27. November 2014, 20:33 Uhr | Aktualisiert vor 2 min | Als Startseite
Zuletzt aktualisiert: 03.05.2012 um 21:07 UhrKommentare

Holz oder Gas?

Nach dem GDK-Aus in Klagenfurt wird um ökologische und leistbare Alternative gerungen. Im Hintergrund läuft der Poker um 24.000 Wärmekunden und 50.000 Stromkunden.

Foto © Bauer

Wer macht künftig das Geschäft mit der Wärme für Klagenfurt - und womit: mit Gas oder Holz oder beidem? Weil der Umweltsenat in Wien den Bescheid des Landes für das Gasdampfkraftwerk wegen drohender vermehrter Nebeltage abgelehnt hat, bleibt bei den Stadtwerken kein Stein auf dem anderen. Während der Verbund nach dem GDK-Aus schweigt, ob er sich mit seinen 49 Prozent Anteilen aus der Energie Klagenfurt (EKG) verabschiedet, rüstet sich die Kelag schon für den Einstieg in Klagenfurt. "Stadtwerke und Verbund müssen das aber beide wollen", setzt Kelag-Aufsichtsratschef Günther Pöschl voraus. Und: "Es wird eine Lösung geben, wenn sich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten ergibt."

"Dauer suboptimal"

Beim GDK hat sich die Kelag unter Pöschl immer strikt herausgehalten. "Es hat nicht zur Kelag-Strategie der regenerativen Energie gepasst." Außerdem sei im Moment auch "die Rentabilität von Gasdampfkraftwerken keine gute", sieht Pöschl das GDK-Aus nüchtern. Unbehagen bereitet ihm hingegen, dass in Kärnten Genehmigungsverfahren so zäh sind. "Dauer und Ergebnis sind in Summe suboptimal."

Ökologisch und leistbar

Bei der Energie Klagenfurt brennt einstweilen der Hut für GDK-Ersatz. "Wir stehen an der Weggabelung", sagt Stadtwerke-Vorstand Romed Karré. "Es ist eine reine Preisfrage, ob wir die Wärme-Grundversorgung mit einem Heizwerk mit Gas oder mit Biomasse abdecken."

Beim Verbund hat man noch keinen Plan. "Die Energie Klagenfurt wird mehrere Alternativ-Varianten im Detail ausarbeiten, das ist nicht in den nächsten Wochen zu entscheiden", so Verbund-Sprecher Robert Zechner.

Deutliche Vorstellungen hat indes der Kelag-Aufsichtsratschef. "Als Fernwärmekunde und Unternehmer in Klagenfurt", so Pöschl, "wünsche ich mir eine ökologisch vertretbare und leistbare Lösung."

Für die operative Umsetzung hat Kelag-Vorstand Hermann Egger das Beispiel Villach vor Augen: "In Villach hatten wir für die Fernwärme 100 Prozent Gasversorgung. Das haben wir auf 30 Prozent gesenkt", beschreibt Egger durch Einsatz von Industrieabwärme und Biomasse eine deutliche CO2-Abnahme in der Draustadt.

74.000 Kunden

Bei der Energie Klagenfurt, die noch zu 51 Prozent den Stadtwerken gehört, geht es aber nicht nur um die Wärme, bei der sie 24.000 Kunden versorgt. Die EKG hat auch rund 50.000 Stromkunden am Netz. Sollte die Kelag anstatt des Verbundes oder an dessen Seite bei der EKG einsteigen, geht es also um 74.000 neue Kunden - Gaskunden noch nicht mitgerechnet. Denn für Egger ist klar: "Eine gemeinsame Strategie umfasst alle EKG-Geschäftsteile." Die Kelag mit bisher 230.000 Strom- und 30.000 Wärmekunden will also am Stromgeschäft auch in der Landeshauptstadt teilhaben. Dabei klopft er vorsichtig an: "Falls es Gespräche gibt, muss es für beide Seiten eine Erfolgsgeschichte werden."

Verhandlungen auf politischer Ebene sind längst im Gange. Bürgermeister Christian Scheider: "Ich führe laufend Gespräche mit Harald Dobernig." Der FPK-Landesrat ist als Finanzreferent Eigentümervertreter des Landes bei der Kärntner Energieholding, in der Land Kärnten (51 Prozent) und RWE (49 Prozent) gemeinsam zwei Drittel der Kelag-Anteile halten. Rund ein Drittel der Kelag hält der Verbund, der - noch - mit 49 Prozent in der EKG sitzt.

"Bei einer Kärntner Lösung muss es eine gemeinsame Zukunftsstrategie geben", steht für Pöschl fest. "Die EKG muss aber ein eigenständiges Unternehmen bleiben. Es ist wichtig, dass die Stadt Klagenfurt wesentlicher Gesellschafter bleibt." Stadtwerkebedienstete sollten auch keine Ängste haben. "Die Kelag hat gezeigt, dass man ein Unternehmen positiv entwickeln kann ohne dass es Sozialabbau und Personalkahlschlag gibt."

Dass der Verbund seine EKG-Anteile gegen Kelag-Anteile an der Verbund Wasserkraft (VHP, früher AHP) abtauscht, ist für Pöschl ausgeschlossen. Die VHP-Anteile werden von Fachleuten auf bis zu 700 Millionen Euro geschätzt - gut das Zehnfache der Verbund-Anteile an der EKG.

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