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Zuletzt aktualisiert: 05.07.2012 um 20:56 UhrKommentare

Noch kein Favorit in Sicht

Am Donnerstag stellen sich in Klagenfurt die ersten Autoren dem Wettlesen um den mit 25.000 Euro dotierten Bachmann-Preis. Hugo Ramnek war als erster Österreicher am Start.

Foto © APA/Eggenberger

Wenn in Klagenfurt die Leihräder praktisch ausgebucht sind und allerorts Menschen mit Umhängetaschen (heuer in einem wunderschönen Rot) unterwegs sind, auf denen der Schriftzug "Literatur" prangt, ist Bachmann-Zeit. An drei Lesetagen wird die Gegenwartsliteratur nach neuen Trends abgeklopft. Und Fortuna führte wieder einmal Regie: Am ersten Tag des Wettlesens um den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis überwogen literarische Vexierspiele und Texte, in denen sich die Realitäten verschieben oder mit Träumen und Visionen verweben.

Der deutsche Autor Andreas Stichmann etwa schickt in seinem Auszug aus dem Roman "Der Einsteiger" seinen Helden in ein Haus, wo er beginnt, sich mit der dort lebenden Familie zu identifizieren. Diese "Identitätserschleichung" (Juryvorsitzender Burkhard Spinnen), bei der die Realitäten immer wieder verschwimmen, erntete von der von Anfang an höchst kompetent agierenden Jury viel Lob. Stichmanns erster Roman "Das große Leuchten" wird übrigens im September bei Rowohlt erscheinen.

Wiesenmarkt

Durchwachsener fiel das Urteil für Hugo Ramnek aus: Der Kärntner, der in Zürich lebt, erzählt in seinem sprachlich sehr durchdachten Text "Kettenkarussell" von einer Dreiecksgeschichte auf dem Bleiburger Wiesenmarkt, von Grenzen und Grenzüberschreitungen und vom Zusammen- und Auseinanderleben der beiden Volksgruppen. Ramnek würde die Bewegung des Jahrmarktes sehr gut in sprachliche Bilder umsetzen, befand Daniela Strigl. Für Paul Jandl entfachte er allerdings damit zu viel "literarischen Rummel". Ramnek selbst war nach der Lesung "vor allem glücklich, dass es mir gelungen ist, in der Lesesituation nicht zu erstarren. Ich habe gewusst, dass ich mit dem Text viel riskiere", sagte der 52-jährige Schauspieler und Deutschlehrer. Sein Text wird in zwei Wochen im Wieser-Verlag erscheinen. Verleger Lojze Wieser fieberte dementsprechend im Publikum mit: "Natürlich ist man da auch aufgeregt", erzählt er und lobt seinen Autor: "Ich finde, es ist ihm sehr gut gelungen, die Stimmung eines Wiesenmarktes auch in der Sprache einzufangen." Das Buch wird neben dem deutschen Text auch die slowenische Übersetzung bieten sowie bisher unveröffentlichte Bilder Werner Bergs vom Bleiburger Wiesenmarkt.

Literatur-Tankstelle

Den Auftakt mit der undankbaren Nummer 1 machte Stefan Moster. Der Deutsche durfte sich über ein volles Haus freuen, denn zahlreiche Schüler nutzen am vorletzten Schultag die Gelegenheit, noch eine ordentliche Portion Literatur zu tanken. Moster, der seit Jahren als Übersetzer in Finnland lebt, sorgte mit seinem Text "Der Hund von Saloniki" für einen gelungenen Auftakt.

Alle Texte kann man übrigens im Internet nachlesen. Oder sich auch abseits vom ORF-Theater oder der 3sat-Liveübertragung vorlesen lassen: Denn die Videos der Lesungen werden via bachmannpreis.eu ebenso online gestellt wie jene von den Jurydiskussionen oder die Videoporträts. Erstmals gibt es auch eine Zusammenarbeit mit "Snippy": Mit der gleichnamigen App kann man sich die Texte auf das Smartphone laden.

Schließlich ist es wichtig, sich "Einblicke, Durchblicke und Ausblicke" (so der Titel des von Hanno Kautz gestalteten Bühnenbildes) zu holen, wenn man selbst zum Juror werden will: Am Freitag zwischen 15 und 20 Uhr kann man seine Stimme für den Publikumspreis abgeben. Nur ankreuzen reicht allerdings nicht: Gezählt werden nur jene Stimmen, die auch eine Begründung (maximal 400 Zeichen) aufweisen.

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