Business S.A., in denen auch die 4,7 Millionen Euro enthalten waren, von Mensdorff übernommen und dazu verwendet worden sein, um Beschaffungsvorgänge in Ost- und Mitteleuropa zugunsten des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems zu beeinflussen.

Gelder im Visier

Mensdorff erklärte, die 4,7 Millionen seien private Gelder Landons gewesen, mit dem er, Mensdorff, seit dessen Hochzeit mit einer seiner Cousinen ein enges Vertrauensverhältnis hatte und der ihn auch bei BAE Systems "eingeführt" hatte. Später habe er von Landon dafür einen Beleg haben wollen: "Ich habe Landon gebeten, ob er mir irgendetwas geben kann, dass ich es zum Akt geben kann." Daraufhin habe die Zahlungsbestätigung bekommen, die der Staatsanwalt nun als Fälschung ansehe.

Der Geldwäsche-Prozess gegen Mensdorff-Pouilly und den mitangeklagten Kurt D. dürfte sich in die Länge ziehen und mit Sicherheit nicht - wie ursprünglich geplant - am 17. Jänner zu Ende gehen. Die Beschuldigteneinvernahmen konnten zwar bereits heute, Mittwoch, abgeschlossen werden, zumal Kurt D. nach Verlesung eines Statements auf seine bisherigen Angaben im Ermittlungsverfahren verwies und darüber hinaus weder weitere Angaben machen noch Fragen beantworten wollte.

Die Manager des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems, die Richter Stefan Apostol ab 9. Jänner als Zeugen vernehmen hätte wollen, haben aber vorerst allesamt abgesagt.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Innenpolitik

  • Aktuelle Ereignisse, Hintergründe und Analysen zur heimischen Innenpolitik.

Weltpolitik

  • Aktuelle Entwicklungen, Berichte unserer Korrespondenten, Analysen und Hintergründe zur Außenpolitik.

Südosteuropa

  • Im Fokus: Südosteuropa - aktuelle Entwicklungen, Korrespondenten-Berichte und Analysen.

EU-Special

  • Hintergründe, Korrespondenten-Berichte und aktuelle Ereignisse zum Thema EU.

Der Nahost-Konflikt

  • Der Nahost-Konflikt: Aktuelle Entwicklungen, die Konfliktparteien, die Hintergründe.

100 Jahre 1. Weltkrieg

  • Das große Special zu 100 Jahre Erster Weltkrieg: Interaktive Grafiken, Video-Analysen und Schauplatz-Reportagen aus den ehemaligen Kriegsgebieten.

Wartungsarbeiten

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen. Wichtige Informationen dazu finden Sie HIER.
    • Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
      Ihr Kleine Zeitung Team