22. November 2014, 17:34 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 06.04.2012 um 09:46 UhrKommentare

Transparenz ist "eine Anstandsfrage"

Caritas Präsident Franz Küberl wünscht sich mehr Transparenz in der Politik, denn sie sei "der natürliche Feind der Korruption". Enttäuscht ist er wegen fehlender Zukunftsperspektiven in der aktuellen Sparpolitik.

Foto © KLZ / Kanizaj

Caritas-Präsident Franz Küberl wünscht sich mehr Transparenz in der Politik. "Ich glaube, das ist eine Anstandsfrage", sagte er im Interview mit der APA. Bei künftigen Sparpaketen sollte es mehr zukunftsweisende Maßnahmen geben, Armutsbekämpfung will er künftig in der Hand des Bundes sehen. Weiters fordert Küberl effektive Maßnahmen gegen Schulabbrecher bzw. Schulschwänzer. Reformbewegungen in der römisch-katholischen Kirche sieht er als gerechtfertigt.

"Transparenz ist der natürliche Feind der Korruption", meint Küberl angesichts der aktuellen Korruptionsdebatte. Einmalige Maßnahmen würden allerdings nur wenig bringen: "Die Transparenzaufgabe wird eine permanente sein." Einen Anstandskodex, wie ihn die ÖVP derzeit plant, begrüßt der Caritas-Präsident, bleibt aber skeptisch. Dies dürfe kein "Taschentuch für Augenauswischerei" werden. Schon mehrmals habe es derartige Regelungen gegeben, die nach dem Wahlkampf wieder vergessen worden seien. Eine "Triebfeder für Transparenz" könne letztendlich nur Zivilcourage sein.

Zukunftsbewältigung fehlt

Kritik übt Küberl an den eben erst beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen: "Sparpakete sind immer Vergangenheitsbewältigung, die Zukunftsbewältigung fehlt aber." So hätte die Regierung etwa versprochen, die Armut bis 2020 um die Hälfte einzudämmen - "aber man merkt nichts davon". Geht es nach dem Caritas-Chef, soll dies künftig Bundes- anstelle von Gemeindesache sein. Zudem sei es notwendig, für ältere Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, nicht zuletzt aufgrund der Änderungen beim Arbeitslosenversicherungsbeitrag im Rahmen des Sparpakets.

Auch im Bildungsbereich ortet Küberl viele offene Fragen, insbesondere bei Schulabbrechern sowie -schwänzern. Bei diesem Thema seien in jüngster Zeit viele Politiker in die "Populismusfalle" getappt. Dabei würde rund ein Drittel der Schüler fernbleiben, um etwa familiäre Pflichten zu erfüllen, so Küberl. Ein weiteres Drittel bleibe aufgrund von Mobbing oder Schulangst fern, in diesen Bereichen müsse man ebenfalls ansetzen. Ein grundlegendes Problem: "Es gibt keinen strukturierten Kontakt der Lehrer mit den Eltern.

Strafen für Schulschwänzer bringen nichts

Von Strafen für Schulschwänzer, wie es Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (V) vorgeschlagen hat, hält Küberl wenig: "Das klingt gut, nur bringt es nichts." Grundsätzlich hat er aber für den jungen Politiker viel übrig: "Die Caritas ist froh darüber, dass es endlich ein Integrationsstaatssekretariat gibt" - auch wenn sich die Caritas vielmehr ein eigenes Ministerium für diese Agenden gewünscht hatte. Kurz habe aber vorgezeigt, dass es einen vernünftigen Zugang zu diesem Thema geben kann. Denn: "Es gibt eine Menge von lösbaren Problemen."

Bei einer Kernaufgabe der Caritas, der Hilfe notleidender Menschen, kann deren Präsident Positives vermelden. Bis zu 55 Mio. Euro seien im vergangenen Jahr gespendet worden, knapp 10 Mio. Euro allein für die Hungerhilfe in Ostafrika, so eine vorläufige Schätzung. Beim neuerlichen Spendenaufruf für Westafrika habe man sich kein finanzielles Ziel gesetzt, denn: "Grundziel ist es, den Hunger abzuschaffen." Gleichzeitig erneuert Küberl die Kritik an der Kürzung der Entwicklungshilfe durch das vorvergangene Sparpaket: "20 Mal wurde uns feierlich versprochen, die Entwicklungshilfe zu erhöhen - und jedes Mal ist sie gekürzt worden."

Von der permanenten Kirchenkrise sieht Küberl die Caritas kaum betroffen. "Es war höchst an der Zeit, dass dieser Augiasstall ausgemistet worden ist", lobt er vielmehr die "klaren Verfahren" bei Missbrauchsfällen. Und auch die Reaktion des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn auf die Wahl eines homosexuellen Pfarrgemeinderats in Niederösterreich freut ihn: "Der Kardinal hat in exzellenter Weise bewiesen, dass die Kirche Feinfühligkeit hat und den Menschen als Maß der Dinge sieht." Auch für Reformer wie jene der Pfarrerinitiative sieht er einen berechtigten Platz. Diese würden auf ungelöste Fragen und Probleme hinweisen.

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