19. Dezember 2014, 00:57 Uhr | Aktualisiert vor - min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 18.08.2012 um 22:12 UhrKommentare

Nostalgie und wenig Neues

Tag drei von vier beim Frequency Festival in St. Pölten: Mit Casper, den Beatsteaks, The Hives, Bush und Korn wurden härtere, rauere Umgangstöne angeschlagen.

Foto © APA

Seine Verachtung kommt von Herzen, immerhin. Der junge deutsche Shootingstar Casper meisterte seine Festivalfeuerteufe am Nachmittag auf der Hauptbühne mit Bravour. Harter Rap trifft harten Rock, das ist nichts Neues, und doch ist Casper eine erfrischende Erscheinung im deutschen Hip-Hop. Dass er mit großen Publikumsmengen umzugehen weiß, hat man geahnt, dass er Zigtausende dazu bewegen kann, gleichzeitig den Stinkefinger zu zeigen, bereitet ihm sichtlich diebische Freude und passt auch zum T-Shirt-Aufdruck "Mit Verachtung". Mit diesem jungen Herren als zukünftigem Festival-Dauerbrenner ist zu rechnen.

Seine Vorbilder in dieser Hinsicht: Die Berliner Punk-Institution Beatsteaks ist eine Live-Bank, auf die man immer setzen kann, die überall und immer funktioniert und - völlig zu recht - jedes Publikum anspricht.

Schick in Schale

Überhaupt war der Freitag der Tag der bewährten Stammgäste: die britischen Subways, die erst auf der Festivalbühne so richtig zur Höchstform aufzulaufen scheinen. Dass Musik und Texte simpel gestrickt sind, tut der Stimmung keinen Abbruch - ganz im Gegenteil sogar. Die schwedischen Hives haben sich richtig schick in Schale geworfen: im Frack samt Zylinderhut gewinnen sie jeden Preis für guten Stil, Sänger Howlin' Pelle Almqvist gibt einen hervorragenden Entertainer in breitestem Amerikanisch. So richtig zünden können die Fünf trotz des Hits "Tick Tick Boom" aber nicht.

Die Briten Bush sind eine Band, die bei vielen der älteren Besucher (heißt hier: Anfang dreißig) nostalgische Gefühle wachruft, eine Herzensband der prägenden Schulzeit, ein Fixpunkt in der musikalischen Sozialisation. Dass Sänger Gavin Rossdale, inzwischen als Ehemann von Superstar Gwen Stefani zum A-Promi "aufgestiegen", braun gebrannt im körperbetonten Muskelshirt auftritt, irritiert da schon etwas. Wie auch der Gitarrist, der einer Metal-Band entliehen scheint. Aber: nicht nur musikalisch sind sie sofort wieder abrufbar, die Neunziger-Hits wie "Swallowed" und "Glycerine". Und Rossdale lässt sich bei einem ausgiebigen Bad in der Menge seine Muskeln auch befühlen. Altersmäßig sprechen Korn, Headliner des Abends, eine ähnliche Zielgruppe an, ansonsten düften die Nu-Metal-Miterfinder eher durch eine Verwechslung mit Novarock in das Frequency-Lineup geraten sein. So richtig wollen die harten, elektronisch bearbeiten Gitarren dem Publikum nicht schmecken, das Ablaufdatum der Kalifornier scheint überschritten. Immerhin gibt es zum Ende eine Dudelsack-Einlage.

Schatzsuche

Die wahren Kleinode waren gut versteckt: Wie etwa der Auftritt der britischen Indie-Hoffnung Alt-J auf der Weekender-Bühne. So verspielten und verschnörkelten Pop mit R'n'B-Synkopierungen, eingängigen Folkmelodien und genau der richtigen Prise Schwermut hat man selten gehört - überhaupt an diesem Tag.

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