23. November 2014, 07:01 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 19.04.2012 um 20:31 UhrKommentare

"Lassen uns Sparkurs nicht aufzwingen"

In der Aula der Alten Universität Graz wird Landeshauptmann Luis Durnwalder am Freitag mit dem "Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern" geehrt. Im Interview spricht Luis Durnwalder über Rom & Reben.

Foto © APA

Ministerpräsident Mario Monti fährt ein radikales Sparprogramm in Italien. Sehen Sie darin eine Gefahr für die Südtiroler Autonomie?

LUIS DURNWALDER: Nein, denn die ist vertraglich festgelegt, Österreich wacht als Schutzmacht darüber, dass die Inhalte des Paketes auch eingehalten werden.

Aber Monti will den Geldfluss nach Südtirol erheblich kürzen.

DURNWALDER: Das ja, aber er hat wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Derzeit fließen 90 Prozent der Steuerleistung Südtirols in das Land zurück, Monti will diese Quote auf 60 Prozent kürzen.

Ist das okay für Südtirol?

DURNWALDER: Wir haben schon vor zwei Jahren auf eine halbe Milliarde Euro verzichtet. Nach Vorstellungen Roms sollen wir das wieder tun. Im Paket ist festgeschrieben, dass über solche Veränderungen mit Südtirol verhandelt werden muss. Das ist jedoch bisher noch nicht geschehen. Wir lassen uns den Sparkurs nicht aufzwingen, sind aber bereit, einen entsprechenden Beitrag zu leisten. Die Autonomie wird das aushalten.

In Österreich blickt man mit Bewunderung auf die blühende Wirtschaft in Südtirol. Verraten Sie uns das Geheimnis?

DURNWALDER: In den 60er-Jahren war Südtirol ein bettelarmes Land. Aber nach Abschluss des Paketes haben wir das Geld, das ins Land geflossen ist, nicht in dunkle Kanäle investiert, sondern in die kleinen und mittleren Unternehmen. Die haben dafür gesorgt, dass wir derzeit mit 2,9 Prozent die geringste Arbeitslosigkeit aller europäischen Regionen haben. Mit einem Bruttoregionalprodukt von 34.700 Euro liegen wir in der europäischen Rangliste zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Welche Gemeinsamkeiten sehen Sie zwischen Südtirol und Südösterreich?

LUIS DURNWALDER: Südtiroler, Steirer und Kärntner sind ein ähnlicher Menschenschlag, haben ein ähnliches Temperament und wissen, dass nur die Anstrengung zum Erfolg führt, dass einem nichts geschenkt wird. Außerdem haben alle drei Länder lange Zeit unter derselben Krone gelebt.

Gibt es ein äußeres Zeichen?

DURNWALDER: Die Symbolfigur für die Gemeinsamkeit ist Erzherzog Johann, der allen drei Regionen seinen Stempel aufgedrückt hat und heute in Südtirol begraben liegt.

Bestehen heute noch Dokumente seines Wirkens?

DURNWALDER: Das möchte ich meinen. Unter Johanns Ägide sind zahlreiche Obst- und Rebsorten nach Südtirol gekommen. Auch heute noch gibt es eine intensive Zusammenarbeit, was den Obst- und Weinbau betrifft.

INTERVIEW: R. BENEDIKT

  • Druckbare Version anzeigen
  • E-Mail

Zur Person

  • Luis Durnwalder wurde am 23. September 1941 in Pfalzen geboren. Er studierte Jus in Wien, kehrte 1969 als Bürgermeister und als Landtagsabgeordneter nach Südtirol zurück. Durnwalder Ist seit 1989 Landeshauptmann von Südtirol.

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

» Kommentar erstellen

Wir weisen darauf hin, dass dieses Forum nicht moderiert wird. Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (zB Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, etc. sind daher verboten! Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer allenfalls gesperrt. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (zB Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name, Postanschrift und E-Mail-Adresse, jedoch keine Handynummer) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.

Innenpolitik

  • Aktuelle Ereignisse, Hintergründe und Analysen zur heimischen Innenpolitik.

Weltpolitik

  • Aktuelle Entwicklungen, Berichte unserer Korrespondenten, Analysen und Hintergründe zur Außenpolitik.

Südosteuropa

  • Im Fokus: Südosteuropa - aktuelle Entwicklungen, Korrespondenten-Berichte und Analysen.

EU-Special

  • Hintergründe, Korrespondenten-Berichte und aktuelle Ereignisse zum Thema EU.

Der Nahost-Konflikt

  • Der Nahost-Konflikt: Aktuelle Entwicklungen, die Konfliktparteien, die Hintergründe.

100 Jahre 1. Weltkrieg

  • Das große Special zu 100 Jahre Erster Weltkrieg: Interaktive Grafiken, Video-Analysen und Schauplatz-Reportagen aus den ehemaligen Kriegsgebieten.

Wartungsarbeiten

  • >> Liebe User!
    • Auf unserer Website gibt es einige Neuerungen:
    • Die bisherigen Gemeinde- und Bezirksseiten werden durch Regionalportale ersetzt – Sie erhalten hier alle wichtigen Neuigkeiten aus Ihrer Region.
    • Auf der Startseite werden Nachrichten nun in Ressort-Blöcke gegliedert (Sport, Politik etc.) - für einen besseren Überblick.
    • Aufgrund von technischen Umstellungen können wir vorübergehend keine Wetterinformationen und Gewinnspiele anbieten. Die Inhalte werden ehestmöglich wieder bereitgestellt. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    Weitere Informationen finden Sie HIER. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: feedback@kleinezeitung.at
    Ihr Kleine Zeitung Team