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Zuletzt aktualisiert: 09.10.2010 um 05:10 UhrKommentare

Kärnten verpasst den Anschluss

Im Jahr 2050 muss jedes Kind zwei Pensionisten "schultern" - und das ist nicht die einzige beunruhigende Sensation der "Statistik Austria"-Bevölkerungsprognose. Für die Zukunft ist Kärnten am schlechtesten aufgestellt.

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Wenn Landesstatistik-Chef Peter Ibounig seine Zahlen erklärt, kann man sehr schnell mitten in einem Minenfeld landen. Stichwort Bevölkerung: "Der Höhepunkt wurde 1996 überschritten. Die Einwohnerzahl wird noch zwei Jahrzehnte stagnieren und dann zurückgehen. 2050 gibt es noch 552.000 Kärntner, 7300 weniger als jetzt, macht minus 1,5 Prozent."

Eineinhalb Prozent? Das ist doch nicht schlimm, könnte man sagen. "Stimmt", kontert Ibounig, "wenn der Alterungsprozess nicht wäre." Der hat drei Gründe. 1) Die Geburtenrate nimmt ab. Kärnten schrumpft von einer Generation zur nächsten um ein knappes Drittel. Das könnte sich leicht verbessern, aber auch verschlechtern. In einigen Ländern Ost- und Südeuropas verschwindet schon fast die Hälfte. 2) Die Lebenserwartung steigt. Für jedes Jahr, in dem man später geboren wird, lebt man im Schnitt drei Monate länger. 3) Die geburtenstarken Vor-der-Pille-Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre sind oder gehen in Pension.

Bis zum Jahr 2050 sinkt die Zahl der Kinder (bis 15) um 15.800 (minus 19,2 Prozent). Dafür gibt es dann 73.000 Pensionisten mehr. Auf jedes Kind kommen zweieinhalb Personen über 65.

Schulschließungen

"Die Folgen dieser Veränderungen sind gravierend", sagt Ibounig. Der Bedarf an Kindergärten und Schulen sinkt, im Pflichtschulbereich werden Klassen zusammengelegt, Schulen geschlossen und die Lehrerzahl wird gesenkt. Andererseits wächst die Nachfrage bei Alten- und Pflegeheimen sowie entsprechendem Personal.

Während Kärnten also um 1,5 Prozent schrumpft, werden alle anderen Bundesländer reicher an Bevölkerung. Kärntens Anteil an der österreichischen Bevölkerung sinkt von derzeit 6,8 auf 5,8 Prozent, also wird das Stück vom Budget-Kuchen kleiner. Bei der Einwohnerzahl wird Kärnten von Salzburg überholt, Wien überschreitet die zwei Millionen-Grenze. 95 Prozent des Zuwachses verdankt Österreich der Zuwanderung von "Ausländern", die in Kärnten bekanntlich ja nicht besonders hoch im Kurs stehen. "Eigentlich sollte man jungen Menschen, die von klein auf in unserer Gesellschaft leben, sagen: Bitte bleibt hier! statt sie auszuweisen", kalkuliert Ibounig.

Kärntens Frauen haben noch weniger zu lachen. Männer verdienen durchschnittlich die Hälfte mehr als Frauen. 40 Prozent der Frauen sind in Teilzeitarbeit, eine Verdoppelung in den letzten 15 Jahren. Ibounig: "Schon jetzt liegt die Durchschnittspension von Frauen bei 835 Euro und damit 100 Euro unter der Armutsgrenze. Weil die Teilzeitarbeiterinnen deutlich weniger verdienen, werden sie später eine noch niedrigere Pension erhalten."

Verbesserungen

Ibounig hat einige Ideen, was das Land tun könnte. "Mit Zuwanderungspolitik gezielt Menschen nach Kärnten holen. Nach skandinavischem Vorbild dafür sorgen, dass Frauen Beruf und Familie vereinbaren können. Neue Arbeitszeitmodelle, die Firmen und Eltern-Interesse vereinen. Familien mit mehreren Kindern steuerlich fördern, damit sie nicht unter die Armutsgrenze fallen."

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Daten und Fakten

  • Die Basis. Im Vorhinein zu berechnen, wie eine Bevölkerung in 40 Jahren aussehen wird, klingt nach Kaffeesudlesen. Doch die Basis besteht aus vielen bekannten und wenigen unbekannten Faktoren. So ist die gegenwärtige Bevölkerung - auch altersmäßig - genau erfasst.

    Die Trends. Kennt man die Geburten-, Sterbe- und Zuwanderungstrends der letzten Jahrzehnte, kann man sie ebenfalls erfassen und in die Zukunftsberechnungen einfließen lassen. Unbekannte Faktoren sorgen für eine gewisse Bandbreite, doch die Prognose ist zuverlässig.

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