23. November 2014, 23:15 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 08.11.2012 um 19:28 UhrKommentare

Richtungsstreit bei der "Grand Old Party"

Nach dem Sieg von Barack Obama wächst bei den Republikanern die Erkenntnis, dass die Partei ein strukturelles Problem bei ihrer Anhängerschaft hat.

Foto © AP

Für die Tea-Party-Bewegung ist die Ursache der Wahlniederlage von Mitt Romney eindeutig: Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner war einfach nicht konservativ genug. Auf der anderen Seite konzentrieren sich Reformkräfte bei den Republikanern darauf, dass sich die Partei endlich den veränderten gesellschaftlichen Realitäten in den USA anpasst. Der "Grand Old Party" droht ein Richtungsstreit, der im schlimmsten Fall zu einer Spaltung führen könnte. "Wir wollten jemanden, der für uns kämpft", sagte Jenny Beth Martin, eine der Mitbegründerinnen der Tea Party, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Washington. "Was wir bekommen haben, war ein schwacher, moderater Kandidat. Handverlesen von den Eliten." Die Anti-Abtreibungs-Aktivistin Marjorie Dannenfelser beschwerte sich derweil, dass Romney seine Vorstellungen beim Thema Schwangerschaftsabbruch nicht lautstark genug verfochten habe.

Obama gewann fast alle Swing States

Die Deutlichkeit, mit der Barack Obama am Dienstag seine Wiederwahl erreichte, hat viele Republikaner schockiert. Der Präsident gewann fast alle "Swing States", in denen sich die Mehrheiten für beide Lager traditionell abwechseln. Mindestens 303 Wahlmännerstimmen sicherte sich Obama, Romney dagegen 206 - das Ergebnis aus Florida stand dabei immer noch aus. Durch das Wahlsystem, in dem der Sieger in einem Bundesstaat alle Wahlmänner erhält, erscheint Obamas Vorsprung zwar klarer, als er tatsächlich ist. Der Präsident kam landesweit auf 50 Prozent der Stimmen, Romney holte 48 Prozent. Bei den Republikanern wächst aber die Erkenntnis, dass die Partei ein strukturelles Problem bei ihrer Anhängerschaft hat. Das Wahlergebnis sei ein "Weckruf" gewesen, sagte Senator Rob Portman aus Ohio, der Romney auf die TV-Debatten mit Obama vorbereitet hatte.

Nachwahlbefragungen zufolge entschieden sich 71 Prozent der Wähler mit lateinamerikanischen Wurzeln für Obama. Im Vergleich zu 2008, als der Demokrat 67 Prozent der Latinos für sich gewinnen konnte, war das eine erneute Steigerung. Unter asiatischstämmigen Wählern erreichte der Präsident 73 Prozent, unter Afroamerikanern 93 Prozent. Auch bei Frauen lag Obama klar vor Romney. Die Republikaner waren einst die Partei Abraham Lincolns, die Mitte des 19. Jahrhunderts die Abschaffung der Sklaverei durchsetzte. Heute vermittelt sie den Anschein einer Monokultur weißer Männer.

"Die republikanische Partei rudert gegen die Welle des demografischen Wandels", sagt Geschichtsprofessor Allan Lichtman von der American University. Mitte der 1970er Jahre sei die Wählerschaft in den USA noch 90 Prozent weiß gewesen. Bis 2050 werde der Anteil der weißen Wähler auf 46 Prozent sinken. "Wenn die Republikaner ihre demografische Basis nicht ausweiten, werden sie verschwinden", prophezeit Lichtman.

Aufruf zum Nachdenkprozess

Newt Gingrich, der im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner gegen Romney verlor, verlangte, dass die Partei nun in sich gehen müsse. "Die Republikaner müssen einen sehr ernsten Blick darauf werfen, was passiert ist und warum es passiert ist und warum wir auf der Ebene der Präsidentschaft nicht mehr wettbewerbsfähig sind", sagte er. Die Zeitung "Washington Post" kommentierte, dass die Republikaner nach ihrer Niederlage "viele unangenehme Lektionen" lernen müssten. Die Partei könne es sich zum Beispiel einfach nicht mehr leisten, mit ihren radikalen Positionen in der Einwanderungspolitik die Latino-Wähler vor den Kopf zu stoßen.

Das konservative Magazin "Weekly Standard" hoffte, dass eine "junge Generation smarter, attraktiver Republikaner" in vier Jahren das Weiße Haus zurückerobern könnte. Die Hoffnungen ruhen etwa auf Romneys Vize Paul Ryan, dem kubanischstämmigen Senator Marco Rubio aus Florida und Louisianas Gouverneur Bobby Jindal, dessen Vorfahren aus Indien stammen. Der Tea-Party-Strippenzieher Richard Viguerie gab dagegen eine andere Marschroute aus: "Die Tea Party wird die republikanische Partei binnen vier Jahren übernehmen."

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