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Zuletzt aktualisiert: 18.05.2012 um 15:24 UhrKommentare

"Das Endspiel hat begonnen"

Erstmals bestätigte am Freitag ein Mitglied der EU-Kommission, dass es Notfallszenarien für den Fall eines Euro-Austritts Griechenlands gibt. Eine Ansteckungsgefahr für Spanien und Italien wird jedoch klein geredet.

Foto © Reuters

Kein Ende der Hiobsbotschaften in der Euro-Schuldenkrise: Führende Ratingagenturen straften erneut Griechenland und Spaniens Banken ab, die Börsen setzten ihre Berg- und Talfahrt fort. Für Athen wird die Lage immer bedrohlicher. Erstmals bestätigte ein Mitglied der EU-Kommission, dass es Notfallszenarien für den Fall eines Euro-Austritts des hoch verschuldeten Landes gibt. Ein Sprecher der EU-Kommission verneinte anschließend prompt, dass an derartigen Ausstiegsszenarien gearbeitet werde. EU-Handelskommissar Karel de Gucht warnte indes in einem Interview der belgischen Zeitung "De Standaard" am Freitag: "Das Endspiel hat begonnen und ich weiß nicht, wie es ausgehen wird."

Ansteckungsgefahr nur gering?

Die Gefahr der Ansteckung anderer Euroländer wie Spanien und Italien schätzt er als verkraftbar ein: "Vor eineinhalb Jahren mag die Gefahr eines Domino-Effekts bestanden haben." Er fügte hinzu: "Aber nun arbeiten Abteilungen in der Europäischen Zentralbank und in der Europäischen Kommission an Notfall-Szenarien für den Fall, dass es Griechenland nicht schafft." Einzelheiten wollte er nicht nennen. Ein Sprecher der EU-Kommission wies die Aussagen in Brüssel zurück: "Die EU-Kommission bestreitet, dass sie an einem Austritts-Szenario für Griechenland arbeitet. Die EU-Kommission will, dass Griechenland im Euroraum bleibt."

De Gucht führte in dem Interview die Folgen eines Euro-Ausstiegs für das Land vor Augen: "Im Fall eines solchen Austritts wäre das Chaos in Griechenland enorm." Der Staat werde weder Beamte bezahlen noch Renten anweisen können, die Inflation werde in die Höhe schnellen. Aus Athen berichtete der Verband der Bankangestellten, dass nach dem Ansturm auf griechische Banken zum Wochenbeginn der Betrieb wieder normal laufe.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Freitag dem französischen Rundfunksender Europe 1, Griechenland müsse im Euro-Verbund bleiben, doch müsse das Land selbst auch seinen Teil für eine Gesundung der Wirtschaft beitragen. Das Verhalten der politischen Elite in dem Land löse bei ihm allerdings Skepsis aus. Es gehe jetzt nicht um falsche Versprechen, sondern darum, einer verunsicherten Bevölkerung die Realität zu erklären.

Spekulationen ohne Ende

Wegen der schwierigen Regierungsbildung und der Neuwahlen in Athen wird derzeit an den Finanzmärkten über ein Ausscheiden des südeuropäischen Landes aus dem gemeinsamen Währungsraum spekuliert. Am Freitag reagierten die Anleger verunsichert auf die jüngsten Nachrichten. Der Dax gab zeitweise um 0,39 Prozent auf 6.284 Punkte nach und fiel auf den tiefsten Stand seit Mitte Jänner. Mit Blick auf einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone hatte die Ratingagentur Fitch am Vorabend die Bewertung der Kreditwürdigkeit Griechenlands wieder gesenkt. Die Einstufung der langfristigen Verbindlichkeiten fiel von "B-" auf "CCC". Damit schätzt die Ratingagentur die Gefahr einer Staatspleite wieder größer ein.

Zugleich senkte Konkurrent Moody's nach seinem jüngsten Rundumschlag gegen italienische Banken auch das Bonitätsurteil für 16 spanische Banken, darunter die Großbanken Banco Santander und BBVA, um eine bis drei Stufen. Der Finanzsektor der viertgrößten Euro-Wirtschaft leidet unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase mit einer Vielzahl notleidender Hypothekenkredite. Die Abwertungen spiegeln die verschlechterten Bedingungen der Banken wider, in einigen Fällen aber auch die Einschätzung der Möglichkeiten des spanischen Staates, die Banken zu unterstützen, hieß es.

Bankentitel standen zunächst in Madrid und anderen Börsen unter Druck. Später erholten sich die Kurse etwas. Auch die Lage an den europäischen Anleihemärkten entspannte sich wieder ein wenig. Der Euro fiel am Freitag zeitweise bis auf 1,2653 US-Dollar und kostete damit so wenig wie zuletzt Mitte Jänner. Allein seit Anfang Mai hat die Gemeinschaftswährung sechs Cent oder fast fünf Prozent an Wert verloren.

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