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Zuletzt aktualisiert: 09.05.2012 um 16:06 UhrKommentare

"Griechenland wird totgespart"

Gerd Matschek (40) aus Wernberg im Interview mit der Kleinen Zeitung DIGITAL über eine demotivierte griechische Jugend ohne Ziele, Akademikerflucht und die Hilflosigkeit der Bevölkerung.

Foto © KK/Privat

Eine Bevölkerung ohne Perspektiven, eine drohende Staatspleite und politisches Vakuum: So dramatisch wie es die Medien berichten, ist die Situation in Griechenland auch. "Das Land wird totgespart", bringt es Gerd Matschek auf den Punkt. Der 40-jährige Kärntner lebte und arbeitete von 2000 bis Feber 2012 in Griechenland. Nachdem er seinen Hauptberuf im Marketing einer österreichischen Firma verloren hatte und in seinem Zweitberuf als Fotograf die Aufträge im Sog der Krise rapide zurückgegangen waren, entschied er sich, mit seiner Frau und den beiden Kindern zurück nach Kärnten zu kommen.

Wie prekär ist die Lage in Griechenland für die Bevölkerung?
Gerd Matschek: Es ist genau so dramatisch wie es in den Medien dargestellt wird: Die Menschen sind gezwungen, sich mit zwei, drei Jobs irgendwie über Wasser zu halten. Dazu kommen noch zusätzlich beschlossene Steuern, keine Sozialleistungen für Familien oder im Gesundheits- und Ausbildungsbereich.

Wie dramatisch ist der Sparkurs für die Bevölkerung?
Gerd Matschek: Dieses Sparpaket ist einzigartig in Europa. Durch die extremen Einschnitte sind die Griechen in ihrer Existenz bedroht. Griechenland wird totgespart.

Wie gehen die jungen Griechen mit der Situation um?
Gerd Matschek: Es gibt eine extrem hohe Akademikerflucht. Wer kann, versucht nach dem Auslandsstudium eine Arbeit vor Ort zu finden. Außerdem herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Jeder Dritte hat keinen Job. Griechenlands Jugend sieht keine Zukunft.

Wie interpretieren Sie den Ausgang der Wahlen?
Gerd Matschek: Die Wahlen haben die Situation im Land zusätzlich verschärft. Es war ein reiner Protest der Bevölkerung gegen die Zustände - und vermutlich wird es Neuwahlen geben.

Den Griechen ist zu wünschen, dass die Politik den Weg aus dem wirtschaftlichen Desaster des Landes findet. Wie so oft trifft es immer den "kleinen Mann", doch mittlerweile dürften auch die Politiker das Damokles-Schwert über ihren Köpfen wahrgenommen haben.

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