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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2012 um 21:48 UhrKommentare

Papa-Karenz ist kein Kinderspiel

Bilanz zum Vatertag: Warum in Kärnten von den derzeit rund 8100 Kindergeldbeziehern nur 200 männlich sind.

Foto © Fotolia

Michaela Eigner tourt seit Jahren durch Kärnten, um über die verschiedenen Varianten der Karenzzeit aufzuklären. Bei ihrem letzten Vortrag in Villach traute die Arbeiterkammer-Juristin ihren Augen nicht. "Da waren 50 Prozent der Zuhörer männlich."

Tatsächlich gehen in Kärnten aber weit weniger Männer als 50 Prozent in Karenz. Laut Statistik des Familienministeriums gab es bei der letzten Monatsauswertung 8094 Kärntner Kindergeldbezieher. Davon waren 7866 weiblich und "nur" 228 männlich. Demnach liegt die Kärntner Männerbeteiligung unter dem Bundesschnitt von fünf Prozent.

Männerquote steigt

Diese monatsbezogenen Zahlen seien jedoch nur Momentaufnahmen und daher nicht aussagekräftig, so Volker Hollenstein, Sprecher des Familienministeriums. Er findet, man muss die Auswertungen längerfristig anlegen. Da ergebe sich ein anderes Bild für Kärnten. Und zwar dieses: In einem Beobachtungszeitraum von 12 Monaten haben sich laut aktuellen Auswertungen immerhin 12,4 Prozent der Kärntner Männer an der Karenz beteiligt.

Generell lässt sich, passend zum Vatertag, sagen: "Das Interesse der Männer, in Karenz zu gehen, ist eindeutig gestiegen", so AK-Juristin Michaela Eigner. "Theoretisch möchten heute mehr Männer in Karenz gehen denn je. In der Praxis scheitert es aber an altbekannten Gründen." Die Herren haben Angst vor einem Karriereknick und Einkommensverlust. Allein: Das haben Mütter auch und trotzdem bleiben sie beim Kind. Eigner weiß aus Erfahrung: "Wenn überhaupt, dann gehen die Kärntner meist nur zwei Monate in Karenz." Sehr oft scheitert die "Papa-Zeit" auch an der Gesetzeslage. Eigner: "Der Mann kann beispielsweise nicht in Karenz gehen, wenn seine Frau in Elternteilzeit ist." Das ist für viele Paare ein Hindernis, sich die Karenz zu teilen. Denn: "Die meisten Mütter wollen nach der Karenz ganz bewusst in Elternteilzeit gehen. Sie wollen nicht gleich 40 Stunden vom kleinen Kind getrennt sein, sondern langsam in den Beruf einsteigen". Damit der Mann Kinderbetreuungsgeld bekommt, müsste die Frau aber Vollzeit arbeiten. Und auf Elternteilzeit und den damit verbundenen Kündigungsschutz verzichten." Doch wer will das schon?

"Kein Urlaub daheim"

Das kann Stefan Zehetmeier (37) nur unterschreiben. Er ist derzeit Vollzeit-Karenz-Papa und findet das Interesse an seiner Person bezeichnend. "Ich mache ja nur das, was unzählige Frauen jeden Tag machen und was von allen als selbstverständlich angesehen wird."

Seine Frau Bernadette ging acht Monate nach der Geburt von Tochter Rosa wieder arbeiten. "Ich wollte einfach bei den Kindern sein", sagt Zehetmeier. Schon bei Sohn Emil (3) habe er seine Arbeitszeit an der Uni Klagenfurt reduziert. Beim zweiten Kind ging er einen Schritt weiter und blieb überhaupt daheim - für ganze sechs Monate. "Anfangs war es komisch, da habe ich dauernd E-Mails überprüft und den Beruf daheim mitverfolgt", sagt der Assistenz-Professor. Bald blieb zwischen Windeln wechseln, Schnuller säubern und Emil in den Kindergarten bringen aber ohnehin keine Zeit mehr dafür. "Urlaub ist das hier keiner", lächelt er. "Aber ich genieße die Karenz sehr." Zum "Drüberstreuen" gibt es oft anerkennende Blicke, wenn er mit dem Kinderwagen ausfährt. "Manche Frauen sagen mir, sie hätten sich auch gewünscht, dass ihr Mann zu Hause geblieben wäre." Geschlechtsgenossen trifft er auf seinen täglichen Wegen kaum. "Eigentlich sind es stets die gleichen ein bis zwei Väter, die mir mit Kindern begegnen. Und ich frage mich oft, wie sie Kind und Karriere unter einen Hut bringen." Er selbst habe mit seinem Arbeitgeber, der Uni, großes Glück gehabt. "Kollegen und Vorgesetzte haben es sogar toll gefunden, einen Karenz-Vater am Institut zu haben."

Alles in allem sei seine Idee, "eine intensive Zeit mit den Kindern zu erleben", voll aufgegangen. Zehetmeier sagt abschließend: "Ich kann das nur jedem Vater empfehlen."

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Varianten beim Kinderbetreuungsgeld

  • Langvariante: Bis zum 36. Lebensmonat des Kindes gibt es 436 Euro Kinderbetreuungsgeld monatlich. Voraussetzung dafür ist, dass sich Vater und Mutter der Kinderbetreuung widmen. Andernfalls gibt es "nur" bis zum 30. Lebensmonat des Kindes Geld.

    Zwei-Jahres-Variante: Bis zum 24. Lebensmonat des Kindes gibt es rund 624 Euro Kinderbetreuungsgeld monatlich. Falls nur ein Elternteil an diesem Modell teilnimmt, bis zum 20. Monat.

    Eineinhalb-Jahres-Variante: Bis zum 18. Monat des Kindes gibt es 800 Euro monatlich. Bis zum 15. Lebensmonat bei einem Elternteil.

    Neue Variante: Bis zum 14. Lebensmonat rund 1000 Euro, wenn beide in Karenz gehen. Andernfalls bis zum 12. Lebensmonat.

    Einkommensabhängige Variante: Bis zum 14. bzw. 12. Lebensmonat des Kindes gibt es rund 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, maximal jedoch 2000 Euro monatlich.

    Generell gilt: Der zweite Elternteil, der Kinderbetreuungsgeld bezieht, muss für mindestens zwei Monate die Betreuung übernehmen. Beim einkommensabhängigen Modell ist die Zuverdienstgrenze am niedrigsten.

    Infos: kaernten.arbeiterkammer.at oder: 050 477.

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