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Zuletzt aktualisiert: 31.12.2012 um 14:48 UhrKommentare

"Med-Uni für Kärnten mit hohen Kosten verbunden"

Die frühere Salzburger Gesundheitsreferentin Maria Haidinger, ehedem glühende Befürworterin des Klagenfurt-Vorbilds PMU, relativiert die Erwartungen.

Foto © KK

Geht es nach der FPK und der Wiener Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU), und sagt der Akkreditierungsrat ja, dann kann man ab Oktober auch in Klagenfurt Medizin studieren. Voraussetzung neben einer erfolgreichen Aufnahmsprüfung: ein entsprechender wirtschaftlicher Background, um sich 20.000 Euro Studiengebühr pro Jahr leisten zu können. 30 begabten Kärntnern will das Land mit Stipendien den Zugang zu dieser Privatuni in enger Kooperation mit dem Klinikum Klagenfurt ermöglichen.

Gern wird von den Protagonisten des Projekts auf den Erfolg der, ebenfalls privaten, Salzburger Paracelsus Medizin Universität (PMU) hingewiesen. Die kann es sich leisten, jährlich hunderte Bewerber abzuweisen, welche die Sigmund-Freud-Uni als potenzielle Kandidaten für Klagenfurt sieht. Doch wie sehr taugt die PMU wirklich zum Vorbild für Kärnten?

Eine Expertin, die diesbezüglich große Skepsis anmeldet, ist die frühere Salzburger VP-Landesrätin (1999-2004) und Frauenärztin Maria Haidinger. Sie stand in der ersten Reihe der Befürworter, gesteht aber ein, dass zum zehnjährigen Bestehen der PMU Ende Jänner einiges von den damaligen Erwartungen zu relativieren sei. Ein Kernpunkt beträfe den Personalaufwand. "Mittelbau und Chefs hatten zu wenig Zeit, wodurch der hohe Anspruch nicht ganz erfüllt werden konnte", sagt Haidinger. Genau dieses Problem ist auch in Klagenfurt zu befürchten, wo von der SFU nominierte Professoren und habilitierte Mediziner aus Klinikum und anderen Kabeg-Häusern die Lehre ziehen sollen. "Das wird immens personalintensiv", berichtet Haidinger von den Salzburger Erfahrungen und steht damit in krassem Widerspruch zu den eher moderaten Personalvorstellungen der SFU. Die Freudianer sind überzeugt, mit vier Millionen Anschubfinanzierung durch das Land und in weiterer Folge mit den Beiträgen der 80 Studenten pro Jahrgang das Auslangen finden zu können. Haidinger erachtet einen "perfekt auskalkulierten Businessplan und eine entsprechende Ausfallshaftung" als Grundvoraussetzung für das Projekt. Über beidem schweben derzeit noch Fragezeichen. Doch selbst wenn diese Basis gegeben wäre, warnt Haidinger das Land: "Kärnten muss sich darüber im Klaren sein, dass solch ein Projekt massiv teuer wird." Weitere Spannungsfelder: eine Ungleichbehandlung von Jungärzten der vorgeblichen Elite-Uni bzw. solchen von öffentlichen Universitäten und die Gefahr, dass die private Universität aufgrund des hohen Studienbeitrags zu einer "geschützten Werkstätte" gerät.

Wie steht Haidinger zum Hauptargument des FPK, dass man mit einer Medizin-Universität dem drohenden Medizinermangel vorbeugen könne? Der einfachere und überschaubarere Weg sei, die Ärzteausbildung in den Spitälern zu intensivieren. "Wer diesbezüglich innerhalb der Spitäler die Rahmenbedingungen verbessert, könnte sich profilieren", rät sie. Zur Erinnerung: Bei einer Turnusärztebefragung im heurigen August schnitt gerade das Klinikum Klagenfurt besonders schlecht ab.

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