25. Dezember 2014, 18:53 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 07.12.2012 um 18:58 UhrKommentare

"Das Volk fühlt sich mit der Frage überfordert"

Für Günter Höfler, scheidender Kommandant der Streitkräfte, kommt ein Berufsheer zu früh. Den Grundwehrdienst hält er für reformierbar.

Foto © Bauer

Hat die Wehrpflicht-Frage zur erhofften breiten sicherheitspolitischen Debatte geführt?

GÜNTER HÖFLER: Nein. Weil ich in vielen Gesprächen merke, dass sich die Bevölkerung mit der Frage nach den Anforderungen und Aufgaben des Heeres völlig überfordert fühlt. Es besteht die Gefahr, dass wenige Menschen zur Volksbefragung gehen. Und wenn es dann auch noch sehr eng ausgeht, bin ich mir nicht sicher, was die Politik daraus ableitet.

Muss man sich nicht selbst auch vorwerfen lassen, zu wenig zur Attraktivierung des Grundwehrdienstes beigetragen zu haben?

HÖFLER: Wir haben 2009 mit der innovativen Ausbildung begonnen. Sicher passieren auch bei uns Fehler. Das schlimmste für den Rekruten ist, wenn er nichts zu tun hat. Wir müssen versuchen, bestimmte Systemerhalter wegzubekommen. Nicht Wachsoldaten oder Kraftfahrer, das machen die Leute gerne. Aber Küchengehilfen, Reinigung oder Instandhaltung kann man auslagern, dafür braucht man jedoch Geld. Es gibt in der Truppe gute Ansätze, auf die man bauen kann.

Umfragen deuten auf die Beibehaltung der Wehrpflicht hin. Wo wäre dann als Erstes anzusetzen?

HÖFLER: In der Rekrutenausbildung müsste man verstärkt auf Objekt- und Raumschutz setzen, das ist das wahrscheinlichste Einsatzszenario im Inland. Dazu auf Inhalte wie Sport, Erste Hilfe und handwerkliche Ausbildung für die Katastrophenhilfe. Für Rekruten, die nicht in den Brigaden dienen, sollte es die Möglichkeit geben, Ausbildungsmodule bei anderen Einsatzorganisationen wie Feuerwehr oder Bergrettung zu absolvieren. Das Bundesheer kann so zu einem Sicherheitsprovider für Österreich werden.

Und sollte das Berufsheer doch kommen: Wie schnell wäre ein Umstieg zu schaffen?

HÖFLER: Ich glaube nicht, dass man dann noch lange Rekruten einberufen kann, ab 2014 wird das nicht mehr gehen. Da müsste man sofort Konzepte auf den Tisch legen. Man sollte die Stellungspflicht aber trotzdem aufrechterhalten. Bis zur endgültigen Umstellung ist es ein langer Prozess, der wird viele Jahre dauern.

Und mehr Geld kosten?

HÖFLER: Ein Profiheer, das die gleichen Leistungen abdeckt, mit dem gleichen Budget wie jetzt - das kann ich mir nicht vorstellen.

Wissen Sie schon, wie Sie am 20. Jänner entscheiden?

HÖFLER: Ja, freilich.

Verraten Sie es uns?

HÖFLER: Ein Berufsheer hat für einen Berufssoldaten einen gewissen Charme. Aber vorher müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden und man muss abwarten, wie sich die Sicherheitspolitik der EU entwickelt.

Also für die Wehrpflicht?

HÖFLER: Als Staatsbürger würde ich derzeit für die Wehrpflicht votieren. INTERVIEW: WILFRIED ROMBOLD

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Innenpolitik

  • Aktuelle Ereignisse, Hintergründe und Analysen zur heimischen Innenpolitik.

Weltpolitik

  • Aktuelle Entwicklungen, Berichte unserer Korrespondenten, Analysen und Hintergründe zur Außenpolitik.

Südosteuropa

  • Im Fokus: Südosteuropa - aktuelle Entwicklungen, Korrespondenten-Berichte und Analysen.

EU-Special

  • Hintergründe, Korrespondenten-Berichte und aktuelle Ereignisse zum Thema EU.

Der Nahost-Konflikt

  • Der Nahost-Konflikt: Aktuelle Entwicklungen, die Konfliktparteien, die Hintergründe.

100 Jahre 1. Weltkrieg

  • Das große Special zu 100 Jahre Erster Weltkrieg: Interaktive Grafiken, Video-Analysen und Schauplatz-Reportagen aus den ehemaligen Kriegsgebieten.

In eigener Sache

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen. Wichtige Informationen dazu finden Sie HIER.
    • Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
      Ihr Kleine Zeitung Team