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Zuletzt aktualisiert: 03.04.2012 um 20:30 UhrKommentare

Walter Rothensteiner, Raiffeisen-Generalanwalt, im Porträt

Der Electronic-Freak, Wein- und Opernkenner gilt als Blitzgneißer, der rasch analysiert und genau wisse, was er tun müsse.

Foto © APA

Jäger ist er keiner. "Wenn ich Wild will, weiß ich, wo es eines gibt" heißt ein für einen Raiffeisen-Spitzenmanager doch überraschendes Bonmot von Walter Rothensteiner, der mit 59 Jahren 2012 einen weiteren Karrieresprung macht: Der Stadtmensch, der mit einer Zahnärztin verheiratet ist, seit 1995 das grüne Geld-Spitzeninstitut Raiffeisen-Zentralbank (RZB) lenkt und groß gemacht hat, wird Langzeit-Generalanwalt von Raiffeisen, Christian Konrad, beerben.

Allerdings bloß zur Hälfte. Als Generalanwalt wird er vor allem oberster Interessenvertreter der grünen Riesen werden, dessen Markenzeichen ein Giebelkreuz mit gekreuzten Pferdeköpfen ist.

Der Großteil der Konrad'schen und bei Raiffeisen gefürchten Beinahe-Allmacht und das Sagen bei 720 Industrie,-Medien- und Agrarbeteiligungen wird Raiffeisen-NÖ-Wien-Chef Erwin Hameseder übernehmen, heißt es in Rothensteiners Umgebung geflissentlich. Gar so ohnmächtig ist freilich auch ein Generalanwalt nicht, wenn man sich erinnert und ausmalt, dass Konrad stets nachgesagt wurde, dass es ihm eigentlich egal sei, "wer unter mir Bundeskanzler ist".

Ein Kulturbruch ist dennoch angesagt. Der oft leutselig, richtig gemütlich wirkende Rothensteiner ist keiner, der wie Konrad Wutausbrüche auslebt, indem er mit der Faust auf den Tisch haut. Er gilt als Blitzgneißer, der rasch analysiert und genau wisse, was er tun müsse. Ohne Hang zur Macht wäre er freilich nie so weit gekommen. "Mehrheitsbeschlüsse gibt es bei mir nicht", ist auch so ein klassischer Spruch des Electronic-Freaks, der in Sitzungen gern mit den allerneuesten Handys spielt und höchst fingerfertig E-Mails verschickt. Als RZB-General - der er weiterhin bleiben dürfte- ist er als Mann mit Zug zum Tor bekannt.

Wenn es sein muss, kehrt er aber auch blitzschnell den Diplomaten hervor, den er als langjähriger Obmann der Geldsparte in der Wirtschaftskammer gegenüber den "natürlichen Feinden der Banken", wie er einmal sagte, oft geben musste. Dazu passt auch sein Image als tiefgründiger Wein-und Opernkenner. Und die Tatsache, dass er auch in die Oper Geschäftsfreunde mitschleppt.

WOLFGANG SIMONITSCH

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