19. Dezember 2014, 04:30 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 18.01.2013 um 20:30 UhrKommentare

Warum der Krieg in Mali auch unser Krieg ist

Europa darf Afrika nicht den Islamisten überlassen.

Die Euphorie war groß in Europa, als der Arabische Frühling die morschen Regime in Tunesien, Libyen und Ägypten wegfegte. Der ganze Kontinent solidarisierte sich mit den Massen, die die Sehnsucht nach Demokratie und Freiheit auf die Straßen trieb. Nicht wenige im Westen meinten gar, dass der radikale Islam nun am Ende sei und die arabische Welt die Werte des Westens übernehmen werde.

Der islamistische Vormarsch in Mali und das Geiseldrama in Algerien holen die Europäer jäh aus ihrem außenpolitischen Wolkenkuckucksheim herab.

In Wahrheit war die arabische Revolution nie das, wofür die europäischen Eliten sie hielten. Tief in ihrem Inneren arbeiteten Kräfte, die wenig zu tun haben mit unserer romantischen Vorstellung vom geknechteten arabischen Volk, das die Fesseln der Tyrannei abschüttelt. In Ägypten ist die Demokratie längst auf dem Rückzug. Vor allem aber entstand durch den Sturz der alten Despoten ein Machtvakuum, in dem sich vom Sinai über Libyen bis in den Maghreb und die Sahara militante islamistische Gruppen festsetzten.

Man kann nicht sagen, dass die Europäer viel zur Stabilisierung der gegenüberliegenden Mittelmeerküste unternommen haben. Seit Monaten drängte Frankreich auf eine Militäraktion in Mali. Wieder einmal zauderte Europa - mit der Folge, dass islamistische Marodeure im Norden des Landes eine Schreckensherrschaft ähnlich jener der afghanischen Taliban etablieren konnten.

Wenn zwölf Jahre Krieg am Hindukusch jedoch eines gezeigt haben, dann, dass der Terror keine Grenzen kennt. Man mag sich nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Konflikt auf Malis instabile Nachbarn Mauretanien, Algerien oder Niger übergreift. Ganz Westafrika könnte ins Chaos stürzen. Das Geiseldrama in der Sahara ist ein erstes Indiz dafür, dass sich der Konflikt internationalisiert.

Das dürfen die Europäer nicht zulassen. Schon der eigenen Sicherheit wegen müssen sie gemeinsam eingreifen.

Dass Österreichs Regierungsparteien sich nicht einmal auf eine Beteiligung an einer EU-Militärausbildungs-Mission für Mali einigen konnten, wirft ein erhellendes Licht auf den Zustand des Landes: Man redet vor der morgigen Volksbefragung zwar groß von den neuen Bedrohungen des 21. Jahrhunderts. Vor dem, was sich vor der eigenen Haustüre abspielt, verschließt man aber aus innenpolitischen Erwägungen die Augen.

Da kann es noch so viele Referenden geben. Sie werden nicht ausreichen, um Österreichs Sicherheitspolitik auf die Höhe der Zeit zu bringen.

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stefan.winkler@kleinezeitung.at

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