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Zuletzt aktualisiert: 29.04.2012 um 21:50 UhrKommentare

Ein Tag, vor dem sich alle Retter fürchten

Drei Bergretter stürzten bei einer Bergungsaktion am Großvenediger vom Tau eines Helikopters. Dabei starb der Leiter der Alpinpolizei.

Foto © Brunner Images

Entsetzen, Trauer, Schock und Tränen: All das brach am Sonntag über einen Alpineinsatz in Osttirol herein. Am Großvenediger passierte das, wovor sich Einsatzkräfte stets fürchten. Ein Kamerad aus den eigenen Reihen fand bei einem Einsatz den Tod. Franz Franzeskon (52), Chef der alpinen Einsatztruppe Osttirol, auch Berg- und Flugretter, der schon viele Leben unter Einsatz seines eigenen gerettet hat, starb nach einem Sturz vom Tau eines Rettungshubschraubers.

Es war der dritte Flug am Sonntag von Hubschrauber "Martin 4" aus dem Unternehmen von Roy Knaus. Er führte auf das Rainerkees am Großvenediger. Die Einsatzkräfte starteten einen neuerlichen Anlauf, jenen Slowaken zu bergen, der am Samstag 40 Meter in eine Gletscherspalte gestürzt war. Franzeskon und zwei Bergretter aus Prägraten ließen sich vom Helikopter am Tau auf den Gletscher fliegen.

Es war kurz vor 8 Uhr am Morgen, als bei der Einsatzzentrale Hektik ausbrach. Vom Berg kam der Funkspruch, dass das letzte Anflugmanöver von Martin 4 misslungen sei, Franzeskon und einer der Bergretter schwer verletzt nahe der angeflogenen Spalte liegen würden.

Was am Berg tatsächlich passierte, ist Ermittlungsgegenstand. Bekannt wurde vorerst, dass der Pilot von Martin 4 aufgrund von überraschend einbrechendem Nebel und Windspitzen von mehr als 100 km/h mit der Maschine in Turbulenzen geraten war. Nach Funkkontakt mit Franzeskon soll er das Tau ausgeklinkt haben - um bei der Witterungssituation Schlimmeres zu vermeiden. Beim Aufschlagen auf den Boden dürften Franzeskons Begleiter auf ihn gefallen sein. Auf diese Informationen hin wurde der Hubschrauber von der Staatsanwaltschaft Innsbruck beschlagnahmt, der Pilot abgelöst.

Föhn verhinderte Bergung

Jetzt hatte Kameradenrettung höchste Priorität. Einsatzkräfte, die bereits mit dem ersten Flug von Martin 4 auf dem Rainerkees gelandet waren, schleppten die Verletzten Richtung Defereggerhaus. Mit der dortigen Materialseilbahn wurden sie in die Nähe der Johannishütte gebracht. "Wir haben aufgrund des starken Föhns kein Flugwetter", sagte Peter Ladstätter, der Leiter der Osttiroler Bergrettung. Vom Tal stiegen Einsatzkräfte auf.

Dann hieß es warten. Anspannung herrschte in der Einsatzzentrale. Dann der erschütternde Moment: Mit Tränen in den Augen gab Ladstätter gegen Mittag bekannt: "Franz Franzeskon ist tot." Bergretter und Polizisten weinten, ein unsichtbarer Trauerflor legte sich über Prägraten und erfasste bald ganz Osttirol.

Am Nachmittag trafen Landespolizeikommandant Helmut Tomac und Roy Knaus, der Chef des betroffenen Helikopter-Unternehmens, in Prägraten ein. Tomac gab sich zum Unfallhergang bedeckt, bestätigte, dass das Landeskriminalamt die Ermittlungen aufgenommen habe und sagte: "Der heutige Tag ist einer, vor dem wir uns alle fürchten." Knaus warf auf, dass zu klären sei, weshalb mit Franzeskon eine "firmenfremde Person" an das Tau von Martin 4 gelangt sei. "Bei solchen Tauflügen dürfen nur firmeneigene Personen als Flugretter tätig sein." Die beiden Begleiter von Franzeskon sind im Bezirkskrankenhaus Lienz. Ihr Zustand ist stabil.

Für die Alpinretter geht das Leben weiter: Es gibt Überlegungen, heute neuerlich aufzubrechen, um den Slowaken aus der Spalte am Rainerkees zu bergen.

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