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Zuletzt aktualisiert: 20.04.2012 um 20:30 UhrKommentare

Der König fährt eine harte Linie

Bahrains König Hamad bin Isa (62) hofiert aber den Formel-1-Zirkus.

Er zeigt sich nur noch selten in der Öffentlichkeit. Seit mehr als einem Jahr begehren seine schiitischen Untertanen schon gegen die Herrschaft von Bahrains König Hamad bin Isa bin Salman Al Khalifa auf. Sie fühlen sich von ihm und der sunnitischen Herrscherkaste, die seit 200 Jahren den Inselstaat regiert, politisch und wirtschaftlich diskriminiert. Sie klagen über Probleme bei der Arbeits- und Wohnungssuche. Ihre Dörfer wirken ärmlich und vernachlässigt, in Regierungs- und Führungsämtern sind sie praktisch nicht vertreten. Viele junge Schiiten sind arbeitslos, obwohl mindens die Hälfte der Einwohner Gastarbeiter aus Europa und Asien sind.

Durch ihre Proteste gegen den Formel-1-Grand-Prix haben sie ihre Anliegen erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Denn sie wollen nicht länger von Hamad und seinem Familienclan regiert werden. Der Monarch erhielt seine Ausbildung, wie viele arabische Herrschersöhne, in Großbritannien. In den USA absolvierte er ein Offiziers-training, seit den neunziger Jahren ist Bahrain der Stützpunkt der 5. US-Flotte im Persischen Golf. 1999 rückte er an der Spitze des Scheichtums, drei Jahre später erklärte er sich zum König.

Unter seiner Regentschaft stieg Bahrain zum wichtigen Finanzzentrum in der arabischen Welt auf, bis im Februar 2011 die schiitische Mehrheit aufzubegehren begann. 30 Menschen sind seither ums Leben gekommen, Hunderte wurden gefoltert, zahlreiche Oppositionelle willkürlich ins Gefängnis geworfen. Doch das Land kommt nicht zur Ruhe. Die Königsfamilie ist gespalten, ihr jüngerer Flügel plädiert für Konzessionen und Reformen. Dagegen kennt die alte Garde um Premier Khalifa bin Salman al-Khalifa, der seit 40 Jahren im Amt ist, nur die Sprache der Gewalt. Hamad selbst hatte vor einem Monat noch versichert, "die Türen für Dialog waren und sind immer offen". Man sei "entschlossen zu Reformen auf allen Gebieten". Für "Amnesty International" sind das nur leere Worte. Die Schritte seien "oberflächlich und halbherzig". Nach wie vor gebe es Berichte über Folter und Einsatz unverhältnismäßiger Gewalt durch die Polizei. MARTIN GEHLEN, KAIRO

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