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Zuletzt aktualisiert: 17.01.2011 um 05:10 UhrKommentare

Egger: "Wind ist für Kelag kein Thema"

Hermann Egger, seit 22 Jahren Vorstand der Kelag, über Windparks und Strompreis, Wasserkraft und Dividenden für Kärnten, Verbund und RWE sowie die Pläne 2011.

Foto © Eggenberger

Trotz Dementi wollen Gerüchte um einen vorzeitigen Rücktritt des RWE-Konzernchefs Jürgen Großmann nicht enden. Spürt die Kelag etwas von der Unruhe beim deutschen Miteigentümer?

HERMANN EGGER: Überhaupt nichts. Wir haben erst im Vorjahr unseren Kooperationsvertrag um zehn Jahre verlängert und damit die Basis für eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit gelegt.

Die RWE erwartet ein Kostenschub von über 500 Millionen Euro bei der Atomkraft-Abgabe. Könnte sie die Kelag künftig stärker bei Dividenden anzapfen als bisher?

EGGER: Die Kelag setzt auf nachhaltigen Wachstumskurs. Dafür müssen wir Investitionen in Wasserkraft und erneuerbare Energien aus eigener Kraft stemmen können. Das ist ein langfristiges Programm, unabhängig von kurzzeitigen Ereignissen.

Ihre nächsten konkreten Projekte gemeinsam mit der RWE?

EGGER: Wir konzentrieren uns auf Südosteuropa mit Wasserkraft. Da holen wir uns kein Klumpenrisiko, sondern wollen weiter nachhaltig wachsen.

Wie geht es Ihnen als grüner Stromerzeuger mit der offensiven Atomenergie-Politik der RWE?

EGGER: Österreich und insbesondere die Kelag sind bei den Energie- und Klimazielen mit der Wasserkraft auf der Sonnenseite.

Für 2009 hat die Kelag an RWE, Verbund und Land Kärnten 25 Millionen Euro Dividende ausgeschüttet. Wie viel wird's für 2010?

EGGER: Das wird eine Entscheidung der Eigentümer. In der Bilanz 2010 werden wir das Ergebnis von 2009 halten können.

Nicht mehr? Obwohl sie den Umsatz von 1,16 auf 1,5 Milliarden Euro massiv erhöht haben?

EGGER: Das liegt an der Volatilität im Stromhandel, da sind die Margen gering. Und wir investieren viel, 260 Millionen Euro 2011. Wir werden 22 Milliarden Kilowattstunden Stromaufbringung haben, inklusive unserer Laibacher Tochter Interenergo. Hauptergebnisbringer ist die Veredelung unserer Wasserkraftwerke.

Im Kelag-Ergebnis 2009 in Höhe von 71 Millionen Euro steckten 40 Millionen Euro Gewinnausschüttung der Verbund-Wasserkrafttochter AHP, an der der Kelag zehn Prozent gehören. Kassiert die Kelag für 2010 wieder so viel?

EGGER: Der Anteil wird nicht so hoch sein, aber die AHP-Ausschüttung wird ein wesentlicher Teil des Ergebnisses sein. Das gehört zum Kerngeschäft. Für die AHP-Anteile haben wir ja die Draukraft-Anteile eingebracht.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber wollte Ihnen die AHP-Anteile zuletzt um 500 Millionen Euro abkaufen.

EGGER: Ich hab' ihm gesagt, das steht nicht zur Diskussion.

Sie gaben Anzengruber im Vorjahr 190 Millionen Euro für 45 Prozent Strombezugsrechte am Kraftwerk Reißeck II. Ein Deal?

EGGER: Nein, das ist unsere Energiestrategie. Da passt ein Speicherkraftwerk hinein. Je höher in Europa fluktuierende Leistungen aus Windenergie und Fotovoltaik werden, umso mehr sind kurzfristig verfügbare hohe Leistungen aus Wasserkraft für den Ausgleich notwendig.

Wichtige Kelag-Projekte gehen 2011 an die Leitung: Was bringen die Werke Gailitz und Feldsee?

EGGER: In Gailitz haben wir die alten BBU-Kraftwerke durch ein neues ersetzt, Feldsee ist ab Sommer mit 140 MW voll im Einsatz, Koralpe startet im Frühsommer.

Wie beruhigen Sie die besorgten Umweltschützer, dass das hinaufgepumpte Drauwasser den Speicher Koralpe nicht verunreinigt?

EGGER: Wir wiesen im Begutachtungsverfahren nach, dass nichts passiert. Wir bauen als Auflage Schutzmaßnahmen ein. Wenn die Trübung der Drau ein bestimmtes Maß erreicht, schalten sich die Pumpen automatisch ab.

In Villach investierte die Kelag 14 Millionen in ein Biomassekraftwerk, wo auch Infineon seine Fernwärme bezieht. Wäre so etwas auch eine Lösung für Klagenfurt?

EGGER: Klagenfurt ist nicht unser Versorgungsgebiet. Sie werden verstehen, dass ich zu Konkurrenten und deren Problemen keinen Kommentar gebe. Wir setzen, wo immer es möglich ist, regenerative Energieträger ein, um die fossilen zurückzudrängen.

In St. Veit sind sie mit einem Solarkraftwerk engagiert. Ein Test?

EGGER: Wir stellen nicht Paneele in die Wiese, in St. Veit nutzt man Fassaden und Dächer. Wir wollen Erfahrung gewinnen. Unsere Stärke ist Strom aus Wasserkraft.

Die RWE ist eine deutsche Windenergie-Großmacht, aber offshore, auf dem Meer. Denkt die Kelag an Windkraftwerke im Gebirge?

EGGER: Herr Winkler, die Kelag kann nicht alles gleichzeitig machen!

Was halten Sie vom umstrittenen Windpark auf dem Dobratsch?

EGGER: Schau'n Sie, das ist Naturpark-Gebiet. Da greift die Kelag nicht hin! Wir haben wichtigere Projekte. Warum soll die Kelag ihr Image wegen ein paar Windrädern in einem Naturpark aufs Spiel setzen?

Am Dobratsch sind wir d'accord. Wie steht es mit der Petzen?

EGGER: Petzen ist ein Windkraftprojekt von privaten Interessenten. Wenn es genehmigungsfähig ist und wir als Partner gewünscht werden, schauen wir, ob das realistisch ist, ob sich das rechnet, und entscheiden dann. Aber: Für mich persönlich ist Wind für die Kelag in Kärnten kein Thema.

Aus Energie- oder Umweltsicht?

EGGER: Aus mehreren Gründen. Aus Umwelt- und Landschaftsschutzgründen, und wenn man die paar Windräder zusammenzählt, die in Kärnten möglich sind, dann liefern die keinen messbaren Beitrag. Wenn ich nichts anderes habe, muss ich nach jedem Strohhalm greifen. Kärnten hat aber ganz andere Potenziale. Am Ende der Reise muss das ja auch die Allgemeinheit über Förderungen bezahlen.

Apropos bezahlen: Erhöhen Sie heuer den Strompreis?

EGGER: Dazu kann ich Ihnen nur wie immer sagen: Aus derzeitiger Sicht ist das kein Thema.

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Eigentümer

  • Die Kelag gehört zu 63,85 Prozent der Kärntner Energieholding (KEH).

    Die KEH gehört zu 51 Prozent dem Land Kärnten, 49 Prozent der RWE.

    Der Verbund hält 35,12 Prozent der Kelag, 1,03 Prozent die Mitarbeiter.

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