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Zuletzt aktualisiert: 10.05.2012 um 08:28 UhrKommentare

Sieben Jahre Tibet-Zentrum

Ein Kloster plus Hotel samt Medizin-Uni um 65 Millionen schrumpfte auf ein Jugendgästehaus. Russische Beinahe-Investoren klagten die Gemeinde Hüttenberg.

Foto © APA/Eggenberger

Der Dalai Lama wird zu Beginn seines Österreich-Besuches in der kommenden Woche auch in die Gemeinde Hüttenberg, Bezirk Sankt Veit an der Glan, reisen. Dort hatte er im Jahr 2006 in einer feierlichen Zeremonie mit dem damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider den Grundstein für ein Tibetzentrum gelegt, bei dem auch eine Universität für tibetische Medizin eingerichtet werden sollte. Gebaut wurde an diesem Ort bis heute nichts, statt des Großprojekts wird jetzt ein Jugendgästehaus an einem anderen Standort in der Gemeinde errichtet.

Man schrieb das Jahr 2005, als sich Haider mit einer Delegation zum Dalai Lama nach Dharamsala begab. Er wollte ein Europa-Zentrum für Tibetische Medizin und Philosophie vorantreiben, samt tibetischem Kloster, Hotel und Medizin-Uni - von 65 Millionen Euro an Investitionen und 400 zusätzlichen Arbeitsplätzen in Hüttenberg war die Rede. Die Gemeinde im Bezirk Sankt Veit an der Glan bot sich deshalb an, weil der Bergsteiger Heinrich Harrer, der mit dem Dalai Lama seit dessen Kindheit befreundet war, sich dort aufs Altenteil zurückgezogen hatte. Nach der Rückkehr aus Indien herrschte Euphorie, die Landesregierung beschloss das Projekt - mit großzügigen Förderungen - allein 25 Millionen sollte der Bund in Form von Förderungskrediten beisteuern.

Im Mai 2006 kam es zum feierlichen Spatenstich mit dem geistigen Oberhaupt der Tibeter, es gab schöne Bilder und lachende Gesichter. Das Projektvolumen war inzwischen auf 25 Millionen Euro geschrumpft, auch die Sache mit der Universität für tibetische Medizin geriet ins Wanken. Im Jahr darauf kam dann ernsthaft Sand ins Getriebe. Der Bauunternehmer Robert Rogner, der von Anfang an mit dabei gewesen war, geriet mit einem Thermenprojekt im steirischen Bad Blumau in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die Verhandlungen stockten, Rogner zog sich vorerst zurück, um ein halbes Jahr später doch wieder an Bord zu gehen.

Im September 2007 verkündete Haider, das Tibet-Zentrum werde "auf jeden Fall realisiert". Vom Hotel war zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch selten die Rede. Im Herbst 2008 nahm das Internationale Institut für Höhere Tibetische Studien (IIHTS) dann tatsächlich den Betrieb auf. Logis fand es in der alten Volksschule in Knappenberg, die für die Carinthische Musikakademie adaptiert wurde. Dort werden Lehrgänge und Seminare angeboten, auch der bevorstehende Besuch des Dalai Lama wird von dort aus organisiert.

Hoffnung

2009 keimte noch einmal Hoffnung auf. Da trat die schwedische Gesellschaft Aramis Finance AB auf den Plan, über die russische Investoren sechs Millionen in das Tibethotel investieren wollten. Als ihr Sprachrohr trat der ehemalige Pressesprecher Haiders, Karl-Heinz Petritz, auf. Die Gespräche verliefen allerdings zäh. Einer der russischen Investoren erhielt die erhoffte Staatsbürgerschaft nicht, das Innenministerium erhob Einspruch.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass der geplante Standort für das Hotel eigentlich in der Roten Zone, also in hochwassergefährdetem Gebiet liegt. Im Jänner 2010 setzte das Land den Investoren eine letzte Frist, ihre Beteiligung um zwei Millionen aufzustocken. Danach war nichts mehr zu hören, im Mai wurde das Tibethotel in der ursprünglichen Form endgültig beerdigt, von der Medizin-Uni war ohnehin schon längst keine Rede mehr, im Tibetzentrum kann man immerhin Diplomlehrgänge zu Grundlagen oder sanften Therapien der traditionellen tibetischen Medizin belegen.

Im vergangenen Jahr gab es einen neuen Anlauf für eine "Schrumpfvariante", nämlich ein Haus der JUFA (Jugend und Familiengästehäuser) mit 150 Betten, das direkt an die Musikakademie und das Tibetzentrum angekoppelt wird. Insgesamt wird dieses Projekt 8,5 Millionen Euro kosten, finanziert wird es zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel von JUFA. Im April begannen die Bauarbeiten, das Projekt steht laut JUFA unter dem Motto "Dialog der Kulturen".

Für Hüttenberg ist die Sache damit aber noch nicht ausgestanden. Denn im vergangenen Jahr reichten die russischen Investoren Klage ein. Sie wollen von der Gemeinde 1,2 Millionen Euro an Planungs- und Vorbereitungskosten zurückhaben, plus Zinsen, versteht sich. Man habe viel zu spät erfahren, dass das Grundstück in der Roten Zone liege, so der Anwalt. Das Verfahren ist derzeit am Landesgericht Klagenfurt anhängig, die Gemeinde hofft auf einen Vergleich.

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