Zuletzt aktualisiert: 08.11.2012 um 20:13 UhrKommentare

Jeder vierte Grieche hat keinen Job

Griechenland kämpft. Das neue Sparpaket schafft im Parlament knapp die Hürde. Richter müssen künftig auf ein Drittel ihres Gehalts verzichten. Der Pensionsantritt steigt um zwei Jahre.

Foto © Reuters

Sprichwörtlich macht der Mai ja alles neu, im Falle der Euro-Scheine macht er sie zumindest sicherer. Ab Mai 2013 werden die alten Euro-Scheine nämlich durch neue ersetzt - diese sollen mehrere zusätzliche Sicherheitsmerkmale aufweisen. Wie etwa ein Hologramm und ein Wasserzeichen mit dem Motiv der griechischen Mythenfigur Europa.

Die wirtschaftliche Lage in der ursprünglichen Heimat der Königstochter und Zeus-Verführerin ist indes trister denn je zuvor. Der Staat muss sparen, mit neuen Programmen will die Regierung um Ministerpräsident Antonis Samaras bis Ende 2014 die Staatshaushalte um 13,5 Milliarden Euro entlasten. Die Griechen wollen das alles nicht mehr ertragen und gehen auf die Straße. 70.000 Menschen lieferten sich auf den Straßen Athens Schlägereien mit der Polizei, nachdem die Regierung im Parlament das neue Sparpaket knapp durchgebracht hatte.

153 Hoffnungsträger

300 Sitze hat das griechische Parlament, die Koalition erreichte trotz ursprünglich 176 Abgeordneten mit nur 153 Ja-Stimmen eine denkbar knappe Mehrheit. "153 Ja - Letzte Chance", titelte daraufhin die Zeitung "Ta Nea". Am Sonntag muss die Regierung aber zuvor noch das Haushaltsgesetz für das kommende Jahr durchboxen. Erst dann wird Griechenland aller Voraussicht nach wieder Hilfstranchen vonseiten der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds bekommen. Am Montag treffen sich dahin gehend die europäischen Finanzminister - gehen die geplanten 31,5 Milliarden Euro nicht nach Griechenland, ist das Land Mitte November pleite.

Ein Land, das bereits jetzt ein neues Rekordhoch bei den Arbeitslosenzahlen vermeldet: Jeder Vierte hat momentan keinen Job, eine Entspannung ist nicht in Sicht. In Athen stehen U-Bahn und Taxis ob Streiks regelmäßig still, Samaras will trotzdem weiter "Privilegien abschaffen und Steuerhinterziehung bekämpfen". Als "Revolution" verkauft der Ministerpräsident sein striktes Sparprogramm, das sogar Richtern des höchsten Gerichtshofes Gehaltskürzungen von bis zu 30 Prozent vorschreibt.

Der Chef des Generalstabs verdient noch 1900 Euro netto, jener des Gerichtshofs 3000 anstelle der bisherigen 4100. Schlimm erwischt es auch die älteren Griechen. Pensionen werden um bis zu 15 Prozent gekürzt - das Pensionsantrittsalter steigt von 65 auf 67 Jahre. Noch in diesem Jahr sollen zudem 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden.

Medikamente werden teurer, vielen Krankenhäusern droht die Schließung.

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