18. Dezember 2014, 05:08 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 26.04.2012 um 16:12 UhrKommentare

Pakistans und sein "Bin-Laden-Fluch"

Pakistan bemüht sich, die Spuren Osama bin Ladens zu tilgen - doch seit der US-Aktion zur Tötung des Al-Kaida-Chefs vor einem Jahr herrscht Eiszeit zwischen Islamabad und Washington.

Foto © Reuters

Im Februar machten schwere Maschinen das Anwesen des Al-Kaida-Chefs in der nordpakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad, wo der meistgesuchte Terrorist der Welt in der Nachbarschaft der Armee untertauchen konnte, dem Erdboden gleich. Noch vor dem ersten Jahrestag der Tötung Bin Ladens am 2. Mai sollten seine Witwen, Kinder und Enkel in ihre Heimatländer Saudi-Arabien und Jemen abgeschoben werden. Doch den Fluch Bin Ladens wird Pakistan mit Bulldozern und Deportationen nicht los.

Spur nach Abbottabad

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte das Taliban-Regime in Kabul Bin Laden nicht ausliefern wollen. Als die USA daraufhin in Afghanistan einmarschierten, floh der Al-Kaida-Chef. Fast zehn Jahre lang blieb die Suche nach ihm erfolglos. Pakistans Regierung und Armee dementierten die immer wiederkehrenden Gerüchte, Bin Laden habe in der instabilen südasiatischen Atommacht Zuflucht gefunden. Dann schließlich fanden die Amerikaner eine Spur, sie führte nach Abbottabad. Sicher waren sie sich aber nicht, ob sie tatsächlich Bin Laden mitsamt Angehörigen aufgespürt hatten.

Mit einer vorgetäuschten Polio-Vorsorgeaktion in Abbottabad soll ein pakistanischer Amtsarzt den Amerikanern geholfen haben, an DNA-Proben der Familie zu kommen - er wurde inzwischen entlassen, ihm droht in seiner Heimat ein Verfahren wegen Landesverrats. Daraufhin starteten in der Nacht zum 2. Mai vergangenen Jahres US-Spezialkräfte der Navy-Seals in zwei Tarnkappen-Hubschraubern von Afghanistan aus in Richtung Pakistan. Unbemerkt drangen sie in den pakistanischen Luftraum ein. 40 Minuten dauerte die Operation am Anwesen Bin Ladens, die US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus live mitverfolgte.

Die Soldaten erschossen fünf Menschen, darunter neben Bin Laden - der nach Darstellung der Amerikaner unbewaffnet war, aber Widerstand leistete - auch einen Sohn des Al-Kaida-Chefs. Bin Ladens Leiche wurde auf einen US-Flugzeugträger geflogen und an einer unbekannten Stelle im Arabischen Meer versenkt. Die Amerikaner feierten den Tod ihres Staatsfeindes Nummer Eins. Die Welt sei ein besserer Ort geworden, sagte Obama damals. "Heute ist ein guter Tag für Amerika".

Die Pakistaner dagegen, offiziell immerhin Verbündete der USA im Anti-Terror-Kampf, waren empört. Washington hatte Regierung und Armee vor der Aktion nicht informiert. Seit Jahren wird besonders dem Militärgeheimdienst ISI vorgeworfen, ein doppeltes Spiel zu spielen und heimlich Terroristen zu unterstützen. Dass Bin Laden jahrelang im Land untertauchen konnte, nährte den Verdacht. Auch wenn Pakistan verkündete, man habe von Bin Ladens Aufenthaltsort nichts gewusst: Das bereits beschädigte Image war nun gänzlich ruiniert, und in absehbarer Zeit wird der Schaden kaum behoben werden.

Die eigenmächtige Tötung Bin Ladens war der ultimative Beweis dafür, wie sehr die Amerikaner Pakistan misstrauen. Bis heute hat sich das bilaterale Verhältnis nicht von dem Tiefschlag erholt, die Beziehungen sind schlecht wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Und die Operation gegen Bin Laden war zwar der bisher schwerste, aber nicht der letzte amerikanische Affront gegenüber Pakistan.

Forderungen ignoriert

Die Forderungen Islamabads nach einem Ende von US-Drohneneinsätzen ignoriert Washington einfach. Im November töteten US-Truppen dann 24 pakistanische Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Die USA äußerten ihr Bedauern. Zu einer Entschuldigung konnte sich die Regierung in Washington - anders als bei den Koranverbrennungen durch amerikanische Soldaten in Afghanistan - nicht durchringen. Pakistan kappte daraufhin die Nachschubrouten für die Nato-Truppen im Nachbarland und boykottierte die Afghanistan-Konferenz in Bonn.

Derzeit ist Pakistan weit davon entfernt, gemeinsam mit der Staatengemeinschaft nach einer Lösung des Konflikts im Nachbarland zu suchen. Dabei drängt die Zeit, die Nato will ihren Kampfeinsatz dort bis 2014 beenden. Ohne die Unterstützung Islamabads, das stellt auch in Washington niemand infrage, sind Frieden und Stabilität in Afghanistan nicht zu erreichen. Ein Scheitern des internationalen Einsatzes am Hindukusch aber wäre posthum Genugtuung für Bin Laden.

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