28. November 2014, 09:35 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 25.04.2012 um 20:29 UhrKommentare

Startschuss für Semmering-Basistunnel

Jetzt geht es in den Zauberberg: Alle bis auf Erwin Pröll rühmten beim Spatenstich für den Semmering-Tunnel am Mittwoch den "historischen Tag" für Österreich. Franz Voves dankte ihm dennoch.

Foto © Foto: KLZ Digital

Schnell ist klar, wer im Festzelt neben dem Schloss Gloggnitz, einem ehemaligen benediktinischen Wehrkloster und mehr als 900 Jahre alt, die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Als Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) hereinspaziert und auf dem Weg zur Bühne seinen Landsleuten die Hände schüttelt, heften sich sogleich die Kameraleute an seine Seite. Dort ist bereits der steirische Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer (VP), doch der muss feststellen: In Niederösterreich gibt es nur einen Politstar. Erst recht, wenn es um den Semmering-Basistunnel geht.

Jahrelang hat Pröll das Projekt blockiert, nun nimmt er dafür den Spaten in die Hand. Davor stellt er sich neben Verkehrsministerin Doris Bures (SP), Landeshauptmann Franz Voves (SP), Desiree Oen aus dem Kabinett von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas und ÖBB-Boss Christian Kern den Fragen von Moderatorin Regina Preloznik.

"Wodurch haben Sie sich denn umstimmen lassen?"

Das sei nicht die Frage, erwidert Pröll und versucht, sein Nein zum Altprojekt zu entpolitisieren. "Es ist eine Frage der Fakten. Der neue Tunnel ist mit dem alten, einröhrigen nicht zu vergleichen. Ökologie, Sicherheit und die Zukunft der Ghega-Bahn sind nun geklärt." Als Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und Ex-Minister Hubert Gorbach 2005 das aktuelle Projekt starteten, so Pröll weiter, "bekamen wir auch neue Partner in der Steiermark. Mit Hermann Schützenhöfer wagten wir den Neuanfang".

Pröll ist allerdings der Einzige auf dem Podium, der nicht von einem "historischen Tag" spricht. Voves zollt ihm dennoch "tiefsten Respekt" dafür, dass Niederösterreich an die neue Variante "so positiv herangeht". Für ihn als Landeshauptmann sei dieser Spatenstich das wichtigste Ereignis, "denn wir stehen schon 30 Jahre in der Warteschlange".

Mit Schmäh gewinnt der Steirer schließlich das Publikum: "So schaut's aus, wenn der niederösterreichische Smaragd und der steirische Sauvignon Blanc zu einem Cuvée werden."

Zehn Generationen

"Was lange währt, wird endlich gut", hakt Bures ein, die Ministerin wird als "glühende Verfechterin für den Bahnausbau" vorgestellt. "Das Projekt ist auf Herz und Nieren geprüft. Zehn Generationen haben die Ghega-Bahn genützt", erklärt die Politikerin - und mit einem Blick zu Pröll versichert sie: "Das wird auch weiterhin so sein, aber jetzt bauen wir für die nächsten Generationen."

Es folgt der offizielle Akt: Hinter dem Zelt sind ein Sandhaufen und fünf Spaten für Kern, Bures, Oen, Voves und Pröll vorbereitet, in Sichtweite befinden sich die Südbahn und das künftige Nordportal des Semmeringtunnels. Die Bundeshymne ertönt und nach einer Segensfeier auch die Europahymne. Einem Gegner des Tunnels gelingt es, auf das Spatenstich-Foto zu kommen. Er hält ein Schild in die Höhe: "Der Berg sagt Nein!"

Am Tag vor der Feier hatte sich die Bürgerinitiative Semmering-Schlaglstraße (Biss) empört, da 600 Gäste geladen worden waren, die Gloggnitzer selbst aber aus den Medien von der Veranstaltung erfuhren. Die Projektgegnerin "Alliance for Nature" stellte indes die Rechtsstaatlichkeit infrage, da bereits gebaut werde, obwohl noch nicht alle Behördenverfahren abgeschlossen seien. Im Moment handelt es sich um vorbereitende Maßnahmen. Der eigentliche Tunnelvortrieb beginnt 2014 in der Steiermark, 2024, so der Plan, werden die Züge durch den Berg fahren. Ob er glaube, dass bis dahin noch etwas dazwischenkommt, wird Pröll gefragt. "Ich weiß von vielen Projekten, dass immer etwas passieren kann. Wir werden genau darauf achten, dass sämtliche Auflagen aus den Behördenverfahren eingehalten werden."

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