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Zuletzt aktualisiert: 21.10.2012 um 19:14 UhrKommentare

Mit Radarattrappe auf Raser-Jagd

Ein von Straßenlärm geplagter Grafensteiner bastelte aus einem alten Computer ein Radarimitat. Jetzt wird der Mann wegen eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung angezeigt.

Foto © KK/Privat, KLZ/Elisabeth Peutz

Manchmal kann Beamtendeutsch klar verständlich sein. Als "Nachbildung eines Radarkastens" bezeichnet die Polizei jenen kuriosen Sachverhalt, der seit Tagen für Gesprächsstoff in der Gemeinde Grafenstein sorgt. Auslöser ist die innovative Idee eines Gemeindebürgers, rasende Autofahrer an der Grafensteiner Landesstraße (L 107) zu stoppen. Seit Jahren leidet er darunter, dass in diesem Bereich Tempo 50 nicht eingehalten wird.

Aus einem alten Computergehäuse bastelte der jetzt einen Radarkasten-Fake und schraubte diesen auf eine bereits bestehende Geschwindigkeitsanzeige neben der Straße. Nach einigen Tagen wurde die Polizei auf den gefälschten Radarkasten aufmerksam, ließ in abmontieren und forschte den Urheber aus. "Die Nachbildung war wirklich professionell gemacht, der Mann hat sich da einiges angetan", konstatiert ein Beamter der Polizei Grafenstein. Bei allem Respekt vor der Bauart wird der Bastler jetzt jedoch wegen eines Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung angezeigt. Nachdem niemand zu Schaden kam, wird die Verwaltungsstrafe wohl überschaubar bleiben.

Die Anrainer sind sich einig, dass die Attrappe "viele Raser abgeschreckt hat", wer dahinter- steckt, wollen sie jedoch nicht verraten. "Wir haben schon im Vorjahr einen Radarkasten beantragt, bis jetzt ist aber leider nichts passiert", sagt ein pensionierter Polizist, selbst betroffener Anrainer. Die Strecke sei enorm gefährlich, kaum ein Autofahrer würde die Geschwindigkeit einhalten. "Wenn der mobile Radarwagen unterwegs ist, erwischen die oft an die 100 Raser in einer Stunde." Deshalb appellieren die Betroffenen an Polizei und Behörden: "Hier laufen viele Kinder herum, wenn etwas passiert, ist es zu spät!"

Über die Aufstellung von Radarkästen entscheiden Polizei, Bezirkshauptmannschaften und das Land. "Wir haben unzählige Anträge von Bürgerinitiativen vorliegen", sagt Adolf Winkler, Leiter der Landesverkehrspolizei. "Sinn machen Radargeräte an stark frequentierten Stellen und wo es um Verkehrsberuhigung und Verkehrssicherheit geht. Wir können einfach nicht überall ein Radar aufstellen." Letztlich spielen auch monetäre Aspekte mit. Die Kosten für einen stationären Radarkasten (inklusive genormten Sockel, Stromversorgung, Radargerät und Radarkabine) belaufen sich laut Winkler auf etwa 100.000 Euro.

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Raserei in Zahlen

  • 456.862 Geschwindigkeitsübertretungen gab es 2011 in Kärnten. Allein 365.700 davon sind auf Radarkästen und mobile Radargeräte zurückzuführen. Dazu kommen 25.000 Anzeigen und Organstrafmandate durch die Section Control, sonstige Geschwindigkeitskontrollen (9065 Anzeigen) sowie "Laser-Strafen" (56.597).

    Die Verkehrsabteilung in der Landespolizeidirektion und die Verkehrsinspektionen der Stadtpolizeikommanden setzen vermehrt auf Zivilstreifenautos und Pro-Vida-Videoradargeräte.

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