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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2012 um 20:16 UhrKommentare

Tenzin Dhargye: Der Nomade des Dalai Lama

Tenzin Dhargye (44) ist seit sieben Jahren der Vertraute des Dalai Lama in Kärnten. Zurzeit bereitet der Rektor des "Zentrums für Höhere Tibetische Studien" in Knappenberg den Österreich-Besuch "Seiner Heiligkeit" vor.

Foto © KK

Nein, es war Lama Geshe Tenzin Dhargye vor 44 Jahren durchaus nicht in seine nordindische Wiege gelegt, dass ihn das Lebensrad einmal ins kärntnerische Knappenberg bei Hüttenberg rollt. Dass er als "weiser, höchstgelehrter, gut gedeihender spiritueller Unterweiser" - das ungefähr bedeutet sein Name - in vier Jahren über 3000 Interessenten an das Tibetzentrum holt. Dass er nach mehr als drei Jahrzehnten mönchischen Lebens als Rektor einem Internationalen Institut für Höhere Tibetische Studien vorstehen wird, das uns Kärntnern und Europäern gute Anregungen für ein sinnvolleres Leben bietet. Nein, das alles war nicht vorhersehbar!

Doch seine Lebensweichen stellte er früh: "Mit neun Jahren stand für mich fest, dass ich Mönch werden wollte. Mein Vater, eine respektierte Autorität in unserer Nomaden-Gesellschaft, war dagegen. Aber ich setzte mich durch." Der Vater danach auch - und schickte seinen Sohn gegen dessen Willen in ein 2000 Kilometer entferntes Kloster. "Um mein Heimweh nicht zu steigern, hat mich meine Familie drei Jahre lang nicht besucht."

Der Weg zur Harmonie ist halt nicht immer harmonisch . . .

18 Jahre hat Tenzin Dhargye an der berühmten Kloster-Uni Sera studiert, ein tantrisches College angehängt und ist seither Geshe Ngarampa. Was ihn von Nicht-Studierten unterscheidet? "Ich bin weiser, mitfühlender und ruhiger geworden - ein glücklicher Mensch. Religiös gesehen bin ich der Erleuchtung näher gekommen." Wie viele Schritte fehlen noch bis zum Ziel. Da lacht er, fast wie ein heiterer Buddha: "Oh, das ist noch ein weiter Weg!"

Und zurzeit auch "sehr aufregend"! Mehr als vier, fünf Stunden Schlaf sind in diesen Tagen nicht drin. Der Mönch bereitet den Besuch "Seiner Heiligkeit, des Dalai Lama" vor. "Ich kenne ihn seit Jahrzehnten und habe in dieser Zeit keinen Fehler, keinen Irrtum und keine Schwäche an ihm bemerkt", sagt der Geshe. "Ich vertraue ihm total!"

So folgte er 2005 ohne Zögern der Aufforderung des Dalai Lama, das Tibetzentrum mit aufzubauen und zu leiten. "Wenn Seine Heiligkeit etwas für bedeutsam hält, erfülle ich diese Aufgabe sehr gern."

Er strahlt die gleiche Abgeklärtheit aus wie sein geistiges Oberhaupt. "Ja, ich verstehe, dass junge Tibeter empört sind und für Autonomie und Unabhängigkeit kämpfen. Aber dabei darf es nie Gewalt geben." Und natürlich sieht Dhargye die Gefahr, "dass Tibet von der Weltkarte verschwinden könnte. Doch immer mehr Menschen tragen die Karte Tibets in ihrem Inneren - so bleibt es lebendig!".

Entspannt-tolerant ist er auch hier: "Im Tibetzentrum wollen wir menschliche Werte entwickeln, Angst und Hass abbauen, um einfühlsame, liebende und glückliche Menschen zu werden. Aber dafür muss man kein Buddhist sein, ja nicht einmal religiös." Das gelte auch für tibetische Medizin und Heilkräuter.

Wie sieht er die Zukunft? "Für das Zentrum hoffe ich, dass wir uns mit dem neuen Gebäude deutlich weiterentwickeln und in einigen Jahren viel mehr Menschen nach Knappenberg kommen. Für mich selbst habe ich keine Vision. Unser Sein und unsere Pläne sind ja so vergänglich!"

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