21. November 2014, 19:22 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 01.11.2010 um 20:14 UhrKommentare

Die Nacht der Neugierigen

Am Freitag steigt in Kärnten zum zweiten Mal die lange Nacht der Forschung. Sie erweckt nicht nur die Beatles zum Leben, sondern auch einen welt- aber in Kärnten weitgehend unbekannten Klagenfurter Physiker: Joef Stefan.

Foto © Fotolia/Stephen Sweet

Gute Quote

Freilich könnte es besser sein. Doch die Entwicklung zählt: Vor wenigen Jahren lag Kärnten bei der Forschungsquote noch an achter Stelle in Österreich. Heute hat sich unser Bundesland auf Platz drei vorgearbeitet, mit einer Quote von 2,6 Prozent. Allerdings ist etwa die Hälfte der Betriebe mit hoher F&E Quote in ausländischem Besitz.

Die lange Nacht der Forschung soll vor allem ein junges Publikum ansprechen und für wissenschaftliche Karrieren begeistern. "Am Freitag wird Forschung erlebbar gemacht", erklärt Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) als Technologiereferent. "Es soll aber nicht nur das Interesse an Forschungsthemen geweckt werden, sondern Interessierte sollen auch zur aktiven Teilnahme motiviert werden", so Hans Schönegger, Vorstand des Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds (KWF).

Heiß-kalt für die Großen

Wie schmeckt eine Marke? Im Uni-Institut für Unternehmensführung kann man in die Welt des Markenkults eintauchen und sein Markenwissen testen. Im Carinthian Tech Research kann jeder ein Thermobild von sich erstellen und sehen, welchen Effekt ein längeres Handy-Telefonat auf die Temperatur am Ohr hat. Die Bilder können ausgedruckt und mitgenommen werden. Die Firma On Point Indicators zeigt im Lakeside Park, wie Blut wiederverwendet wird. Ebendort kann man im Institut für Intelligente Systemtechnologien zusehen, wie Schall sich ausbreitet: Die Wellen werden im sogenannten Kundtschen Staubrohr sichtbar gemacht. Ton-spuren findet man aber auch im Institut für Anglistik an der Uni: Dort wird der kulturgeschichtliche Einfluss der Beatles nachgezeichnet. Warum eine Schallplatte Musik macht, erfährt man im PubSciene im Lakeside Park.

Coole Stationen für die Kleinen

Wer nie einen Fehler beging, hat nie was Neues ausprobiert, soll Albert Einstein gesagt haben. Darum sollen bei der Nacht der Forschung heuer vor allem Kinder angesprochen werden, in Workshops mitzutun. So kann man im Kinderbüro an der Uni Experimente mit dem Elektrokoffer machen (Voranmeldung unter 0463-2700-9216). Ebendort darf man aber auch Computer zerlegen: Gemeinsam mit Betreuern können Kinder die Geheimnissen des Datentransports und des Speicherns nachgehen (Anmeldung wie oben).

In der Pädak zeigen Hauptschüler, wie sie die Höhe des Pollenfluges im Umfeld ihrer Schule gemessen haben. Wie Luft als Knautschzone im Straßenverkehr genützt wird, macht die Firma Alpina im Lakeside Park sichtbar.

Aber auch Mittelalter-Fans kommen auf ihre Rechnung: Am Institut für Geschichte zeigen Handwerksleute in mittelalterlicher Kleidung ihre Burgbau-kunst. Forscher erläutern dem Publikum die Hintergründe.

Welcher Käsewürfel schmilzt zuerst? In der Pädak finden Thermodynamik-Versuche mit Hilfe von Käsestücken und Mikrowelle statt. Und in der Lam Research AG wird sichtbar, wie sich ein Wassertropfen bei einem Aufprall verhält.

Ein Kärntner in den Lehrbüchern

Es ist wenig aus seinem Leben überliefert, und doch hat der Kärntner Slowene Forschungsgeschichte geschrieben: Joef Stefan aus Klagenfurt-St. Peter. Dem 1893 verstorbenen Physiker ist die heurige Kärntner Nacht der Forschung gewidmet.

Stefan bereitete den Eintritt in die Quantenphysik vor: Er beschäftigte sich mit der Strahlung von schwarzen Körpern, experimentierte aber auch mit der Verdampfung von Flüssigkeiten. Die "Stefan-Zahl" kommt heute noch bei den Behandlungen von Schmelzen vor. Das "Stefan-Gesetz" findet man immer noch in etlichen Physiklehrbüchern.

Stefan stammte aus einer armen slowenischen Familie, seine Eltern konnten weder lesen noch schreiben. Doch schon früh schrieb er Gedichte. Veröffentlicht wurde unter anderem sein Beitrag "Über unsere Literatur", der als "erste slowenische kultur-programmatische Abhandlung" gilt.

Als Studienfächer suchte sich Stefan aber Mathematik und Physik in Wien aus und war mit 28 Jahren der jüngste ordentliche Professor der Monarchie. Seine Ferien nützte er, so wird erzählt, um seine alte Muter im Lesen und Schreiben zu unterrichten.

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Welt der Wissenschaft

  • 104 Stationen warten am 5. November auf neugierige Besucher. Die Uni Klagenfurt und der Lakeside Park sind die zentralen Anlaufstellen.

    Was erwartet Sie? Eine Leistungsschau der führenden Forschungsbetriebe Kärntens. Dazu hat man Gelegenheit, mit Wissenschaftlern darüber zu reden.

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