28. Dezember 2014, 15:32 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 06.05.2012 um 14:25 UhrKommentare

Griechen zwischen Lethargie und Aufbruchsstimmung

Einzug einer Vielzahl kleinerer Parteien ins Parlament erwartet.

Foto © AP

Gianna Papadopoulou kommt unentschlossen zu ihrem Wahllokal. "Ich weiß immer noch nicht, was ich wählen soll", sagt die 67-jährige Pensionistin, die mit ihren kranken Mann mit 520 Euro im Monat über die Runden kommen muss. "Ich will sie (die Politiker) für ihre Korruption abstrafen. Ich will aber auch, dass das Land nicht völlig untergeht", fasst Gianna das Problem zusammen, vor dem Millionen Griechen an diesem Wahlsonntag stehen.

Ausgerechnet die Sozialisten und die Konservativen, die das Land an den Abgrund geführt haben, zeigen sich jetzt mehr als alle anderen pro-europäisch und reformbereit. Die meisten anderen Parteien wollen das harte Sparprogramm beenden. Die Kommunisten fordern sogar den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der EU.

Die heimische Presse spiegelt die zwiespältige Stimmung: "Tag der Verantwortung für alle", lautete der Tenor in der konservativen "Kathimerini" am Sonntag. Vorrangig sei, dass das Land am Montag eine Regierung hat, hieß es. Die Sonntagszeitung "Proto Thema" erwartet eine Nacht voller Ängste und Tage der Regierungslosigkeit.

Alle Umfragen deuteten darauf hin, dass keine Partei allein regieren kann. Zudem wird ein Einbruch der bisher regierenden Konservativen und Sozialisten in der Wählergunst erwartet. Von gemeinsam 75 Prozent der Stimmen im Jahr 2009 könnten den Meinungsforschern zufolge kaum noch 45 Prozent übrig bleiben. Dafür wird der Einzug einer Vielzahl kleinerer Parteien ins Parlament erwartet - darunter linke Traditionsparteien, die Aufwind haben, aber auch populistische und rechtsextremistische Gruppierungen, die mit den Ängsten der Menschen spielen.

Während die Parteizentralen der Konservativen und der Sozialisten am Sonntagvormittag dem Niedergang entgegen sahen, herrschte in den Büros des Bündnisses der Linken (Syriza) Aufbruchstimmung. Umfragen deuteten darauf hin, dass diese Partei stark zulegen könnte. "Die Lösung ist links", titelte das Parteiblatt "Avgi". Die Partei setzt sich zwar für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone ein. Sie will aber im Falle einer Regierungsbeteiligung die Schulden des Landes einseitig streichen. "So etwas führt innerhalb kürzester Zeit zum Bankrott", kontert PASOK-Chef Venizelos.

Die gemäßigte Demokratische Linke (DA) schlägt Ähnliches vor. Nur ihre Wortwahl sei höflicher, meinen Analysten. Die Kommunisten sagen es unmissverständlich: "Raus aus dem Euro und der EU jetzt", fordert ihre Generalsekretärin Aleka Papariga.

Im rechten politischen Spektrum gibt es Parteien, die um die Stimmen enttäuschter konservativer Wähler ringen. "Deutschland soll Reparationen für den Zweiten Weltkrieg zahlen", lautet ihre Forderung. Das Land sei von den Geldgebern "besetzt" und müsse "befreit" werden. Unklar blieb zunächst, ob es erstmals eine rassistische, ausländerfeindliche Gruppierung namens "Goldene Morgenröte" schaffen würde, den Einzug ins Parlament zu schaffen.

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Innenpolitik

  • Aktuelle Ereignisse, Hintergründe und Analysen zur heimischen Innenpolitik.

Weltpolitik

  • Aktuelle Entwicklungen, Berichte unserer Korrespondenten, Analysen und Hintergründe zur Außenpolitik.

Südosteuropa

  • Im Fokus: Südosteuropa - aktuelle Entwicklungen, Korrespondenten-Berichte und Analysen.

EU-Special

  • Hintergründe, Korrespondenten-Berichte und aktuelle Ereignisse zum Thema EU.

Der Nahost-Konflikt

  • Der Nahost-Konflikt: Aktuelle Entwicklungen, die Konfliktparteien, die Hintergründe.

100 Jahre 1. Weltkrieg

  • Das große Special zu 100 Jahre Erster Weltkrieg: Interaktive Grafiken, Video-Analysen und Schauplatz-Reportagen aus den ehemaligen Kriegsgebieten.

In eigener Sache

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen. Wichtige Informationen dazu finden Sie HIER.
    • Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
      Ihr Kleine Zeitung Team