28. November 2014, 06:58 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 22.12.2012 um 13:48 UhrKommentare

"Ich träume noch vom Hochwasser"

Die Flutkatastrophe in Lavamünd ist eineinhalb Monate her. Betroffene feiern Weihnachten zwischen Verzweiflung, Hoffnung und Dankbarkeit.

Foto © Traussnig

Der Blick von Albert Pansi ist müde. Die grauen Haare sind in den letzten Wochen mehr geworden. "Weihnachtsstimmung? Nein, heuer wirklich nicht. Ich habe fast alles verloren." Pansi ist einer jener, die vom Jahrhunderthochwasser am 5. November in Lavamünd besonders getroffen wurden. Die Wohnung überflutet, fast das gesamte Hab und Gut zerstört. Jetzt steht sie leer und wird getrocknet. Pansi wohnt seit Wochen bei seinem Bruder. "Ich kann ihm nicht genug danken." Bald wieder eigene vier Wände zu haben, ist trotzdem sein Weihnachtswunsch. "Das wird wohl bis März dauern."

Langes Warten, das Pansis früheren Nachbarn Sarah Egger und Patrick Grassl erspart bleibt, sie sind vor einem Monat in eine Ersatzwohnung gesiedelt. Im Wohnzimmer wird unter kritischen Augen von Katze Minki der Christbaum ausgepackt. "Auf die Küche warten wir noch, sonst haben wir alles, was wir brauchen", sagt Egger und streicht sich ostentativ über ihren Babybauch. Am 12. Jänner soll die kleine Hannah das Licht der Welt erblicken. Zu Weihnachten will die junge Familie "einfach zur Ruhe kommen" und demütig sein. "Wir haben so viele Spenden und Unterstützung bekommen. Danke an alle, die uns geholfen haben."

Die Szenen vom Hochwasser sind bei Grassl nach wie vor präsent. "Wir schauen uns öfters Videos im Internet an. Unglaublich, wie das damals zugegangen ist." Egger will 2012 schnell hinter sich lassen. "Es muss bald vorbei sein. Zuerst das Hochwasser, dann ein schwerer Autounfall - das war zu viel Aufregung."

Wrestling ist en vogue in Lavamünd. Zumindest bei den sechsjährigen Zwillingen Florian und Manuel, die durch eine Wohnung in Pfarrdorf toben. "Die Jungs fühlen sich wohl, die haben sich am Schnellsten eingelebt", sagt ihre Mutter Christa Kupferschmied. Der große Bruder Michael nickt zustimmend. "Wenn die ihre Xbox haben, ist eh alles in Ordnung." Katze Stupsi und Hund Jessie bringen sich in Sicherheit. Eine selbst gebastelte Krippe steht neben dem Laptop auf dem Tisch, der Weihnachtsstern auf dem Regal passt zum kräftigen Rot der Bilder. Der Christbaum liegt eingepackt auf dem Balkon. Das Weihnachtsfest wird für die Kupferschmieds ungewöhnlich. Das Haus, in dem sie sechs Jahre lebten, ist unbewohnbar und wird abgerissen.

Rettung durch Fenster

"Bei diesem Fenster sind wir rausgestiegen und mit dem Feuerwehrboot abgeholt worden. Es war schon alles sehr knapp", erzählt Christa Kupferschmied bei einem Besuch im alten Haus. "Ich träume jetzt noch vom Hochwasser. Das ist oft so unrealistisch, das Wasser steigt und steigt und geht irgendwann bis zur Soboth hinauf." Trotz weniger Platz ist sie unglaublich froh über die Ersatzwohnung. "Die Hilfsbereitschaft aller hat uns die schwierige Zeit erleichtert." Auch jetzt wird noch gespendet, "jemand hat uns sogar einen Truthahn für Weihnachten organisiert". Wie es im neuen Jahr weitergeht, weiß Kupferschmied nicht. "Gesundheitlich geht es uns aber gut, das ist jetzt das Wichtigste."

Bei Ignaz Gnamusch, Chef des Gasthof Krone, ist von Weihnachtsfrieden keine Spur, viel Arbeit wartet. Sein Betrieb ist eine einzige Baustelle, die Kühlanlage wurde rausgerissen, jetzt werden die Gasträume saniert. "Insgesamt haben wir 75 Tonnen Material hier rausgeliefert", sagt Gnamusch. Die Sanierung wird mehrere Hunderttausend Euro kosten. "Aber es ist sensationell, wie uns alle geholfen haben."

Und zu Weihnachten? "Wirklich Zeit zum Nachdenken und Innehalten bleibt wohl nicht."

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