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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2012 um 07:53 UhrKommentare

Die letzte Fahrt für das Verditz

Aus für Liftbetrieb auf dem Verditz bringt Wirte und Hoteliers in Bedrängnis. Ein Lokalaugenschein.

Foto © Kanatschnig

Der Himmel über dem Verditz hat seine Schleusen geöffnet. Wie zum letzten Geleit regnet es auf die verwaisten Liftanlagen, an denen noch ein paar in die Jahre gekommene Sessel baumeln.

Die Bergbahnen haben ihren Betrieb eingestellt, die Sommerrodelbahn wird auch geschlossen bleiben und am 4. Juni wird man darüber abstimmen, ob man die Anlage rückbauen wird. Ernüchterung macht sich bei Sigrid Steiner breit. Die Wirtin des Alpen-gasthofes Moser steht vor ihrem Betrieb und schüttelt den Kopf: "Ich weiß nicht, was wir machen werden." Dann macht sie eine Pause, wie um den Schock zu verarbeiten. Man werde jetzt eine Ferienwohnung einrichten: "Zumindest einmal eine." Personal hat sie längst keines mehr, sie versucht alleine über die Runden zu kommen.

Dabei ist das Verditz eine malerische Gegend: Die Almen laden zum Wandern ein, im Winter ist es der ideale Berg für Skianfänger. Etwas weiter oben, im "Blue Mountain Hotel", sieht Hotelier Paul Timmermanns noch eine Möglichkeit für den Lift: "60.000 Gäste wurden im Sommer, 20.000 im Winter befördert. Da hat man noch Möglichkeiten." Für seinen Betrieb war der Lift im Sommer nicht wichtig: "Im Winter werden wir es schon spüren."

Kunst auf dem Berg

Katrin Liesenfeld von der "Art Lodge" findet es zwar nicht positiv, dass der Liftbetrieb eingestellt wird, drängt aber auf Veränderung: "Das Verditz muss sich verändern, vor allem im Winter. Wir haben viele Vorschläge." Sie selbst ist gerade dabei, einen Skulpturenpark zu installieren.

Die Einstellung des Liftbetriebes wird man auf der "Art Lodge" nicht so spüren, sagt Liesenfeld, im "Berghof" ist man anderer Meinung: "Wir müssen jetzt unseren Gästen erklären, dass die Sommerrodelbahn und die Bergbahnen ihren Betrieb eingestellt haben", sagt Chefin Margit Katholnig und fügt hinzu: "Geschäftsführer Wolfgang Löscher hat es verabsäumt, früh genug umzudenken. Jetzt werden wir einfach vor vollendete Tatsachen gestellt." Als Konsequenz wird sie die Preise senken: "Damit die Leute noch einen Grund haben, hierher zu kommen."

Ernüchternde Zahlen

Ernüchternd sind auch die Zahlen der Liftgesellschaft: 240.000 Euro betrug der Abgang im heurigen Jahr. "Mit dem Verkauf der Anlagen, Häuser und Grundstücke werden wir die Abgänge aber auffangen können", sagt Geschäftsführer Löscher. Es seien genug Aktiva vorhanden. Dass man bis 4. Juni noch einen Käufer für den gesamten Betrieb findet, ist unwahrscheinlich. Vonseiten der Politik ist man auch betrübt über die Entwicklung: "Die Betriebe werden die Einstellung des Liftbetriebes spüren", sagt Maximilian Linder, Bürgermeister von Afritz, an eine erneute Abgangsdeckung durch das Land sei aber nicht zu denken. Und Karl Wuggenig, Bürgermeister von Treffen am Ossiacher See, fügt noch hinzu: "Eines ist klar, das ist für die gesamte Region nicht positiv. Aber da gibt es keine Rettung mehr." Die letzte Fahrt führt für die Hoteliers und Wirte auf dem Verditz damit in eine ungewisse Zukunft.

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